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Russlands U-Boote im Atlantik : Jagd unter Wasser

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Die russische Aufrüstung unter Wasser beunruhigt die Amerikaner allerdings noch aus zwei anderen Gründen. Zum einen gehört der Nordatlantik zum Patrouillengebiet ihrer strategischen U-Boote der „Ohio“-Klasse. Jagd-U-Boote könnten diesen Booten gefährlich werden und die Fähigkeit der Amerikaner zur strategischen Abschreckung schwächen. Zum anderen sind U-Boote auch eine Bedrohung für die Aegis-Kreuzer. Diese Schiffe sind Teil des Raketenabwehrschirms der Nato, den Russland seit geraumer Zeit kritisiert.

Patrouillen in Atlantik, Nordsee und Mittelmeer

Russland hat seine U-Boot-Flotte in den vergangenen Jahren stark erneuert. Die vor zehn Jahren noch weitgehend darniederliegende russische Nordmeerflotte hat seit Beginn des Modernisierungsprogramms vor etwa zehn Jahren erheblich an Kampfkraft gewonnen. Laut Marinefachleuten stehen inzwischen wieder sechs einsatzfähige strategische U-Boote und 16 Jagd-U-Boote zur Verfügung.

Zu ihrem Patrouillengebiet gehörten vor allem der Atlantik, die Nordsee und das Mittelmeer. Außerdem hat Moskau neue U-Boote entwickelt, die deutlich länger auf See bleiben könnten und schwerer zu orten seien als ihre Vorgänger, sagt Marineexperte Nick Childs.

Aufrüstung auch bei der Navy

Wie wirksam ihre neuen Boote sind, zeigten die Russen im Dezember 2015: Ein Schwester-U-Boot der „Staryj Oskol“ feuerte im Mittelmeer mehrere Marschflugkörper vom Typ „Kalibr“ auf die syrische Stadt Raqqa ab. Das russische Verteidigungsministerium verbreitete Fotos, die aus dem Wasser tretende Raketen zeigten und die Mitteilung, dass alle Ziele getroffen worden seien. „Diese Demonstration hat bei den Amerikanern und bei der Nato Eindruck hinterlassen“, sagt Nick Childs.

Doch auch die Vereinigten Staaten rüsten auf. Derzeit stehen fünf strategische und 26 Jagd-U-Boote für den Einsatz im Nordatlantik zur Verfügung. Etwa ein Drittel davon ist regelmäßig einsatzklar, der Rest befindet sich zur Wartung in der Werft, in der Ruhephase für die Besatzungen oder in der Modernisierung. In den kommenden zwanzig Jahren plant Washington den Neubau von zwölf strategischen und 16 Jagd-U-Booten.

Bundeswehr mit weniger Jagd-U-Booten

Seine Fähigkeiten zur U-Boot-Abwehr habe der Westen in den vergangenen zwanzig Jahren „extrem vernachlässigt“, sagt Nick Childs. Das Pentagon ändert seinen Kurs nun: Zehn Jahre nach ihrem Abzug sollen wieder U-Boot-Jagd-Flugzeuge auf Island stationiert werden. Das Verteidigungsministerium in Berlin schätzt die Lage indes anders ein. Es lägen keine Erkenntnisse zu einer „vierten Schlacht im Atlantik“ vor, teilte ein Sprecher mit. Die Bundeswehr hält daran fest, ihre U-Boot-Jagd-Fähigkeiten abzubauen. Die letzten drei Fregatten für diese Aufgabe sollen bis 2019 außer Dienst gestellt werden.

Nick Childs erwartet, dass Russland noch in diesem Jahr ein großes Flottenmanöver im Atlantik und im Mittelmeer abhält. Moskau wolle demonstrieren, dass es wieder in der Lage sei, die Bewegungsfreiheit der Amerikaner und der Nato auf See einzuschränken und den Zugang zu kleineren Meeren wie der Ostsee oder dem Schwarzen Meer zu versperren. „Die Nato muss sich dringend etwas einfallen lassen, wie sie der neuen Herausforderung begegnen will“, sagt er.

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