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Neues Abkommen : Slowakei soll der Ukraine Gas liefern

Gaskompressoren-Station des Unternehmens Eusteam nahe der slowakischen Grenze zur Ukraine Bild: dpa

Die Ukraine will unabhängiger von russischem Gas werden. Dafür hat das Land einen Vertrag mit der Slowakei unterzeichnet, um Gaslieferungen von dort zu ermöglichen. Die technischen Voraussetzungen müssen noch geschaffen werden.

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          Die EU ist am Montag ein Stück in ihren Bemühungen vorangekommen, die Ukraine weniger abhängig von russischem Gas zu machen. Die Slowakei und die Ukraine haben eine Vereinbarung unterzeichnet, um Gaslieferungen aus der Slowakei in das Nachbarland zu ermöglichen. An der Zeremonie in Bratislava nahmen der slowakische Ministerpräsident Robert Fico, der ukrainische Energieminister Jurij Prodan sowie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso teil.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Herbst soll das erste Gas fließen. Für die Lieferungen soll eine unbenutzte Gasleitung modernisiert werden. Sie soll spätestens im April 2015 eine Kapazität von 22 Millionen Kubikmetern am Tag erreichen, was acht Milliarden Kubikmetern im Jahr entspricht. Die Ukraine hat derzeit einen Gesamtverbrauch von 50 Milliarden Kubikmetern im Jahr, wovon sie 20 Milliarden durch eigene Förderung deckt. Die anderen 30 Milliarden werden bisher von Russland geliefert.

          Fracking könnte Eigenförderung erhöhen

          Auch über Leitungen in Polen und Ungarn kann Gas aus Westeuropa in die Ukraine geliefert werden, was in der Vergangenheit etwa zwei Milliarden Kubikmeter im Jahr ausmachte. Die Ukraine hatte diese Lieferungen vor einiger Zeit gestoppt, als sie von Russland zwischenzeitlich einen Rabatt beim Gaspreis gewährt bekam. Nach Ausbruch der Krise ist die Lieferung über Polen wieder aufgenommen worden. Daran ist der deutsche Energiekonzern RWE beteiligt. Lieferungen über andere Leitungen aus Westeuropa sind derzeit nicht vorgesehen.

          Die EU-Kommission glaubt aber, dass die Ukraine ihre Gasabhängigkeit von Russland auch durch Eigenleistungen weiter verringern könnte. Durch eine stärkere heimische Förderung, insbesondere durch Fracking, könne die Eigenproduktion auf 25 Milliarden im Jahr gesteigert werden; der Verbrauch könne durch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz gleichzeitig um fünf Milliarden sinken. Damit könnte die Ukraine ihren Bezug aus Russland auf zehn Milliarden Kubikmeter im Jahr senken, was etwa ein Drittel des heutigen Umfangs wäre.

          Billiger als russisches Gas, obwohl es von dort kommt

          Für die Ukraine ist außerdem wichtig, dass das Gas aus Europa billiger ist als das russische. In Europa herrschen derzeit Marktpreise zwischen 350 und 400 Dollar je Tausend Kubikmeter. Russland verlangt von der Ukraine seit neuestem 485 Dollar. Das Gas, das nun von der Slowakei in die Ukraine geliefert werden soll, könnte selbst aus Russland kommen, da das Land einen großen Teil seines eigenen Gasverbrauchs aus Russland bezieht. Möglich sei aber auch die Weiterleitung von norwegischem Gas oder Flüssiggas, teilte die EU-Kommission mit.

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