https://www.faz.net/-gq5-7uakh

Russland : Chodorkowski strebt kein politisches Mandat an

  • Aktualisiert am

Der Kremlkritiker Michail Chodorkowski am Dienstag bei der Veranstaltung des Deutsch-Russischen Forums in Berlin Bild: dpa

Der frühere russische Konzernchef Chodorkowski will sich nicht von der Gnade des Kremls abhängig machen - und verneint Ambitionen auf ein politisches Amt. Einmischen will er sich dennoch. Über eine eigene Online-Plattform.

          1 Min.

          Der frühere russische Ölmagnat Michail Chodorkowski will sich mit seiner neu gegründeten Internet-Initiative „Offenes Russland“ für Rechtsstaatlichkeit und freie Wahlen in seinem Heimatland einsetzen, strebt aber kein Parlamentsmandat an. Das sagte der 51 Jahre alte ehemalige Konzernchef am Dienstag auf einer Veranstaltung des Deutsch-Russischen Forums in Berlin, wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) berichtete. Chodorkowski habe im Haus des Rundfunks ausgeschlossen, 2016 bei den Parlamentswahlen anzutreten. Auch eine Partei wolle er nicht gründen.

          Chodorkowski hatte am Samstag in Paris die Initiative „Offenes Russland“ aus der Taufe gehoben. In Interviews warf er dem Westen schwere Fehler in der Russlandpolitik vor und deutete Ambitionen auf das Präsidentenamt an. Am Dienstag sagte er jedoch nach RBB-Angaben, er sehe juristisch keine Möglichkeit für eine Parlamentskandidatur und wolle sich nicht von der Gnade des Kreml abhängig machen. Auch wenn er keine Partei gründen wolle, gedenke er sich nicht aus dem politischen Wettbewerb herauszuhalten.

          „Offenes Russland“ soll über eine Online-Plattform ein Forum für Gleichgesinnte bieten. Seine Bewegung habe zwar keinen Fernsehkanal, aber über das Internet könne die Bewegung zumindest einen kleinen Teil der russischen Bevölkerung erreichen, sagte Chodorkowski am Dienstag.

          Chodorkowski war im Dezember nach zehn Jahren Lagerhaft vom russischen Präsidenten Wladimir Putin begnadigt worden und lebt mittlerweile in der Schweiz. Im Gegenzug für seine Freilassung hatte er faktisch versprechen müssen, sich aus der russischen Politik herauszuhalten. Als Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos war Chodorkowski 2003 festgenommen und später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu jahrelanger Lagerhaft verurteilt worden. Die Prozesse gegen den Putin-Rivalen wurden vom Westen als politisch motiviert kritisiert.

          Weitere Themen

          Der lange Schatten der alten Koalition

          Casino-Affäre : Der lange Schatten der alten Koalition

          Nach der FPÖ gerät in Österreich nun auch die ÖVP in Bedrängnis. In der sogenannten Casino-Affäre ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen wegen Korruption und Untreue gegen den ehemaligen Innenminister.

          Topmeldungen

          Buttigieg in Iowa vorn : Suche nach der Mitte

          Pete Buttigieg liegt in den Umfragen zur demokratischen Vorwahl in Iowa erstmals vorn. Ist er der Hoffnungsträger für die Zentristen oder nur der Aufreger des Monats? In jedem Fall verfügt er über ein gut gefülltes Konto.
          Logik ist sein zweiter Vorname: Youtuber Rezo

          Journalismus im Wandel : Die Logik, das bin ich

          Das Deutschlandradio fragt auf einer Tagung, ob Journalisten aus der Öffentlichkeit verdrängt werden. Wie das geschieht, zeigt der Auftritt eines präpotenten Influencers.
          Einst war beim Arbeits- und Gesundheitschutz das technisch Machbare die Richtschnur. Nun definiert das arbeitsmedizinisch Unbedenkliche den Maßstab – notfalls auch um den Preis, dass manche Arbeiten unterbleiben müssen.

          F.A.Z. exklusiv : Der Straßenbau droht gestoppt zu werden

          Ein Grenzwert soll in Zukunft verhindern, dass Arbeiter zu viele Asphaltdämpfe einatmen. Nun fürchtet die Branche, komplett lahmgelegt zu werden. In einem Brandbrief bittet man um eine Übergangszeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.