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Religiöse Erziehung : Islam im Kindergarten?

Wie religiös darf es in Kindergärten zugehen? Eine Frage, die in Wien aktuell diskutiert wird Bild: dpa

Wien streitet über Fragen religiöser Erziehung bei Kindern. Sind islamische Kindergärten zu religiös? Eine neue, umfassende Studie soll bald Klarheit schaffen.

          3 Min.

          Wie religiös darf es in Kindergärten zugehen? Diese Frage wird in Österreich seit zwei Wochen heiß diskutiert. Die Debatte hat mit einer Studie begonnen, wonach in Wien in vielen islamischen Kindergärten eine konservativ-religiös geprägte Erziehung stattfinde und bei einigen Trägern extremistische Gruppen als Hintergrund zu vermuten seien. Die Sachfrage ist in dieser Auseinandersetzung schnell in den Hintergrund gerückt und einem politischen Schlagabtausch zwischen den Parteien SPÖ und ÖVP gewichen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          In der grundsätzlichen Frage zeigen sich die Österreicher entsprechend uneinig, ja polarisiert. Laut einer Umfrage für die Zeitschrift „Profil“ finden 51 Prozent: „Religionen haben in Kindergärten nichts verloren“; 48 Prozent widersprechen dem. Eine klarere Tendenz gibt es auf die Frage, ob islamische Kindergärten strenger kontrolliert werden müssten. Hier sagen knapp zwei Drittel ja.

          Offiziell gibt es keine islamischen Kindergärten

          Der politische Streit hat schlichtere Züge. Die christlich-demokratische ÖVP regiert im Bund mit der Kanzlerpartei SPÖ und stellt den Außenminister, der zugleich für Integration zuständig ist, Sebastian Kurz. Der hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben. Kurz forderte Wien zu ein paar Folgerungen auf, beispielsweise das Kindergartengesetz zu ändern, „einen Systemwechsel herbeizuführen und diese Fehlentwicklung in Wien zu stoppen“. Die sozialdemokratische SPÖ dominiert die Wiener Politik und fühlte sich durch die Aussagen der Studie deshalb angegriffen.

          Ob es in Wien wirklich 150 islamische Kindergärten gibt, wie es in der Studie heißt, wird von Fachleuten angezweifelt. So viele ausgebildete Pädagoginnen, die dafür notwendig wären, hätten die muslimischen Vereine auf die Schnelle schwerlich gewinnen können. Doch hat die Stadt Wien, um das sozialdemokratische Versprechen eines kostenlosen Kindergartens zu verwirklichen, viel Geld an Fördermitteln ausgegeben. Da zugleich zwei Kindergartenjahre verbindlich sind, ist eine große Nachfrage an verfügbaren Plätzen entstanden. Diese Kombination hat einen enormen Aufwuchs befördert. Diese Parallele zur Krippenplatz-Garantie sollte auch in Deutschland den Blick schärfen.

          Auf den Gedanken, dass da etwas falsch laufe, ist Kurz dem Vernehmen nach durch Fragen eines Taxifahrers gekommen sowie durch Hinweise eines Lebensmittelhändlers, der islamisch unbedenkliches (halal) Fleisch an Kindergärten liefert. Von Kindergärtnerinnen unter der „Burka“ sei da die Rede gewesen, heißt es in der Umgebung des Ministers, von Kleinkindern, die schon Kopftuch tragen müssten, und vom Herauf- und Herunterbeten von Koransuren. Kurz wollte Näheres wissen und stellte fest, dass über dem ganzen Thema ein Mantel des Schweigens lag. Denn offiziell gibt es überhaupt keine islamischen Kindergärten – so eine Aussage der Wiener Stadträtin Sandra Frauenberger noch im November. Tatsächlich wird behördlich die religiöse Ausrichtung einer Kinderbetreuungseinrichtung nicht erhoben.

          Der Bericht bleibt vage, die Aussagen unspezifisch

          Eine Kooperation mit den Wiener Behörden wurde nach Angaben des Ministeriums gesucht, doch habe die Stadt nach anfänglicher Zusage abgewunken. Das Integrationsministerium gab die Studie allein in Auftrag. Doch ohne behördlichen Druck zeigten sich die meisten der als Stichprobe ausgewählten 15 Kindergärten mit islamischer Ausrichtung unkooperativ. Tatsächlich konnten nur sechs Einrichtungen besucht werden. Zu den übrigen sammelten die Wissenschaftler Aussagen von Eltern, Informationen aus Publikationen und Websites der Kindergärten und Einträge aus dem Vereinsregister.

          Was Mitte Dezember bekanntwurde, war ausdrücklich nicht eine Studie, sondern ein Zwischenbericht. Die Aussagen sind überwiegend unspezifisch. Es wird beispielsweise festgestellt, dass die Eltern „überwiegend sehr konservativ eingestellt“ seien und „ihre Kinder mit entsprechenden Erwartungen in die islamischen Kindergärten“ brächten. Ein Motiv sei der Schutz der Kinder vor „dem moralischen Einfluss der Mehrheitsgesellschaft“. Es gebe fast überall neben dem normalen Curriculum ein muttersprachliches Programm, das dem einer Koranschule gleiche. Es werde ein veraltetes Sündenverständnis vermittelt, das die Entwicklung zur Selbständigkeit hemme. Der Islam werde gegenüber anderen Religionen oder Weltanschauungen aufgewertet.

          Besonders vage bleibt der Bericht da, wo es um die Vernetzung mit Salafisten und anderen Protagonisten des politischen Islams geht. Hier seien vertiefende Untersuchungen nötig. Eine Reihe von Trägervereinen wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Untersuchung als nicht repräsentativ. Auch die katholische Kirche reagierte ausgesprochen distanziert auf die Vorstudie. Immerhin hat sich nun die Stadt Wien zur Zusammenarbeit in einer umfassenden Studie bereitgefunden und will auch einen Leitfaden herausgeben.

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