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Spaniens neuer König : Krone ohne Krönung

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Bleiben auf dem Kissen liegen: Mit Krone und Zepter wird Felipe VI. am Donnerstag nicht in Berührung kommen Bild: dpa

In Spanien findet am Donnerstag zum ersten Mal ein friedlicher und demokratischer Wechsel der Könige statt. Mit dem neuen Krisenmonarchen Felipe VI. wird sich protokollarisch einiges ändern. Ein organisatorischer Albtraum.

          Diese Krönung ist nur eine Proklamation. Eine Krone wird zwar zur Hand sein, wenn Kronprinz Felipe von Bourbon und Griechenland am Fronleichnamstag zum neuen spanischen König ausgerufen wird. Aber niemand wird sie ihm aufsetzen. Sie wird vielmehr – so wie bei seinem Vater Juan Carlos I. im Jahr 1975 – im Plenarsaal des Parlaments auf einem granatroten Kissen mit Goldbordüre ruhen. Auf dem darunter liegenden Schemel wird als stummer Zeuge auch ein Zepter zu sehen sein, welches ursprünglich ein Marschallstab war und damit ein militärisches Symbol.

          Spanische Könige werden – mit wenigen Ausnahmen – nicht gekrönt. Das hat mit der Tradition der Westgotenkönige zu tun, die mehr Krieger als Monarchen waren. Der Stärkste, der Tapferste oder der Gefürchtetste unter ihnen wurden vom Anhang auf den Thron gehoben. Auch nach 800 Jahren islamischer Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel verzichteten sogar die Katholischen Könige auf ein „römisches“ Zeremoniell. Die Krone, die ihr Enkel Karl I. (Carlos V.) trug, war die deutsche Kaiserkrone. Und der Vorgänger des morgigen Felipe, der V., wurde auch nur einmal von einem Maler porträtiert, als er eine Hand auf die Krone legte. Weil der neue 49 Jahre alte König ein Krisenkönig ist – die Anfechtungen reichen von der Wirtschaft und der Arbeitslosigkeit über die Herausforderungen katalanischer und baskischer Separatisten bis zu den Forderungen linker Parteien, die Monarchie abzuschaffen –, ist der Wechsel an der Spitze des Staates und der Streitkräfte eine demonstrativ sparsame Veranstaltung. Wenn Felipe VI. am Donnerstag vor den Cortes seinen Eid auf die Verfassung schwört und eine Grundsatzrede über seine künftige Regentschaft hält, fehlen sowohl ausländische Regierungschefs als auch Repräsentanten anderer Königshäuser. Es gab in Spanien durchaus Kritik an dieser billigen Variante, die als vorauseilender Gehorsam gegenüber dem Sammelsurium kommunistischer und regionalnationalistischer Minderheiten interpretiert wurde, während ein neidvoller Blick auf das Vereinigte Königreich und sogar den Pomp bei der Amtseinführung französischer Staatspräsidenten fiel.

          Doch die Entscheidung ist gefallen, und sogar der alte König hat sich mit der Begründung, er wolle nicht von der Hauptrolle des Sohnes ablenken, bei der Zeremonie im Parlament eingespart. Dort werden immerhin Felipes Mutter Sofía und die greisen Schwestern von Juan Carlos zusammen mit der Infantin Elena auf den Rängen präsent sein. Die zweite Schwester, die Infantin Cristina, deren Mann auf die Eröffnung eines Korruptionsprozesses wartet, wird ebenfalls fehlen. Niemand möchte an diesem Tag auf das schwarze Schaf der Familie aufmerksam machen.

          Zweithöchste Sicherheitsstufe

          Dieser Mittwoch gehört indes noch einmal ganz dem „König der Demokratie“, dessen Regentschaft neununddreißig Jahre gedauert hat, und dessen Gehalt fortan von seinem Sohn bestimmt werden wird. Sich selbst hatte Juan Carlos in diesem Jahr 292752 Euro und dem Kronprinzen die Hälfte konzediert. Nun kann Felipe VI. aus der staatlichen Apanage von jährlich acht Millionen für das Königshaus das Verhältnis umkehren. Das letzte Gesetz, welches der scheidende Monarch an diesem Abend im Zarzuela-Palast unterzeichnen wird, betrifft seine eigene Abdankung. Beide Kammern haben dem ersten geregelten, friedlichen und demokratischen Wechsel spanischer Könige mit überwältigender Mehrheit zugestimmt. Dass das möglich wurde, ist der letzte große Dienst, den Juan Carlos seinem Land leistet, der „Erbe Francos“, der den Übergang zu einer parlamentarischen Monarchie steuerte.

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