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Sanktionen gegen Russland : Putins Mann bei Rosneft

  • -Aktualisiert am

Sanktionen wegen Ukraine-Krise: Wladimir Putin und Igor Setschin 2012 in Moskau Bild: Reuters

Erste Konsequenzen der Sanktionen gegen Russland werden spürbar: So darf Igor Setschin, der Direktor des Erdölkonzerns Rosneft, nicht mehr nach Amerika einreisen. Er ist ein enger Weggefährte Putins.

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          Die Sanktionen des Westens, besonders der Vereinigten Staaten, hinterlassen bei russischen Firmen ihre Spuren. In der vergangenen Woche wurde Igor Setschin, der Direktor des weltgrößten börsennotierten Erdölkonzerns Rosneft, von Washington mit einer Einreisesperre belegt. Die kuriose Konsequenz: Setschin darf den Chef seines wichtigsten privaten Aktionärs nicht mehr in dessen Heimat besuchen.

          Die britische BP, der größte ausländische Investor in der russischen Erdölwirtschaft, ist mit knapp 20 Prozent an Rosneft beteiligt und wird von dem Amerikaner Bob Dudley geleitet. Dudley kündigte an, weiter an Sitzungen des Rosneft-Verwaltungsrates in Russland teilzunehmen. Aber weil nun Setschin zum Ziel wurde, können auch westliche Schritte gegen Rosneft selbst nicht mehr kategorisch ausgeschlossen werden.

          Die Kreml-Hierarchie ist schwer zu durchschauen. Nur von einer Person lässt sich heute mit Sicherheit sagen, dass sie über dem 53 Jahre alten Setschin steht: Russlands Präsident Putin. Setschin wird den „Silowiki“ zugerechnet, der Gruppe ehemaliger Angehöriger von Geheimdienst und Militär, die mit Putin an die Macht kamen. Der in Leningrad geborene Setschin studierte ebendort bis 1982 Französisch sowie Portugiesisch. Danach arbeitete er als Dolmetscher für eine sowjetische Exportfirma und die Armee, unter anderem in den von Stellvertreterkriegen heimgesuchten ehemaligen portugiesischen Kolonien Moçambique und Angola; dass er so nicht in Aktionen des sowjetischen Geheimdiensts involviert war, ist schwer vorstellbar, auch wenn seine Mitarbeit nicht bewiesen ist.

          Yukon zerschlagen

          Jedenfalls traf er wahrscheinlich Ende der achtziger Jahre – zurück in Leningrad – zum ersten Mal auf Putin. Als Putin 1996 nach Moskau in die Kreml-Verwaltung aufrückte und dort aufstieg, blieb Setschin als sein Assistent stets einige Schritte hinter ihm. Diese Strategie machte ihn schließlich zum stellvertretenden Chef der Präsidentenadministration und zum Verwaltungsratspräsidenten der staatlich kontrollierten Rosneft. Der Erdölkonzern war damals bei weitem nicht so groß wie heute. Doch es war der Strippenzieher Setschin, der die Zerschlagung des privaten Konkurrenten Yukos unter dem Magnaten Michail Chodorkowskij einleitete und dafür sorgte, dass Rosneft die besten Fragmente erhielt.

          Vor wenigen Jahren wagte es der damalige Präsident Dmitrij Medwedjew, sich mit Setschin zu überwerfen – doch nach dem Beginn von Putins dritter Amtszeit 2012 kehrte Setschin als Direktor von Rosneft und als Verwaltungsratspräsident von Rosneftegas zurück. Diese Holding kontrolliert Rosneft, womit Setschin sich selbst beaufsichtigt. Rosneft hat durch die Übernahme des Konkurrenten TNK-BP an Gewicht stark zugelegt (wodurch BP zur Großaktionärin wurde) und die Dominanz des Staates in der russischen Erdölbranche ausgebaut. Setschin ging außerdem Kooperationen mit internationalen Konzernen wie ExxonMobil, Eni und Statoil ein, deren Wissen, Technologie und Kapital er braucht. Doch wenn Putin mit seiner Ukraine-Politik nicht aufpasst, könnte er auch das Werk seines Wegbegleiters Setschin gefährden.

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