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Krieg in der Ukraine : Sieben Tote bei Gefechten im Donbass

  • Aktualisiert am

Ein OSZE-Mitarbeiter begutachtet einen „Grad“-Raketenwerfer der prorussischen Rebellen. Bild: AP

Bei Gefechten in der Ostukraine sind Armeeangaben zufolge sieben Menschen getötet worden. Beide Konfliktparteien werfen sich gegenseitig den Bruch des Waffenstillstands vor. Der Präsident will die Freiwilligen stärker kontrollieren.

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          Bei Zusammenstößen in der Ostukraine sind nach Angaben aus Kiew innerhalb von 24 Stunden sechs ukrainische Soldaten und ein Zivilist getötet worden. Der ukrainische Armeesprecher Andrij Lyssenko erklärte am Montag, die prorussischen Rebellen setzten unter Verletzung der offiziellen Waffenruhe „massiv“ Schusswaffen, Mörser und Granatwerfer, vereinzelt aber auch schwere Waffen ein. Von Panzer- und Artilleriegeschützen seien insgesamt sieben Schüsse abgefeuert worden.

          In der Region Luhansk beschossen die Aufständischen demnach das Dorf Orichowe mit Hilfe eines Grad-Raketenwerfers. Stellungen in Pisky nahe dem Flughafen der ostukrainischen Rebellenhochburg Donezk seien mit 120-Millimeter-Mörsern angegriffen worden. In Schirokine nahe der von der Regierung kontrollierten Hafenstadt Mariupol habe es neue Zusammenstöße gegeben.

          Die von Moskau unterstützten Separatisten in Donezk warfen Kiew ihrereseits vor, die Waffenruhe mehr als 50 Mal gebrochen zu haben. Regierungstruppen hätten dazu schwere Waffen eingesetzt. Fünf Aufständische seien verletzt worden, hieß es.

          Auch Russland hat der ukrainischen Regierung unterdessen vorgeworfen, Teile des Minsker Abkommens zu verletzen. Zugleich forderte das Präsidialamt in Moskau Deutschland und Frankreich als Teilnehmer der Minsker Verhandlungen auf, für eine Umsetzung des Vertrages zu sorgen. Die Staaten, die als Garantiemächte des Abkommens fungierten - Russland, Deutschland und Frankreich - sollten Verantwortung dafür übernehmen, dass die Bestimmungen erfüllt würden, sagte ein Sprecher des Präsidialamtes am Montag in Moskau. Es sei der Lage nicht zuträglich, wenn die Tatsache ignoriert werde, dass eine Seite ihren Verpflichtungen aus dem Abkommen nicht nachkomme.

          Das International Center for Policy Studies (ICPS) in Kiew rechnete unter diesen Umständen mit einer weiteren Zuspitzung der Lage im Osten. Die Rebellen ziehen der Denkfabrik zufolge derzeit ihre Kämpfer an der „gesamten Frontlinie“ zusammen.

          Das Abkommen über eine Waffenruhe wird insgesamt aber weitgehend befolgt. Die am 12. Februar in der weißrussischen Hauptstadt Minsk unterzeichnete Vereinbarung sieht neben einer Waffenruhe auch den Abzug schwerer Waffen aus der Ostukraine vor.

          Der ukrainische Präsident will derweil Freiwilligenbataillone stärker unter Kontrolle bringen und keine Privatarmeen zulassen. „Es wird bei uns keinen Gouverneur mit eigenen Streitkräften geben“, sagte Poroschenko am Montag in Kiew Berichten zufolge. Bataillone aus Freiwilligen, von denen einige an Kämpfen gegen prorussische Separatisten im Donbass beteiligt sind, sollen einem klaren Kommando unterstellt werden.

          Am vergangenen Wochenende hatten bewaffnete Gruppen, die dem Gouverneur von Dnipropetrowsk, Igor Kolomojskij, zugerechnet werden, die Zentralen der halbstaatlichen Energieunternehmen „Ukrnafta“ und „Ukrtransnafta“ in Kiew besetzt. Der Milliardär wollte Berichten zufolge die Absetzung des ihm loyalen Managements verhindern.

          Die insgesamt etwa 80 Freiwilligenbataillone wurden vor einem Jahr für den Kampf gegen die ostukrainischen Separatisten gegründet und unterstehen formal dem Innen- und dem Verteidigungsministerium. Ein Großteil des Solds wird jedoch von Geschäftsmännern bezahlt.

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