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Sarkozys Comeback : Zuerst die Partei, dann der Élysée

Hat wieder Großes vor: Nicolas Sarkozy Bild: AFP

Die Ankündigung war mit Spannung erwartet worden, nun ist es klar: Nicolas Sarkozy kehrt in die Politik zurück. Der Partei-Vorsitz soll dabei nur der Anfang seines Comebacks sein.

          2 Min.

          Ein paar Stunden lang schien es am Freitagnachmittag, als sei das Zentrum der französischen Politik vom Elysée-Palast an die nahegelegene Rue de Miromesnil, Hausnummer 77, verlegt worden. Unzählige Kamerateams versammelten sich vor dem weinroten Doppeltor, hinter dem sich das Büro des ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy verbirgt. In Liveschaltungen und Sondersendungen wurde den Franzosen die Nachricht des Tages unterbreitet: Sarkozy kehrt zurück. Der frühere Präsident ließ sich zwar nicht blicken. Doch das Tor öffnete sich für alte und neue Freunde Sarkozys, die ihrer Begeisterung über das politische Comeback freien Lauf ließen. Eigentlich sollte die Neuigkeit erst am Sonntag unter die Franzosen gebracht werden. Doch „Speedy“ Sarkozy, der schon seit Wochen seine Entscheidung getroffen hat, verlor die Geduld.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die frühere Wahlkampfsprecherin Sarkozys, Nathalie Kosciusko-Morizet, orakelte, jetzt werde Frankreich endlich wieder eine wirkliche Opposition bekommen. Der ehemalige Minister Laurent Wauquiez sprach davon, dass er von Sarkozys Projekt für Frankreich überzeugt sei. „Ich habe wirklich Lust darauf“, sagte Wauquiez, der noch vor einigen Wochen kritisch über Sarkozys Bilanz geurteilt hatte. Die frühere Ministerin Nadine Morano sagte, „ein neuer Sarkozy“ sei geboren.

          Die Rückkehrbotschaft hatte Sarkozy für seine 939000 Facebook-Freunden reserviert. Schließlich will der 59 Jahre alte Präsident a. D. nicht wie ein Politrentner wirken, der sich mit moderner Kommunikation nicht auskennt. Die Mitteilung war dann aber doch ausgesprochen lang für den gewöhnlichen Facebook-Gebrauch. Seinen „lieben Freunden“ erläuterte er, warum er sich nach „reiflicher Überlegung“ und mit „dem nötigen Abstand“ entschlossen habe, zurückzukehren und sich um den Vorsitz seiner Partei zu bewerben.

          „Die Hindernisse erscheinen lächerlich“

          „Ihr werdet nichts mehr von mir hören“, hatte er nach seiner Wahlniederlage im Mai 2012 seinen bestürzten Anhängern gesagt und hinzugefügt, er sei künftig „ein Franzose unter Franzosen“. Das gelte fortan nicht mehr, denn er könne Frankreich und seine Partei in der jetzigen Krisensituation nicht im Stich lassen. Alles andere wäre eine Art „unterlassene Hilfeleistung“. Er sprach von „einer unaufhaltsamen Flut von Verzweiflung, Zurückweisung und Wut über die Machthabenden“. Deshalb werde er am 29. November für den Parteivorsitz kandidieren und die UMP „von Grund auf“ verändern und „innerhalb von drei Monaten“ daraus eine große Sammlungsbewegung machen, die alle Franzosen anspreche.

          „Ich liebe Frankreich viel zu sehr, ich verfolge viel zu leidenschaftlich die politische Debatte und die Zukunft meiner Landsleute, um sie dazu zu verurteilen, zwischen dem heutigen hoffnungslosen Schauspiel und der Perspektive einer ausweglosen Isolierung wählen zu lassen.“ Dabei ließ er offen, ob er die Dauerquerelen in der UMP zum „hoffnungslosen Schauspiel“ hinzurechnete oder damit nur die Pannen und Patzer der sozialistischen Staatsführung meinte. Er schicke sich an, eine politische Partei des 21. Jahrhunderts zu begründen. Dabei werde er nicht von der Idee einer „Revanche“ geleitet. „Ich bin mir der Schwierigkeiten bewusst, die uns erwarten.“ Aber die Perspektive sei so anregend, dass die Hindernisse lächerlich erschienen.

          Sarkozy ließ klar durchblicken, dass er 2017 den Élysée-Palast zurückerobern will. Jeder solle von „der Kraft und der Ernsthaftigkeit“ seines Engagements im Dienste Frankreichs überzeugt sein. Damit ihm keine unlauteren Finanzierungsmethoden angelastet werden können, hat er eigens ein Lokal im achten Arrondissement angemietet. Die Büros an der Rue de Miromesnil werden ihm als ehemaligen Präsidenten aus der Staatskasse finanziert. Frédéric Pechenard, ein Kindheitsfreund und langjähriger Chef der französischen Polizei, steht seinem Wahlkampfteam vor. Am Sonntagabend will Sarkozy in der Hauptnachrichtensendung des staatlichen Fernsehsenders France 2 Rede und Antwort stehen. Und schon kommende Woche will Sarkozy in Nordfrankreich eine erste Kundgebung vor UMP-Mitgliedern abhalten.

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