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Regionalwahlen in Italien : Der Traum von Normalität und Ordnung

  • -Aktualisiert am

Ein Mann für ganz Italien? Matteo Salvini demonstriert mit Anhängern in Rom gegen die Regierung. Bild: dpa

Matteo Salvini bezeichnet Flüchtlinge nicht mehr als „Zecken“. So will er die Lega Nord zur stärksten Kraft auf der Rechten machen. Am Sonntag wählen die Italiener in Regionen und Kommunen.

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          Auf einmal klingt Matteo Salvini ganz anders. Kurz vor den Regional- und Lokalwahlen am Sonntag nennt er Flüchtlinge nicht mehr „Zecken“, die noch auf hoher See zurückgeschickt werden müssten. Plötzlich will der aus Mailand stammende Chef der Lega Nord alle retten und nur die zurückweisen, die sonst als Illegale in Italien leben würden. Er steht auf dem Platz der Märtyrer im Städtchen Lonato am Gardasee. Hier wird am Sonntag der Bürgermeister gewählt. Die Ortschaft mit 16.000 Einwohnern am Fuß einer mittelalterlichen Festung ist seit Jahren in Lega-Hand.

          „Ich will nur mehr Normalität in Italien“, ruft Salvini den etwa 300 Menschen zu, die sich auf dem Platz versammelt haben. Der Europaparlamentarier mit dem kurzgeschnittenen Vollbart und dem Brillanten im Ohr zieht nicht wie sonst vom Leder. Nicht nur die „Zecken“ sind aus seinem Wortschatz verschwunden. Früher nannte Salvini den Euro eine „kriminelle Währung“ und forderte Italiens sofortigen Euroausstieg. Jetzt formuliert er vorsichtiger und sagt, Europa und seine Währung sollten dem Volk gehören und nicht EU-Bürokraten. Für seine Charmeoffensive hat Salvini ein Vorbild: Marine Le Pen vom französischen Front National, mit dem die Lega Nord im Europarlament kooperiert.

          Bis zum Rücktritt Silvio Berlusconis Ende 2011 regierte die Lega in Rom als Juniorpartner mit. Unter Salvini möchte die Lega den Platz von Berlusconis Forza Italia (FI) – sie ist immer noch zweitstärkste Kraft im Lande – in der Wählergunst einnehmen. Den Umfragen zufolge sind Berlusconis Aussichten düster, wenn in sieben Regionen – Venetien, Ligurien, Toskana, Umbrien, in den Marken, in Kampanien, Apulien – die Regionalpräsidenten und in vielen Kommunen die Bürgermeister gewählt werden.

          „Diese Wahlen sind die erste Volksabstimmung gegen Renzi“

          Für Salvinis Lega ist die zunehmende Schwäche der Forza Italia die große Chance. Schon jetzt herrscht die Lega in den norditalienischen Regionen Lombardei und Venetien. Sie soll nun auch den Süden erobern. Die Lega träumt nun nicht mehr von einem vom Rest Italiens unabhängigen Staat „Padanien“. Salvini wettert auch nicht mehr gegen den „faulen, korrupten und von der Mafia verseuchten Süden“. In Lonato schwärmt er von Italiens großer Kraft, die vom bürokratischen Staat gelähmt werde. „Als erste nationale Kraft in Italien werden wir die linke Regierung Renzi herausfordern, bis wir bei den nächsten nationalen Wahlen siegen werden“, verspricht Salvini in Lonato. Unermüdlich ist Salvini im Einsatz. Etwa alle drei Minuten twittert er eine neue Nachricht. Und stets hat Salvini eine zentrale Botschaft: „Diese Wahlen sind die erste Volksabstimmung gegen Renzi“.

          In einer Bar in Lonato am Märtyrer-Platz hängen Fähnchen im Grün der Lega. „Wir wählen hier alle seit langem Lega“, erzählt Andrea, der 40 Jahre alte Inhaber einer Reinigung. „Aber deswegen sind wir noch lange keine Extremisten.“ Was die Menschen hier wollten, sei doch nur „Ordnung in unserem Land“. Das meint auch seine Frau Svetlana, die vor zehn Jahren aus Russland nach Norditalien kam. „Ich interessiere mich nicht für Politik; aber in der Heimat würde ich Putin wählen. Das Volk braucht einen starken Mann wie den Capitano Matteo“, sagt sie. Neulich sei sie von Ausländern vor dem Supermarkt bedrängt worden. Sie habe Angst, ihren Sohn Nicolo allein in die Schule zu schicken. Und ein Flüchtlingsheim für Schwarze macht ihr ebenfalls Sorgen. „So geht das nicht.“

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