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Russische Propaganda nach Flugzeugabschuss : Angriff ist die beste Verteidigung

Gegenseitige Schuldzuweisungen: Prorussische Separatisten am Freitag am Absturzort Bild: AFP

Nach dem Flugzeugabschuss im Osten der Ukraine setzt der Kreml in seiner Propaganda auf Attacke. Putins Leute füttern das heimische Publikum über die Staatsmedien mit Verschwörungstheorien.

          Am Donnerstagabend hatte Wladimir Putin Russlands Linie zum Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine vorgezeichnet: Der Präsident forderte zwar eine Untersuchung des Vorfalls, bei dem 298 Menschen getötet wurden, um ein „objektives Bild“ zu bekommen. Zugleich wies er aber Kiew die „Verantwortung“ zu: Die Tragödie wäre nicht geschehen, wenn in der Ostukraine Frieden herrschen würde. Seitdem variieren Putins Leute Schuldzuweisungen an die Ukraine und füttern das heimische Publikum über die Staatsmedien mit Verschwörungstheorien.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Schon kurz nach dem Abschuss des Flugzeugs traten im Staatsfernsehen führende Separatisten auf, die sagten, man habe keine Raketen, die das malaysische Flugzeug hätten erreichen können. Mitarbeiter der Sender bestätigen dies nun immer wieder, auch wenn sich die Separatisten noch vor kurzem anders geäußert hatten. Das Verteidigungsministerium wies am Freitag Berichte aus der Ukraine zurück, eine Batterie „Buk“-Raketen sei über die Grenze ins Kampfgebiet gebracht worden.

          Es teilte stattdessen mit, in dem betreffenden Gebiet hätten die Ukrainer Stellungen mit „Buk“-Raketen, die für den Abschuss benutzt worden sein könnten, was wiederum Kiew bestreitet. Indizien, die aus westlicher Sicht für eine Urheberschaft der Separatisten sprechen, werden vor dem russischen Publikum teils bestritten (so die Echtheit der vom ukrainischen Geheimdienst veröffentlichten Gesprächsmitschnitte), teils verschwiegen (etwa die Erfolgsmeldungen der Aufständischen nach dem Abschuss eines vermeintlichen ukrainischen Militärtransportflugzeuges zur selben Zeit und in derselben Gegend, in der MH17 abgeschossen wurde).

          Zehn Fragen an Kiew

          Am Samstagmorgen ging der stellvertretende russische Verteidigungsminister Anatolij Antonow in die Offensive: er forderte die Ukraine auf, „internationalen Experten“ Dokumente über die Verwendung ihrer Luft-Luft- und Boden-Luft-Raketen auszuhändigen. Dies versah Antonow vor den Zuschauern des Staatssenders Rossija 24 mit dem Zusatz, dies sei sehr wichtig, denn „es erlaubt zu bestimmen, welches System gegen die malaysische Boeing eingesetzt wurde“. Antonow sagte, man habe Kiew eine Liste mit insgesamt zehn Fragen zu den „tatsächlichen Gründen des Absturzes“ übermittelt. Darunter ist zum Beispiel auch die Frage, warum der Luftraum nicht gesperrt worden sei, die auch Russlands UN-Botschafter vor dem Sicherheitsrat gestellt hatte.

          Dann folgt eine Frage, die eigentlich schon eine Anklage ist, nämlich, welche Lehren aus der, so Antonow, „entsprechenden Katastrophe“ des Jahres 2001 gezogen worden seien? Damals war ein russisches Passagierflugzeug über dem Schwarzen Meer abgestürzt, 78 Menschen kamen ums Leben; die damalige ukrainische Führung gab erst nach Tagen zu, dass eine während eines Manövers abgefeuerte Rakete das Flugzeug getroffen haben könnte. An den Vorfall erinnern die politischen Kräfte in Russland nun ständig. Rossija 24 zog daraus für seine Zuschauer mit Blick auf Flug MH17 den Schluss, dass es „völlig wahrscheinlich“ sei, dass Kiew auch jetzt wieder „bis zum letzten Moment leugnet“.

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