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Russland : Zeltlager der Unerwünschten

  • -Aktualisiert am

Gestrandet: Vietnamesische Gastarbeiterinnen im Moskauer Lager Bild: dpa

Während des Bürgermeisterwahlkampfs in Moskau jagen die russischen Behörden illegale Einwanderer. Auf einem alten Fabrikgelände warten inzwischen Hunderte in Zelten auf ihre Abschiebung.

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          Polizei und die Kontrolleure der Migrationsbehörde arbeiten in diesen Tagen in Moskau auf Hochtouren. In der Nähe von Märkten und Basaren, bei Metrostationen oder auf Straßen suchen sie nach Einwanderern, die nicht über die notwendigen Papiere verfügen. Wohnungen und Kellerräume, in denen „Illegale“ untergekommen sein könnten, werden durchsucht, geheime Produktionsstätten, Nähereien mit vietnamesischen Sklavenarbeitern oder usbekischen Frauen zum Beispiel werden durchsucht und ausgehoben. Wer auf Märkten und Straßen durch ein nichtslawisches Äußeres auffällt, muss nach der Gesichtskontrolle seine Papiere vorweisen. Genauso ergeht es Zentralasiaten, vornehmlich aus Tadschikistan, Usbekistan oder Kirgistan, die meist als Straßenarbeiter, Müllmänner, Hausmeister und auf einer der vielen Moskauer Baustellen arbeiten. Immer wieder gibt es solche Kampagnen. Dieses Mal wird offenbar gezielt nach Vietnamesen Ausschau gehalten. Ins Netz geraten aber auch Flüchtlinge aus vielen anderen Ländern, Syrer oder Ägypter etwa, die den humanitären Katastrophen in ihrer Heimat zu entkommen suchten.

          Warten auf Abschiebung

          Als Ziel der großangelegten Fahndung, die sich nicht nur auf die Hauptstadt erstreckt, wurde der Kampf gegen die illegale Arbeitsimmigration ausgerufen. Die jüngste Razzia im Südosten Moskaus am Mittwoch, an der 400 Polizisten beteiligt waren, war besonders erfolgreich. Mehr als tausend Menschen wurden auf dem Sadowa-Markt festgenommen und zur Feststellung ihrer Identität auf Moskauer Polizeistationen gebracht. Der bisherigen Logik folgend müssten die meisten von ihnen demnächst das eilig aufgebaute Zeltlager im östlichen Moskauer Stadtteil Goljanowo auf einem alten Fabrikgelände auffüllen und dort auf ihre Abschiebung warten. Aber dort sitzen bereits mehrere hundert Gestrandete fest - viele von ihnen Vietnamesen, die auf dem gleichen Gelände hinter hohen Mauern zuvor in einer illegalen Schneiderei gearbeitet hatten.

          Bürgerrechtler vom Menschenrechtsrat bei Präsident Wladimir Putin verlangten am Mittwoch, das Lager sofort zu schließen. Zuvor hatte Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina von der bekannten Organisation „Memorial“ sich am Wochenende Eintritt verschafft und die Zustände kritisiert. Die Bedingungen im Zeltlager seien zwar besser - was wohl zutrifft - als in den sogenannten „besonderen Untersuchungsgefängnissen“ der Polizei, die gleich am Tag nach der ersten Razzia Ende Juli hoffnungslos überfüllt waren. Aber es gebe keine rechtliche Grundlage für das Lager in Goljanowo, sagte Gannuschkina. Dabei hatten die Behörden dieser Tage noch vollmundig angekündigt, demnächst würden in allen 83 Provinzen des größten Flächenstaates der Erde ähnliche Lager wie in Moskau errichtet. Kritiker in der Bloggerszene malten bereits das Schlimmste an die Wand: eine Rückkehr in die Zeiten Hitlers und Stalins. Man sprach griffig von Plänen für einen „GULag light“ oder für Konzentrationslager. Richtig ist, dass unglaubliches Chaos herrscht. Viele im Zeltlager von Goljanowo sprechen kein Russisch oder haben keine Papiere bei sich, weil sie diese bei überraschenden Festnahmen wie ihre anderen persönlichen Siebensachen nicht mitnehmen konnten.

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