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„Sarkozy nouveau“ : Pappbecher statt Trüffelpasta

„Nachbarländer haben noch nie ihre Adresse geändert“: Sarkozy spricht in Nancy auch über die Beziehungen zu Deutschland. Bild: AFP

Nicolas Sarkozy hat die Bescheidenheit entdeckt. Gleichzeitig verspricht er mehr Autorität an der Parteispitze, sollten die UMP-Mitglieder ihn zum Vorsitzenden wählen. Die Lothringer sind begeistert.

          5 Min.

          Im Elektrobus der städtischen Verkehrsbetriebe von Nancy wird es langsam eng. An jeder Haltestelle stoßen neue Studenten zu jenen im Bus, die schon angeregt über das Ziel ihrer Fahrt diskutieren: Nicolas Sarkozy. Für einen Mann, dessen politische Rückkehr „ein Flop“ ist, wie Herausforderer Bruno Le Maire kürzlich spottete, zieht der frühere Präsident erstaunlich viele junge Leute an.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am Eingang der „Salle des Fêtes“, einem in die Jahre gekommenen Saal im abgelegenen Stadtteil Gentilly, haben sich schon eineinhalb Stunden vor dem geplanten Auftritt Sarkozys lange Warteschlangen gebildet. Die Gruppe aus dem Bus, allesamt Studenten vom deutsch-französischen Campus des renommierten Institut d’Etudes Politiques („Sciences Po“) in Nancy, wird auf die vorderen Reihen durchgewinkt. Junge Leute haben Vortritt. „Mich beeindrucken Sarkozys Mut und Energie “, sagt einer der Studenten. „Er hat vor allen anderen erkannt, dass Deutschland ein Vorbild sein kann.“ Zwar habe es im Paar „Merkozy“ auch Streit gegeben, aber der sei stets konstruktiv gewesen, sagt eine Studentin. „Jetzt herrscht doch eine Eiszeit zwischen Paris und Berlin“, sagt sie. Europa brauche „Macher“ wie Sarkozy.

          Als der 59 Jahre alte Rückkehrer pünktlich zur vollen Stunde den Saal betritt, hält die als reserviert geltenden Lothringer nichts mehr auf ihren Stühlen. Stehend beklatschen und bejubeln sie „Nicolas, Nicolas, Nicolas!“. Sie schwenken Trikolore-Fahnen und Plakate mit dem Konterfei Sarkozys, auf denen in großen Lettern steht: „Mein Präsident“. Auch ohne aufwendige Lichteffekte und Kameramitschnitte, wie sie bei den großen Kundgebungen im Wahljahr 2012 zum kostspieligen Ritual gehörten, zieht Sarkozy zum Rednerpult wie ein Popstar auf die Bühne.

          Ein Energieprotz wie Sarkozy lässt sich nicht aufhalten

          75 Prozent der Franzosen finden Sarkozys Rückkehr missraten, hat ein Meinungsforschungsinstitut ermittelt. Selbst 57 Prozent der UMP-Anhänger sollen laut dieser in „Le Parisien“ veröffentlichten Umfrage geäußert haben, der frühere Präsident habe sein Comeback verpatzt. Doch ein Energieprotz wie Sarkozy lässt sich von negativen Umfragen ebenso wenig wie von Häme seiner parteiinternen Konkurrenten aufhalten.

          Ja, er kann es noch, dieses „Wir-Gefühl“ verbreiten in einem zum Bersten gefüllten Saal. Waren die Anhänger eben noch bedrückt und entmutigt nach zweieinhalb Jahren Sozialismus an der Staatsspitze? Sarkozy fegt die Selbstzweifel weg, und das Publikum jubelt und klatscht. In der früheren Hauptstadt des Herzogtums Lothringen erinnert er an die europäische Bestimmung Frankreichs. „Eine Schmach“ nennt er die Europapolitik seines Nachfolgers, der Brüssel und die europäischen Partner in der Haushaltsplanung belüge, wie er die Franzosen belogen habe. „Monsieur Hollande, Sie lügen morgens, Sie lügen mittags, und Sie lügen auch abends!“, sagt er, und der Saal johlt. Noch bevor sich der sozialistische Präsident am Donnerstag seine Halbzeitbilanz im Fernsehen ausstellen kann, steht Sarkozys Urteil schon fest. Den versprochenen „französischen Traum“ habe Hollande in einen „französischen Albtraum“ mit Rekordarbeitslosigkeit und Rekordsteuerlasten verwandelt. Sarkozy aber will die Franzosen wieder mit den Werten des Erfolgs, der Arbeit, des Verdienstes und des Risikos versöhnen. Diese Werte seien es, auf die sich das Land verständigen müsse, um auch in Europa wieder seinen Platz einnehmen zu können.

          Gemeinschaftlich auf ein neues Programm verständigen

          Dann spricht er über die Beziehung zu Deutschland, die der sozialistische Präsident fahrlässig aufs Spiel setze. Auch deshalb wolle er der Opposition wieder eine starke Stimme zurückgeben, erklärt er. Denn andernfalls drohe Frankreich die nächste Demütigung, die eines Erfolges von Marine Le Pen. „Ich verstehe nicht, warum wir ihr immer noch den Gefallen bereiten, sie rechtsextrem zu nennen. Ihr Wirtschaftsprogramm ist längst linksextrem, das sollten wir endlich offen sagen“, sagte Sarkozy. Die von den Sozialisten enttäuschten Wähler sollten es sich gut überlegen, ob sie nach dem Wirtschaftsprogramm der Linken das der extremen Linken erleben wollten.

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