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Sarkozy auf UMP-Parteitag : Er ist wieder da

Zähne zeigen: Frankreichs ehemaliger Präsident Sarkozy mit Ehefrau und dem ehemaligen Regierungschef François Fillon (r.) Bild: AFP

Angriffslustig und gut gelaunt ließ sich Nicolas Sarkozy beim Parteitag seiner UMP umjubeln – die künftig einen neuen patriotischen Namen tragen wird. Von den ungeliebten Reformen ist wenig die Rede. Dafür umso mehr von der Republik und ihren Werten.

          Es schwebt ein Hauch von Déjà-vu über diesem Aufbruch. Die Leute in der aufgeheizten Halle von La Villette im Osten von Paris jubeln fanatisch, als Nicolas Sarkozy mit nur fünf Minuten Verspätung die Bühne betritt. Sie schwenken Frankreichfahnen und steigen auf die Stühle. Fünf Stunden lang haben sie auf diesen Moment gewartet, auf die Rede des Mannes, der für sie den idealen Präsidenten verkörpert. Und Sarkozy enttäuscht sie nicht. Im Nu reißt er sie aus der bleiernen Stimmung, die noch beim Vorredner, dem Umfrageliebling Alain Juppé, herrschte.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Ich habe die UMP geliebt, ich werde die Republikaner lieben“, bekundete der frühere Premierminister und UMP-Gründungsvorsitzende nostalgisch. Doch erst Sarkozy füllt den neuen Parteinamen „Les Républicains“ mit Leben. In seiner Rede werden die Republikaner zu einer streitbaren Armee, die Frankreich von der „erschreckenden Mittelmäßigkeit“ François Hollandes und der „furchteinflößenden Familiensaga der Le Pens“ befreien. So kampfeslustig wie beim Gründungsparteitag hatte Sarkozy schon lange nicht mehr geklungen. Vor allem für Hollande brechen ungemütliche Zeiten an, lässt der sechzig Jahre alte Vollblutpolitiker durchblicken. Die Le Pen-Wähler hingegen schont er merklich.

          Französische Werte stehen im Mittelpunkt

          Es ist nur eine Parteitagsrede, aber Sarkozy hat den Blick fest auf die Präsidentenwahlen 2017 gerichtet. Er will seine Revanche, er will zurück in den Elysée-Palast. In der ersten Reihe sitzt Carla Bruni auf einem Plastikstuhl und lächelt wie die perfekte First Lady. Sie trägt ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift „Les Républicains“ in Brusthöhe. Auf ihrem Rücken prangt in großen Lettern das Versprechen, dass „der Machtwechsel kommt“.

          Sarkozy weiß, wie erschöpft die Franzosen von der ständigen Reformdebatte sind. Deshalb spricht er die wirtschaftlichen Anpassungszwänge, Haushaltsdefizit und Schuldenberg, nur en passant an. Das Herz seiner Rede bildet „die Republik“, die er von einer staatlichen Organisationsform zu einem politischen Allheilmittel erhebt. 112 Mal beschwört er „Republik“ und „Republikaner“. Den Sozialisten hält er vor, die Republik verraten zu haben, gestern wie heute. „Wir erinnern uns daran, dass die Sozialistische Partei 1958 und 1968 die Republik nicht gerettet hat, sondern der General de Gaulle“, sagte Sarkozy. Schlimmer aber noch wiege, wie die Sozialisten heute die Republik verunglimpfen, so Sarkozy. Als Beispiel nennt er die Schulpolitik und beklagt „die Besessenheit, die Schule der Republik zu zerstören, die immer schon auf Leistung, Verdienst und Exzellenz gründete“. Geschickt blendet der ehemalige Präsident aus, dass er während seiner Amtszeit die Lehrerausbildung abgeschafft hat und für die besten Oberschüler des „Serie S“ genannten Abiturs mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt auf den Geschichtsunterricht verzichten wollte. Aber die Anhänger im Saal sind ohnehin nicht da, um sich an Sarkozys Fehler zu erinnern, sie klatschen begeistert, als Sarkozy „Respekt vor dem Lehrer“ verlangt und Jules Ferry zitiert. Ferry hatte 1880 die allgemeine und kostenlose „Schule der Republik“ begründet und war lange von der Linken vereinnahmt worden. Nun aber beanspruchen die Republikaner das Erbe des „Schulmeisters der Republik“ und setzen es gegen die sozialistischen Bildungsreformen ein, gegen die Einführung der Gendertheorie, gegen die „Gleichmacherei“ in der Mittelstufe und die neuen Geschichtslehrpläne, die den Abschied von Voltaire, Rousseau und den Idealen der Aufklärung einleiten. Auch der Abschaffung des verstärkten Fremdsprachenangebots, die einen Rückgang der Zahl der Deutschschüler nach sich ziehen könnte, gilt dieser Widerstand. Sarkozy hat gespürt, wie sehr die Schulreformpläne die Franzosen getroffen haben, die sich in einer wirtschaftlich darbenden Einwanderernation nach Orientierung sehnen. Und Orientierung verspricht Sarkozy in der Nachmittagshitze des Parteitagssaals allenthalben. „Die Republik steht allen offen, aber wer neu ankommt, muss sich ihr anpassen und nicht verlangen, dass wir unsere Lebensweise ändern“, sagt er. Er verspricht eine „Republik des Vertrauens“, in der jeder Bürger „eine gemeinsame Idee von Gut und Böse“, eine „Lebensweise“, „Höflichkeit“, kurz „die Werte und Prinzipien der französischen Zivilisation“ teilt. „Wir wollen Franzosen bleiben“, brüllt Sarkozy unter dem Jubel der Anhänger. Aber Sarkozy ist kein Wiedergänger Marine Le Pens: „Ich hasse die Abschottung und die Rückbesinnung auf sich selbst, die Angst vor dem Fremden (...) im Grunde hasse ich die Extreme, weil ich Sackgassen ablehne!“, sagte er. Er wolle den Franzosen nicht glauben machen, dass die Probleme Frankreichs sich über die Schließung der Grenzen lösen ließen. Aber zugleich sie es wichtig, kompromisslos die französische Zivilisation zu verteidigen und von den Neubürgern „Assimilierung“ zu verlangen.

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