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Razzien in der Türkei : Bundesregierung kritisiert Festnahmen

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„Widerstrebt den europäischen Werten und Standards“

Sicherheitskräfte nahmen bei einer landesweiten Großrazzia am Sonntag in der Türkei dutzende Journalisten und angebliche Regierungsgegner fest. Insgesamt seien 32 Haftbefehle erlassen und 24 der Verdächtigen festgenommen worden, meldete der Sender CNN Türk. Die Zeitung „Zaman“ und der Medienkonzern Samanyolu stehen dem mit Erdogan verfeindeten islamischen Prediger Fethullah Gülen nahe.

„Diese Operation widerstrebt den europäischen Werten und Standards“, heißt es in der EU-Mitteilung. „Wir erinnern daran, dass alle weiteren Schritte zum Beitritt für jedes Kandidatenland vom vollen Respekt für die Rechtsstaatlichkeit und die Grundrechte abhängen.“ Die EU-Außen- und Europaminister beraten am Dienstag über die Erweiterungspolitik und damit auch über die Beziehungen zur Türkei. Das Land ist seit 1999 Kandidat für einen EU-Beitritt, seit 2005 wird darüber verhandelt.

Lebt im Exil in Amerika: Fethullah Gülen

Nach Angaben des Anwalts des verhafteten Chefredakteurs wird Ekrem Dumanli vorgeworfen, eine „Organisationsstruktur“ mit dem Ziel aufgebaut zu haben, die Souveränität der türkischen Regierung auszuhebeln. Sicherheitskräfte hatten am Morgen das Redaktionsgebäude der Zeitung in Istanbul durchsucht. Demonstranten verhinderten jedoch vorerst die Festnahme Dumanlis.

Nachmittags rückte die Polizei erneut an und führte Dumanli unter lautstarkem Protest ab, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. „Man kann die freie Presse nicht zum Schweigen bringen“, skandierten die Unterstützer. Wie bei früheren Razzien hatte der mysteriöse Twitter-Nutzer „Fuat Avni“ zuvor vor dem Einsatz gewarnt.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu äußerte sich zunächst nicht zu den Razzien. Auf einer Veranstaltung der islamisch-konservativen Regierungspartei in der osttürkischen Provinz Elazig sprach er am Sonntag lediglich von einem „Tag der Prüfung“. Jeder werde für sein Verhalten zahlen, sagte Davutoglu. Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu kritisierte die Verhaftungen und bezeichnete sie als „Putsch“.

Der deutsche Grünen-Parteichef Cem Özdemir erklärte, die Durchsuchungen seien ein „weiteres Alarmsignal“ dafür, dass sich die Türkei von Europa und der Demokratie entferne.

Staatspräsident Erdogan wirft seinem einstigen Verbündeten Gülen vor, Polizei und Justiz unterwandert zu haben und die Regierung stürzen zu wollen. Auch hinter den im Dezember 2013 bekannt gewordenen Korruptionsvorwürfen gegen Ministersöhne der AKP-Regierung vermutet er die Gülen-Bewegung. Die Ermittlungen wegen Korruption sind inzwischen eingestellt worden. In einem am Wochenende in der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlichten Interview warnte der in den Vereinigten Staaten lebende Gülen vor einer „Hexenjagd“ in der Türkei.

Gülen lebt seit 1997 in Amerika im selbstgewählten Exil, nachdem die türkischen Behörden ihm islamistische Umtriebe vorhielten. Erdogan wirft Gülens Anhängern in Polizei und Justiz unter anderem vor, Tausende Telefonate abgehört und die Aufnahmen alsTeil eines inszenierten Korruptionsskandals gegen sich lanciert zu haben. Gülen weist die Vorwürfe zurück. Er unterhält weltweit zahlreiche Unternehmen und Schulen, die weltlich ausgerichtet sind.

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