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Schottische Unabhängigkeit : Seine Hoheit, König Ferdinand

Streitpunkt: das Britische Pfund Bild: REUTERS

Der Kampf um die schottische Unabhängigkeit steckt voller Kuriositäten. Manchem Schotten kommt es wie ein Aprilscherz vor, dass London das britische Pfund gegen eine Flotte tauschen will.

          Der Kampf um die schottische Unabhängigkeit steckt voller Kuriositäten. Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass ausgerechnet die schottischen Nationalisten mit Leidenschaft um das britische Pfund kämpfen würden, während die Unionisten das monetäre Band unbedingt lösen wollen? So lasen sich die Meldungen, die britische Medien am 1. April – zum „fool’s day“ – plazierten. Doch nicht alle waren absurd.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Ein Radiosender in Kent berichtete am Dienstag, dass sich die Grafschaft im Süden Englands auf eine „Migrationswelle“ schottischer Auswanderer einstelle. Nur die Begründung ließ erahnen, dass es sich um einen Scherz handeln muss: Angeblich würden die Schotten den „Garten Englands“ als Fluchtort wählen, weil das dortige Klima den „Anbau von Haggis“ erleichtere. In Kent ist es zwar wärmer als nördlich des Hadrianwalls, aber Haggis, das schottische Nationalgericht, ist ein mit Innereien gefüllter Schafsmagen.

          Deutsche Ansprüche auf den schottischen Thron

          Wirklichkeitsnäher wirkte der Bericht des „Daily Telegraph“, der eine neue schottische Münzprägung ankündigte. Auf dem Pfund-Stück, das in dem Blatt abgebildet wurde, ist das Konterfei des schottischen Ministerpräsidenten Alexander Salmond zu sehen. Geschliffen werde der „Salmond Sterling“ in einer Werkstatt, die von dem Schauspieler-Nationalisten Sean Connery finanziert sei, enthüllte die Zeitung.

          Die „Times“ wiederum berichtete von deutschen Ansprüchen auf den schottischen Thron. „Ferdinand Herzog von Sachsen“ stamme in direkter Linie von den 1703 verjagten Stuart-Königen ab, berichtete die Zeitung. Der designierte Monarch, zur Zeit wohnhaft in Dresden, habe – so ein von der „Times“ zitierter Jurist – ältere Rechte als Königin Elisabeth II. Seit Generationen habe seine Familie „von diesem Tag geträumt“, zitierte die Zeitung den greisen Herzog, den es natürlich ebenso wenig gibt wie den Plan, ihn anstelle von Salmond auf das schottische Pfund-Stück zu prägen.

          Im Widerspruch zu „Better Together“

          Im Mittelpunkt eines Streits, der erst am Wochenende – drei Tage vor dem 1. April – wieder neu entbrannt war, steht die Währung. Der „Guardian“ hatte einen (namentlich nicht genannten) Minister der Kabinetts Cameron mit der Einschätzung zitiert, dass die Schotten auch im Falle ihrer Unabhängigkeit das britische Pfund behalten könnten. Dies steht im Widerspruch zur Linie der von London aus gesteuerten „Better Together“-Kampagne. Der Minister begründete seine Annahme mit den Verhandlungen, die nach einem „Ja“ zur Unabhängigkeit zu erwarten seien. Londons Zustimmung zu einer Währungsunion könne der Preis dafür sein, dass Edinburgh die britische Nuklearflotte in ihren Gewässern stationiert halte.

          Salmond und seine Schottische Nationalpartei stürzten sich sofort auf die Meldung. Zum einen hielten sie fest, dass die Trident-Flotte noch in der ersten Legislaturperiode schottische Gewässer verlassen müsse. Zum anderen interpretierten sie die Meldung als weiteren Beleg dafür, dass Londons Weigerung, eine Währungsunion mit Schottland einzugehen, „hohl“ sei. Dies wiederum zwang die Unionisten zum Gegenhalten. Mehrere Politiker bekräftigten, dass die Schotten mit einem eigenen Staat das Pfund ganz sicher verlieren würden. Alles andere sei „Unsinn“, hieß es im Londoner Schatzkanzleramt.

          Der Ton wird rauher

          Seit Umfragen den Vorsprung der Nein-Sager vor den Unabhängigkeitsbefürwortern weiter dahinschmelzen sehen, steigt die Nervosität in London. Im Lager der „Better Together“-Aktivisten wird darüber gestritten, ob ihre Botschaften zu negativ seien. Statt die Vorzüge der Union zu betonen, würden die Schotten überwiegend mit Drohungen konfrontiert, bemängeln die Kritiker. Entgegengehalten wird ihnen, dass der Status quo eben schwerer zu bejubeln sei als die Vision von etwas Neuem. Weniger als ein halbes Jahr vor dem Referendum wird der Ton auf allen Seiten rauher.

          Laut „Independent“ erwägen die Vereinten Nationen deshalb schon die Entsendung einer Beobachtermission an die künftige schottisch-englische Grenze. UN-Repräsentanten in New York und Genf sollen einschränkend von einer „Notfall-Planung“ gesprochen haben. Man müsse aber darauf vorbereitet sein, dass nach einer Unabhängigkeit die „Heißsporne“ auf beiden Seiten die Dinge in Hand nähmen. Diese Meldung stammte allerdings wieder vom 1. April.

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