https://www.faz.net/-gq5-7mikg

Sotschis Bürgermeister Pachomow : Nur kleinere „Unannehmlichkeiten“

Anatolij Pachomow Bild: picture alliance / dpa

Sotschis Bürgermeister Pachomow hat seinen Bürgern schon viel versprochen. Passiert ist wenig. Ob er demnächst wiedergewählt wird, hängt wohl vor allem von Putin ab.

          2 Min.

          Als Anatolij Pachomow vor fünf Jahren Bürgermeister von Sotschi wurde, war er die Nummer vier in diesem Amt, seit die Stadt die Spiele zwei Jahre zuvor erhalten hatte. Mit den Bauarbeiten war noch nicht richtig begonnen worden, aber in der Stadt grummelte es schon. Die Vorbereitungen auf die Winterspiele waren in einer ernsten Krise, und es musste ein Mann her, dem zugetraut wurde, die Stadt auf Kurs zu bringen.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Pachomow gibt sich gerne als entschiedener Macher und unermüdlicher Arbeiter im Dienste der Allgemeinheit. Auf die Frage, ob er nach Olympia nicht dringend Erholung brauche, antwortet er: „Einmal durchatmen, dann geht die Arbeit für die Stadt weiter.“ Seine politische Karriere begann zu sowjetischen Zeiten: Unmittelbar nach seinem Ingenieurstudium wurde er 1985 mit 25 Jahren hauptamtlicher Funktionär der Kommunistischen Partei. Wie viele andere aus dem Parteinachwuchs wurde er nach dem Ende des Sozialismus schnell praktizierender Kapitalist. 1997 wechselte er wieder die Seiten: Von da an befasste er sich auf immer höheren Verwaltungsposten im Gebiet Krasnodar mit der Regulierung der örtlichen Wirtschaft.

          Viele Bürger Sotschis sind nicht mehr gut auf ihn zu sprechen


          Die Wahl Pachomows zum Bürgermeister von Sotschi verlief wegen eines bekannten Gegners nicht so geräuschlos wie geplant: Der in Sotschi geborene Oppositionspolitiker Boris Nemzow trat an, der in den neunziger Jahren Nischnij Nowgorod als Gouverneur zu einer Vorzeigeregion Russlands gemacht hatte. Auch Anhänger Pachomows gaben damals - nur privat allerdings - zu, dass dessen Sieg in der ersten Runde bei einer fairen Wahl nicht sicher sei. Natürlich gewann Pachomow dennoch auf Anhieb mit 76 Prozent der Stimmen. Die örtlichen Medien hatten Nemzow ignoriert, dafür hatten andere Organe seinen Wahlkampf aufmerksam verfolgt: Die Polizei beschlagnahmte ganze Lastwagenladungen Flugblätter, für Veranstaltungen gemietete Räume waren plötzlich nicht mehr verfügbar.

          Das gute Ergebnis für Pachomow lag aber nicht nur daran. Sotschi war eine schlecht verwaltete Stadt, deren Oberhäupter im Dauerclinch mit der Führung des Gebiets gelegen hatten, was bei Russlands hierarchischen Strukturen immer schlecht ist. Pachomow dagegen war vom Gouverneur als „einer der besten Verwaltungschefs der Region“ gelobt worden. Heute sind viele Bürger Sotschis nicht mehr gut auf ihn zu sprechen, und das nicht nur wegen der Olympiavorbereitungen. In fast jedem Stadtteil hat er irgendwann einmal die rasche Lösung dringender Probleme versprochen - und anschließend passierte nichts.

          Dass die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele für die Bevölkerung eine Belastung gewesen seien, leugnet er: Es habe zwar „Unannehmlichkeiten“ gegeben, doch die seien ausschließlich durch die Modernisierung der Infrastruktur verursacht worden, die ja vor allem der Stadt zugute komme. Wer Pachomow öffentlich kritisiert, muss damit rechnen, als „Lügner“, „Gauner“ oder „Faulenzer“ beschimpft zu werden. Im Frühjahr ist in Sotschi wieder Bürgermeisterwahl. Ob Pachomow daraus als Sieger hervorgeht, dürfte indes weniger von der Meinung der Bürger als davon abhängen, ob Präsident Putin mit der Präsentation der Stadt während der Spiele zufrieden ist.

          Weitere Themen

          Über Recht und Ethik in der Coronakrise Video-Seite öffnen

          Wann kommt der Exit? : Über Recht und Ethik in der Coronakrise

          Der Deutsche Ethikrat berät Bund und Länder auch und vor allem während der Corona-Pandemie. Unter anderem fordert er eine öffentliche Debatte über Exit-Strategien und eine gerechte Verteilung der Beatmungsgeräte.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.