https://www.faz.net/-gq5-7pz0e

Spanien : Jeder muss sich den Thron verdienen

  • -Aktualisiert am

Doch der König schlug sich nicht auf ihre Seite, sondern wandte sich um Mitternacht in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung und forderte die Offiziere als ihre Befehlshaber auf, zurück in ihre Kasernen zu gehen. In jener Nacht – die Historiker werden noch einige dunkle Stellen auszuleuchten haben – verdiente sich der junge König in den Augen der meisten Spanier seine Krone. Wider alle republikanischen und neofranquistischen Anfeindungen hinweg, entwickelte er sich zu einem nationalen und – insbesondere in Lateinamerika – auch internationalen Sympathieträger.

Sofía und Juan Carlos: Diktator Francisco Franco führte das Königspaar zusammen

Mit Spanien, das der Nato und der Europäischen Gemeinschaft beitrat, ging es bergauf. Nach einem misstrauischen Beginn verstand sich Juan Carlos bald auch glänzend mit dem ersten sozialistischen Ministerpräsidenten Felipe González. Überhaupt hatte seine Nähe zu den Sozialisten immer ein paar Wärmegrade mehr als zu den spröderen konservativen Regierungschefs. Mit Engagement und Vergnügen spielte Juan Carlos seine Rolle als „erster Botschafter“ seines Landes. Es gibt nicht viele Staatsmänner, die – wie er – zwar keine direkte Macht, aber doch beträchtliche Autorität haben.

In den ersten Jahrzehnten war das Privatleben des Königs noch tabu. Die spanischen Medien ließen sich an royaler Diskretion lange von niemandem ihrer Zunft übertreffen. Das änderte sich erst in den vergangenen Jahren, als eine außerordentlich zähe Wirtschafts- und Finanzkrise an allen staatlichen Einrichtungen zu zerren begann und das Volk früher ignorierte Extravaganzen nicht mehr goutierte. Eine unüberlegte Elefantenjagd in Botswana, bei der auch eine deutsche Prinzessin als Begleiterin gesichtet wurde, gefiel dem Volk nicht.

Royale Transparenz

Der Monarch, der sich zu allem Überfluss noch das Hüftgelenk brach und mit dem Flugzeug nach Madrid ins Spital gebracht werden musste, leistete hernach öffentlich Abbitte und versprach, derlei werde „nicht mehr vorkommen“. Das Königshaus bemühte sich zugleich im Zeichen der Austerität um nie dagewesene Transparenz. Der König legte sogar sein eigenes Jahresgehalt offen: 270.000 Euro. Man eröffnete sogar eine eigene Internetseite und ein Twitterkonto, auf der Beschwerden und Anregungen entgegen genommen wurden.

Es war schließlich aber der Schwiegersohn Iñaki Urdangarin, welcher dem Ansehen der Monarchie den größten Schaden zufügte. Seine Machenschaften als Gründer einer angeblich gemeinnützigen Stiftung, die dazu benutzt wurde, Millionen an öffentlichen Geldern in private Taschen zu lenken, brachten nicht nur ihn und die Infantin Cristina vor den Kadi. Der König selbst, so sagte sein Haushofmeister offenherzig, empfinde die Geschichte inzwischen als „Martyrium“.

Der Ansehensverlust drückte sich deutlich in den Umfragen aus, in denen die Zustimmung zu der Institution und zum König persönlich auf einen Tiefstand von nur noch knapp fünfzig Prozent sank. Die historischen Verdienste von Juan Carlos sind zwar nicht vergessen, der jüngeren Generation aber doch nur noch schwach präsent. Das ist die große Herausforderung für den neuen König Felipe VI., der nur hoffen kann, dass der freiwillige und durchaus stilvolle Abgang des Vaters, vielleicht eine neue Sympathiewelle für die Monarchie auslöst, die ihn ein Stück weiter tragen kann. Aus eigener Erfahrung hat Juan Carlos dem Junior schon eindringlich den programmatischen Ratschlag erteilt: „Hier musst Du Dir den Thron immer aufs Neue verdienen, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Und wenn Du das Volk gegen Dich hast, kannst Du einpacken.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Die neuen Vorsitzenden der SPD Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

Umfrage : SPD gewinnt, AfD verliert

Zum Abschluss ihres Parteitags gibt es für die SPD gute Nachrichten von den Meinungsforschern. Unter den neuen Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans kann die Partei in der Wählergunst zulegen.

Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.