Serge Dassault : Macht und Machenschaften
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Schärpe statt Handschellen: Serge Dassault an der Place de la Concorde während der Militärparade am 14. Juli 2013 Bild: picture alliance / abaca
Serge Dassault ist Rüstungsunternehmer, Politiker und der fünftreichste Mann Frankreichs. Obwohl die Justiz wegen des Verdachts der Bestechung gegen ihn ermittelt, erhält er Rückendeckung vom Senat.
Wer ihn langsamen, unsicheren Schritts über die schweren roten, mit floralen Mustern dekorierten Teppiche im Palais du Luxembourg gehen sieht, würde Serge Dassault am liebsten einen stützenden Arm anbieten. Doch das Bild des gebrechlichen Greises täuscht: Serge Dassault bleibt auch in hohem Alter einer der mächtigsten Männer Frankreichs. Gerade hat sich der Senat, die zweite Parlamentskammer, schützend vor den Senator und Großindustriellen gestellt, gegen den die Justiz wegen mutmaßlichen Stimmenkaufs und anderer zwielichtiger Machenschaften ermittelt. Mit den Stimmen der Linken verhinderte der 26 Mitglieder zählende Senatsvorstand, dass Dassaults parlamentarische Immunität aufgehoben wird – schon zum zweiten Mal. Ein erster Vorstoß der Untersuchungsrichter war im Sommer gescheitert. Schon ereifern sich führende Sozialisten über die „schandhafte Entscheidung“, doch da die Wahl im Vorstand geheim ist, wissen sie nicht, wer Dassault deckte.
Der Betroffene aber hat sich mit stillem Lächeln im Mundwinkel zurückgezogen, wie es seine Art ist. Zwei Leibwächter wachen auch in den Fluren und Wandelhallen des Senats über ihn. Nachdem sich andere Senatoren (von der Linken) über die bewaffneten Personenschützer in der Volksvertretung beschwert hatten, wurden die bulligen Herren in „parlamentarische Assistenten“ umbenannt. Ihre Waffen müssen sie fortan in der Limousine lassen, mit der sich Dassault zum Senatspalast chauffieren lässt. Dass all das überhaupt bekannt wurde, ist ihm nicht recht.
Businessjet-Hersteller als Goldgrube
Serge Dassault sucht nicht das Rampenlicht, schon gar nicht, wenn es um Justizaffären geht. Der 88 Jahre alte Mann ist ein diskreter Patriarch, dem es ausreicht, von Zeit zu Zeit – zuletzt in langatmigen Neujahrswünschen auf der Titelseite – in der Zeitung „Le Figaro“ dem Land Lehren zu erteilen. Die Traditionszeitung hat Dassault 2004 gänzlich in sein Imperium einverleibt, nachdem er das Nachrichtenmagazin „L’Express“ veräußert hatte. Seine Macht als Pressezar nutzt der Rüstungsunternehmer seither ohne Vorbehalte. Gefällt ihm ein Politiker – wie das beim früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy der Fall war –, baut er die Redaktion unverfroren zu einer Art Propagandastaffel aus. Die Nähe zur Politik hält Dassault für nützlich. Für Rüstungsgeschäfte braucht der Chef der Familienholding Dassault die obersten Staatsrepräsentanten. Die Präsidenten Sarkozy wie auch Hollande mühten sich redlich, das von Dassault produzierte Kampfflugzeug Rafale im Ausland zu verkaufen – wenn auch mit geringem Erfolg.
Die Goldgrube der Familienholding ist ohnehin der Businessjet-Hersteller Falcon, jene feinen, mit viel Leder, Edelholz und Komfort ausgestatteten Flugzeuge, die Millionäre wie Minister gleichermaßen schätzen. Dassault, der laut offiziellem Ranking der fünftreichste Mann Frankreichs ist, gehört zudem die Mehrheit der Anteile an Dassault Systems, einem erfolgreichen IT-Unternehmen. Auf die drei Standbeine Rüstungs- und Flugzeugbau, Medien und Politik hatte schon Dassaults Vater Marcel gesetzt, der in Frankreich als industrielle Gründergestalt verehrt wird. Marcel Dassault, der damals noch Bloch hieß, hatte im Ersten Weltkrieg Propeller und eine Zweisitzer-Maschine und im Zweiten Weltkrieg Jagdflugzeuge der Bloch MB.150-Reihe und Aufklärungsbomber Bloch 1974 für die französische Luftwaffe gebaut.