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Sanktionen gegen Russland : Putins Datschen-Freunde

Wladimir Putin: Enge Freunde erhalten Milliardenaufträge Bild: AFP

Die Vereinigten Staaten sanktionieren eine Reihe Russen aus Putins engstem Umfeld, die keine politischen Funktionen haben. Washington hat eine ganz besondere Botschaft an den russischen Präsidenten.

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          Auf der neuen amerikanischen Sanktionsliste stehen eine ganze Reihe hoher staatlicher Funktionäre – etwa Sergej Iwanow, der als Chef von Putins Präsidialverwaltung eine zentrale Stelle im Machtgefüge des Landes hat. Oder der Duma-Vorsitzende Sergej Naryschkin. Doch die eigentliche Botschaft Washingtons an den russischen Präsidenten steckt in den Namen einiger anderer Männer, mit denen Putin schon lange bekannt war, bevor er Präsident wurde. Sie haben keine politischen Funktionen, aber ihre Namen sind in den Augen von Kritikern des von Putin geschaffenen politischen und wirtschaftlichen Systems Synonyme für Korruption und Machtmissbrauch. Washington friert alle ihre Konten in Amerika ein.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Die Namen von Wladimir Jakunin, Jurij Kowaltschuk und Andrej Fursenko standen schon einmal nebeneinander auf einem Dokument: Am 10. November 1996 gehörten sie zu den Mitbegründern der Datschen-Kooperative „Osero“, gelegen an einem kleinen See in der Nähe von Sankt Petersburg. Seither haben sich ihre Karrieren und Vermögen bestens entwickelt. Das könnte an einem Mann liegen, dessen Name ebenfalls auf der Gründungsurkunde der kleinen Datschen-Siedlung steht: Wladimir Putin. Putins Datschen-Freunde gründeten Anfang der neunziger Jahre gemeinsam mehrere Unternehmen und kamen so mit Putin in Kontakt, der damals in der Stadtverwaltung von Petersburg für Außenwirtschaftsbeziehungen zuständig war.

          Gemeinsam beim KGB begonnen

          Wladimir Jakunin wurde 2005 zum Präsidenten der staatlichen Russischen Eisenbahn ernannt. In dieser Funktion war er zuletzt entscheidend an der Vorbereitung der Olympischen Spiele in Sotschi beteiligt: Das teuerste Bauwerk dort ist die kombinierte Bahn- und Straßenstrecke zwischen den Stadien an der Küste und den Skigebieten in den Bergen. Jakunins Karriere hat wie die Putins beim sowjetischen Geheimdienst KGB begonnen. Er begleitet Putin auf vielen Reisen und gilt als weit mächtiger und einflussreicher, als es seiner formalen Position entspricht. Unter seiner Patronage stehen zwei Stiftungen, die für eine orthodoxe Staatsideologie und einen imperialen Nationalismus eintreten. Andrej Fursenko wurde unter Putin Minister – zunächst Industrieminister, dann von 2004 bis 2012 Bildungsminister. Seither ist er ein enger Berater des Präsidenten. Bevor er in die Politik ging, hatte er wichtige Funktionen in der Bank „Rossija“ Kowaltschuks, die als einziges Unternehmen auf der amerikanischen Sanktionsliste steht. Die Bank „Rossija“ kontrolliert unter anderem die Gasprombank, das Finanzinstitut des Gaskonzerns - und über sie wiederum zahlreiche Medienunternehmen. Es heißt, über die Bank „Rossija“ verwalteten viele ranghohe Personen in Russland ihre Vermögen.

          Der alte Freund: Arkadij Rotenberg

          Der älteste Bekannte Putins auf der amerikanischen Sanktionsliste ist Arkadij Rotenberg: Die beiden haben Mitte der sechziger Jahre gemeinsam Judo trainiert. Seit Anfang der neunziger Jahre war Arkadij Rotenberg mit seinem jüngeren Bruder Boris (der ebenfalls auf der Sanktionsliste steht) als Bauunternehmer tätig. Ihr eigentlicher Aufstieg freilich begann erst, nachdem ihr Jugendfreund Wladimir Präsident geworden war: Seither erhalten sie regelmäßig gigantische Aufträge staatlicher Unternehmen und des russischen Staates. Allein bei der Vorbereitung der Olympischen Winterspiele in Sotschi sollen die Rotenbergs nach Recherchen des „Fonds zum Kampf gegen Korruption“ des Oppositionellen Alexej Nawalnyj Aufträge im Wert von umgerechnet etwa 4,5 Milliarden Euro erhalten haben.

          Mitte der neunziger Jahre gründete Arkadij Rotenberg auf Anregung Putins in Petersburg zusammen mit einem weiteren Mann auf der Liste einen Judo-Klub, dessen Ehrenvorsitzender der Präsident heute ist: Gennadij Timtschenko. Timtschenko wiederum war schon reich, bevor Putin, den er nach eigenen Aussagen seit 1989 oder 1990 kennt, Präsident wurde. Doch erst nach dem Einzug Putins in den Kreml stieg Timtschenkos Ölhandelsunternehmen „Gunvor“ in die erste Liga des weltweiten Rohölhandels auf – natürlich handelte es anfangs fast ausschließlich mit russischem Öl. In den wenigen Berichten über Putins persönliche Vermögensverhältnisse spielen Gunvor und Timtschenko Schlüsselrollen. Die amerikanische Regierung gibt zur Begründung für die Sanktionen gegen Timtschenko an, Putin habe in Gunvor investiert. Auch Timtschenko, der sein Portfolio in den vergangenen Jahren um Baufirmen erweitert hat, soll an den Winterspielen in Sotschi sehr gut verdient haben.

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