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Präsidentenwahl in Rumänien : In der Höhle des Löwen

  • -Aktualisiert am

Langer Weg in die Hauptstadt: Der Hermannstädter Bürgermeister Klaus Johannis im Wahlkampf in Bukarest Bild: dpa

Der deutschstämmige Bürgermeister von Hermannstadt tritt in der Stichwahl an diesem Sonntag gegen Rumäniens Präsidenten Victor Ponta an. Klaus Johannis appelliert an das Arbeitsethos der Rumänen und an ihre Hoffnung, einmal in einem „normalen Land“ zu leben.

          Klaus Johannis fasste sich ein Herz und trat in die Höhle des Löwen. Im blaugetönten Studio der Realitatea TV war alles für die „Debatte des Jahres“ vorbereitet. Der 42 Jahre alte sozialdemokratische Ministerpräsident Victor Viorel Ponta, der gegen den 55 Jahre alten deutschstämmigen Bürgermeister von Hermannstadt (Sibiu) am Sonntag in der Stichwahl um das Amt des Staatsoberhauptes antritt, freute sich auf ein Heimspiel.

          Realitatea TV gehört zu den Sendern, die für ihn Stimmung machen. Die Wahlkampfstäbe der beiden Kandidaten hatten sich nicht auf einen Modus der TV-Konfrontation einigen können, aber Johannis schob alle Bedenken beiseite. Ponta habe ihn eingeladen, teilte er in einer Videobotschaft auf Facebook mit. Er habe zugesagt und seinen Stolz überwunden. In der Pause sendete Realitatea eine Werbung der sozialdemokratischen Partei für ihren Kandidaten.

          Dürfen dieses Mal alle Wählen?

          Thema Nummer eins in Rumänien ist das Chaos bei der ersten Runde der Präsidentenwahl, durch das Tausende Auslandsrumänen daran gehindert wurden, ihre Stimme abzugeben. Für die Durchführung der Wahl ist die Regierung verantwortlich. Ponta versprach, dass an diesem Sonntag alle wählen könnten. Ruhig und sachlich brachte Johannis seine Zweifel vor. Das Chaos in der ersten Runde hatte System, es gibt nur wenige Ponta-Wähler unter den Auslandsrumänen.

          Zwar feuerte der Ministerpräsident Außenminister Titus Corlăţean, weil er einen Sündenbock brauchte. Aber an seine Stelle setzte er Teodor Meleşcanu, einen abgehalfterten Geheimdienstchef und alten Diplomaten der Ceauşescu-Schule, der erst recht von ihm abhängig ist. Fest steht, dass es entgegen der Empfehlung der Zentralen Wahlkommission bei der Stichwahl keine zusätzlichen Wahllokale geben wird. Die Regierung hätte das Problem leicht auf dem Verordnungsweg lösen können, aber Ponta lehnte das ab. Johannis forderte seinen Rücktritt. Ponta lächelte.

          Eine Umfrage unter Zuschauern ergab, dass der Ministerpräsident vor der Fernsehkamera besser abschnitt. Dem angriffslustigen, aalglatten jungen Ponta stand ein ruhig und bedächtig argumentierender, über das politische Gezänk erhabener Johannis gegenüber. Johannis enthielt sich der Polemik, vor der Kamera mied er den Augenkontakt mit Ponta und wandte sich direkt an die Wähler. Er versprach, Rumänien in ein lebenswertes Land zu verwandeln, in dem sich Arbeit lohne, die Bürger sich zu Hause fühlten und die staatlichen Institutionen endlich ihren Aufgaben nachkämen. Ganz Rumänien ein einziges großes Hermannstadt.

          Klaus Johannis, 1959 in Hermannstadt geboren, absolvierte ein Physikstudium in Klausenburg (Cluj), arbeitete als Lehrer an mehreren Hermannstädter Schulen, darunter dem traditionsreichen Brukenthal-Gymnasium und wurde schließlich Schulinspektor. Seine politische Karriere begann er 1990 im Demokratischen Forum der Deutschen, dessen Wählerbasis durch die Abwanderung immer mehr schrumpfte. Bei der jüngsten Volkszählung (2011) bekannten sich weniger als 37.000 Bürger in ganz Rumänien zur deutschen Minderheit. Die Siebenbürger Sachsen sind stolz auf Johannis, aber mit ihrer Unterstützung allein ist nicht zu erklären, dass er als Lokalpolitiker solchen Erfolg hatte.

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