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Sotschi vor den Olympischen Spielen : Orte der gebrochenen Versprechen

Der Stolz von Olympstroj: Das Hauptstadion Fisht im russischen Sotschi Bild: dpa

In Sotschi entstehen die Stadien der Olympischen Spiele. Die Freude darüber ist vielerorts Verzweiflung gewichen. Denn was nicht in die Welt der Moskauer Pläne passt, muss sich in sein Schicksal fügen.

          Die Schlaglöcher sind so tief, dass selbst die großen Lastwagen der olympischen Baustelle nur mit Mühe durchkommen. Irgendwie schaffen es die Leute aus Mirnyj trotzdem mit ihren Autos aus der Siedlung heraus, sie müssen ja zur Arbeit, zum Einkaufen, die Kinder zur Schule bringen. Der Bus fährt schon lange nicht mehr, die Fahrer haben vor der Straße kapituliert – da hilft es auch nichts, dass die Stadtverwaltung in Mirnyj vor kurzem neue Haltestellenschilder aufstellen ließ.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Besonders schlimm ist es, wenn es regnet, dann verbergen sich die tiefen Löcher, die Erdbuckel, spitzen Steine und Betonstücke in dieser sich ständig verändernden Kraterlandschaft unter der glatten Oberfläche einer braunen Schlammbrühe. Man fährt blind, und ehe man sich versieht steckt man mit einem Rad fest oder sitzt mit dem Unterboden auf – und kann sehen, wie man sich wieder befreit.

          Das schlimmste ist das Wasser

          Aber wenn es regnet, ist die Straße noch das kleinste Problem der Leute in Mirnyj, denn dann läuft ihnen das Wasser in die Häuser. Dabei ist ihr Leben auch so schon schwer genug, seit vor vier Jahren mit dem Bau des Olympischen Parks für die Winterspiele in Sotschi 2014 begonnen wurde: Wo früher gleich hinter ihren Gärten Felder waren, über die man zu Fuß in einer halben Stunde ans Meer kam, ist nun eine mit einem hohen Zaun und Stacheldraht gesicherte Baustelle, von der Tag und Nacht ohne Pause Staub und Lärm in die Siedlung getragen werden.

          Doch das schlimmste ist das Wasser. Mit den Überschwemmungen in Mirnyj verhält es sich so: Die Imeretinka-Niederung, in der die Siedlung und der Olympische Park liegen, ist Schwemmland der Flüsse Msymta und Psou, das vor hundert Jahren noch zum größten Teil Sumpf war. Seit den vierziger Jahren wurde das auf Meereshöhe liegende Gebiet durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem entwässert. Das funktionierte gut, bis mit dem Bau der olympischen Stadien begonnen wurde.

          Damit die Stadien auf trockenerem Boden stehen und oberhalb des Meeresspiegels liegen, wurde Erde herbeigeschafft und das Gelände des Olympischen Parks um etwa drei Meter angehoben. Dabei wurden viele der Kanäle einfach zugeschüttet. In Mirnyj haben sie gleich verstanden, was das für sie bedeutet.

          Müde, in Gummistiefeln und verdreckter Kleidung

          Als die Bewohner protestierten, versicherte ihnen Olympstroj, der für den Bau aller olympischen Anlagen zuständige Staatskonzern, dass nichts passieren könne, alles sei bedacht worden; als das erste Mal das Wasser in den Häusern von Mirnyj stand, weil es geregnet hatte, wurde ihnen versprochen, dass es bald ein neues Entwässerungssystem geben werde, man habe die Lage im Griff. Seither hat es wieder und wieder geregnet, und das Wasser stand wieder und wieder in den Häusern.

          Vizegouverneur Dschambulat Chatuow möchte über den Grund für die Überschwemmungen nicht mehr reden: „Sie und ich, wir wissen das doch alles, darüber haben wir hier vor drei Wochen schon gesprochen, das führt zu nichts. Wir sollten besprechen, wie wir jetzt die Schäden beseitigen.“ Es ist Bürgerversammlung im Gemeinschaftshaus von Mirnyj. Müde, in Gummistiefeln und verdreckter Kleidung hören sich die Leute an, wie der Vizegouverneur aufzählt, wie viele Feuerwehrautos, wie viele Männer des Katastrophenschutzministeriums, wie viele Pumpen gerade in Mirnyj im Einsatz sind und wie viele Liter Treibstoff dafür zur Verfügung gestellt wurden.

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