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Krise in der Ukraine : Nato sieht „Bewegung“ an russischer Grenze

  • Aktualisiert am

Straßensperre prorussischer Separatisten bei Lugansk Bild: AFP

Die Nato bestätigt weiterhin keinen Rückzug russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine. Doch gebe es Truppenbewegungen. Moskautreue Kämpfer töteten derweil neun ukrainische Soldaten.

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          Der Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove ist sich über die Einschätzung der russischen Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine noch nicht sicher. „Wir sehen etwas Bewegung. Das Ausmaß und der Umfang sind noch nicht ganz klar“, sagte der amerikanische General am Donnerstag in Brüssel. Auf die Frage, ob es sich um einen russischen Truppenabzug handele, sagte er: „Ich weiß es nicht. Das kann man noch nicht sagen.“

          Die Truppenbewegungen beschränkten sich auf einen von drei Bereichen an der Grenze, in denen Russland nach Nato-Schätzungen insgesamt 45.000 bis 50.000 Soldaten stationierte. „Was an der Grenze bleibt ist eine sehr große Truppe, die vielleicht geringfügig verringert wurde.“ Die Truppe könne jeden Auftrag erledigen, der ihr gestellt werde: „Und diese Truppe steht in einer bedrohlichen Position und ist in der Lage, weiterhin Druck auf die Regierung in Kiew auszuüben.“ Die Nato beobachte die Truppenbewegungen genau: „Aber wir werden noch etwas Zeit brauchen, um genau zu sagen, um wieviele Soldaten es hier geht.“

          Im Osten der Ukraine wurden in der Nacht zum Donnerstag bei Gefechten zwischen Regierungstruppen und prorussischen Kräften unterdessen neun ukrainische Soldaten getötet und 18 weitere verletzt worden. Das gab das ukrainische Verteidigungsministerium am Donnerstagmorgen in Kiew bekannt.

          Moskautreue Kämpfer hätten nahe Wolnowacha etwa 60 Kilometer südlich der Gebietshauptstadt Donezk einen Kontrollposten angegriffen, meldete die Agentur Interfax am Donnerstag unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums. Zuvor hatte der gewöhnlich gut informierte Militärexperte Dmitri Tymtschuk über die Kämpfe berichtet.

          Ob es auch Opfer unter den moskautreuen Kämpfer gibt, war zunächst unklar. Die prowestliche Regierung geht in der Region mit einem „Anti-Terror-Einsatz“ gegen Separatisten vor. Nach Angaben der Agentur dpa hat die Führung die Kontrolle über weite Teile der Gebiete Donezk und Lugansk verloren und bereits eingeräumt, dass die Präsidentenwahl an diesem Sonntag dort nicht stattfinden kann. Laut der Agentur AFP soll die Wahl dort allerdings stattfinden und mit Hilfe von 55.000 Polizisten und 20.000 Freiwilligen abgesichert werden.

          In der selbst ernannten „Volksrepublik Lugansk“ riefen die Machthaber das Kriegsrecht aus. Dies gelte, bis die prowestliche Führung ihre Truppen aus der Region an der russischen Grenze abziehe, kündigte ein Sprecher an. Rund 90 Kilometer nordwestlich der Gebietshauptstadt Lugansk kam es nach Angaben der prorussischen Separatisten bei der Stadt Lissitschansk zu schweren Gefechten mit der Nationalgarde. Die fiktiven „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk hatten sich am 11. Mai in nicht anerkannten Referenden vom Rest des Landes losgesagt.

          Zudem soll ein russischer Militärhubschrauber abermals den Luftraum der Ukraine verletzt haben. Er habe gestern Abend gegen 21 Uhr Ortszeit die Grenze überflogen und sei in niedriger Höhe über ukrainischem Boden geflogen, bevor er abgedreht und zurückflogen sei. Das teilte ein Sprecher der ukrainischen Grenzbehörden mit.

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