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Rücktritt als Minister : Macron bringt sich für Präsidentschaftswahl in Position

Französischer Wunderjunge mit Präsidentschaftsambitionen: Emmanuel Macron Bild: AFP

Emmanuel Macron ist als Wirtschaftsminister zurückgetreten. Er plant bei der französischen Präsidentschaftswahl Großes. Der Zeitpunkt garantiert dem Umfrageliebling maximale Aufmerksamkeit.

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          Über die Rücktrittsgerüchte war am Kabinettstisch im Elysée-Palast zuletzt nur noch gespottet worden: „Tritt er morgen zurück?“ – „Ja, wie jeden Tag!“. Jetzt hat Emmanuel Macron, der Wirtschaftsminister, Ernst gemacht und Präsident Francois Hollande um seine Entlassung aus der Regierungsverantwortung gebeten. Finanzminister Michel Sapin werde das Wirtschaftsressort mit übernehmen, teilte der Elysée-Palast am Dienstag in Paris mit

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der Zeitpunkt garantiert dem Umfrageliebling maximale Aufmerksamkeit. Die politische Sommerpause ist gerade erst beendet, das Ende der national einheitlichen Schulferien steht bevor. Der im Dauerumfragetief gefangenen Regierung gelang es am Vorabend bei einer Veranstaltung nahe Toulouse nicht, eine mitreißende Zukunftsperspektive zu skizzieren. Die Republikaner haben begonnen, sich gegenseitig zu beschimpfen. Deshalb glaubt Macron an sich als Hoffnungsträger für viele politisch ernüchterte Franzosen. Er bringt sich in Position für den Präsidentschaftswahlkampf, dessen Verlauf ungewisser denn je ist.

          Fast auf den Tag genau zwei Jahre hat er als Wirtschaftsminister gewirkt und zumindest einem Liberalisierungsgesetz („Loi Macron“) seinen Namen gegeben. Aber zu größeren Reformen, etwa der vielfach erwähnten Abschaffung der 35-Stunden-Woche oder der Privilegien der Staatsbediensteten reichte es nicht, vermutlich auch, weil Präsident Hollande sich davor fürchtete. Das Bild eines verhinderten Reformers zumindest hat Macron erfolgreich kultiviert. Einen offenen Konflikt mit dem Präsidenten, der ihn 2012 als Wirtschaftsberater in den Elysée-Palast holte, hat er dabei vermieden. „Er weiß, was er mir verdankt“, beschwor Hollande noch bei seinem Fernsehgespräch zum 14. Juli die Loyalität Macrons. Zugleich drohte er ihm, dass er zu Solidarität verpflichtet sei. Doch da hatte sich Macron mit seiner im Frühjahr begründeten politischen Bewegung „En marche“ schon weit von seinem Förderer entfernt.

          Macron als „Mozart im Elysée“

          Seine neue Freiheit will der 38 Jahre alte Umfrageliebling nun sofort nutzen: In den nächsten Tagen, meldet „Le Point“, will er ein Buch veröffentlichen, Untertitel „En marche vers l’Elysée“. Übersetzt heißt das so viel wie „Auf dem Weg in den Elysée-Palast“. Mit Büchern beginnen in Paris noch immer Präsidententräume. Macron knüpft damit an das seit Napoleon Bonaparte stets verherrlichte Szenario eines dem politischen Genie, aber nicht geduldiger Basisarbeit geschuldeten Aufstiegs an die Staatsspitze an. Wahlkreisarbeit hat sich das politische Wunderkind, das in seinen Anfängen als „Mozart im Elysée“ gefeiert wurde, bislang erspart. Ein Angebot der Sozialisten, bei den Kommunalwahlen in seiner Heimatstadt Amiens zu kandidieren, schlug er aus. Jetzt hat er für „En marche“ aber doch das eher klassische Vorgehen von Kundgebungen und persönlichen Befragungen gewählt.

          Zur Sozialistischen Partei (PS) unterhält Macron seit langem eine distanzierte Beziehung. „Die Wahrheit verpflichtet mich zu sagen, dass ich kein Sozialist bin“, sagte er im Juli bei einem Besuch bei dem nationalkonservativen Politiker Philippe de Villiers in Puy-du-Fou. Er gehöre einer Linksregierung an, um „dem Allgemeinwohl zu dienen“, fügte er hinzu. Seiner Bewegung „En marche“ hat er zum Ziel gesetzt, „weder links, noch rechts“ zu sein. „Wird er bei den Vorwahlen der Linken oder der Rechten kandidieren?“, höhnte der stellvertretende FN-Vorsitzende Florian Philippot am Dienstag. Dabei weiß Philippot genau, dass Macron sich keiner Vorwahlprozedur stellen will. Der Politiker hofft vielmehr auf eine Präsidentenwahl im Sinne de Gaulles – als „rendez-vous eines Mannes mit dem Volk“.  

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