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Proteste nach Tod eines Jugendlichen : Mehr als 150 Festnahmen in der Türkei

  • Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Die Proteste gegen die türkische Regierung haben ein weiteres Todesopfer gefordert: Ein Jugendlicher stirbt nach 269 Tagen im Koma. Bei folgenden Protesten werden zwei Dutzend Menschen schwer verletzt und 150 Demonstranten festgenommen.

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          Im Zuge neuer regierungskritischer Proteste in der ganzen Türkei sind örtlichen Medien zufolge mehr als 150 Demonstranten festgenommen worden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Dogan wurden bei gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei am Dienstagabend rund 20 Demonstranten verletzt. Zwei von ihnen seien im südlich gelegenen Mersin und in Istanbul von Polizeifahrzeugen angefahren und schwer verletzt worden. In Istanbul wurde demnach auch ein Polizist verletzt.

          Ausgelöst wurden die Proteste in rund 30 Städten des Landes durch den Tod eines vor neun Monaten bei Protesten verwundeten Jugendlichen. Die Polizei setzte am Dienstag Tränengas und Wasserwerfer gegen rund tausend Demonstranten vor dem Istanbuler Krankenhaus ein, in dem der 15 Jahre alten Berkin Elvan nach 269 Tagen im Koma gestorben war. Protestierende warfen Steine auf einen Polizeibus und entwendeten Helme und Schilde.

          Ausschreitungen in Istanbul

          In Istanbul hatte die Polizei mit mehreren Wasserwerfern Hunderte Demonstranten daran gehindert, am Abend auf den zentralen Taksim-Platz vorzudringen, wie Augenzeugen berichteten. Die Menge skandierte: „Schulter an Schulter gegen Faschismus.“ Über Demonstrationen wurde auch aus Ankara, Adana und Antalya berichtet.

          Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan relativierte unterdessen die Androhung einer Blockade von Facebook und Youtube in der Türkei. Eine vollständige Sperre komme nicht in Frage, sagte Erdogan der regierungsnahen Zeitung „Yeni Safak“. Doch werde er Fälschungen im Internet bekämpfen.

          Der Jugendliche Berkin Elvan war im Juni vergangenen Jahres auf dem Höhepunkt der Demonstrationen gegen die islamisch-konservative Regierung von einem Tränengasgeschoss der Polizei am Kopf getroffen worden. Nach Darstellung seiner Familie war er unterwegs, um Brot zu holen. Bei den Protesten waren fünf Demonstranten und ein Polizist ums Leben gekommen.

          Nach 269 Tagen im Koma starb Berkin Elvan

          Am Dienstag versuchten Demonstranten zunächst, nahe des Krankenhauses Barrikaden zu errichten, um die Polizei zu stoppen. Demonstranten warfen Steine auf die Polizei und Polizeiwagen. Am Vortag hatte die Polizei eine Mahnwache für den Jugendlichen am Krankenhaus gewaltsam aufgelöst und mehrere Menschen festgenommen.

          „An unser Volk: Wir haben unser Kind Berkin Elvan um 07.00 Uhr verloren“, twitterte die Familie des Jungen am Dienstag. Staatspräsident Abdullah Gül drückte den Angehörigen sein Beileid aus. Er rief dazu auf, neues Leid zu verhindern. Dies habe er auch den Behörden der Provinz Istanbul gesagt.

          Die Proteste hatten sich im vergangenen Sommer an Plänen der Regierung entzündet, den Gezi-Park am Rande des Istanbuler Taksim-Platzes zu bebauen. Sie richteten sich bald vor allem gegen Erdogans autoritären Regierungsstil.

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