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Präsidentenwahl in Österreich : Die neuen beiden Reichshälften

Als könne er es noch nicht recht glauben: Alexander Van der Bellen blickt als künftiger Bundespräsident aber schon mal über Österreichs Grenzen hinaus. Bild: AFP

Wahlsieger Alexander Van der Bellen will aus dem Fifty-Fifty-Ergebnis das Bestmögliche machen. Die FPÖ wittert eine Verschwörung. Und die Nationalratswahl steht ja noch bevor.

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          Die rot-weiß-rote Fahne Österreichs und das daneben aufgebaute europäische Sternenbanner bauschen sich im sanften Wind vor der barocken Kulisse des Palais Schönburg. Natürlich steckt in der Präsentation des neuen Bundespräsidenten, kurz nachdem der Innenminister seine hauchdünne, aber eindeutige Mehrheit bestätigt hat, schon eine symbolische Aussage. Ebenso in der Adresse, die sich nicht nur an die „lieben Österreicherinnen und Österreicher“ wendet, sondern auch dem internationalen Publikum „a warm welcome“ entbietet. Van der Bellen will, das macht er in seiner ersten Ansprache deutlich, die Gräben zuschütten, die während eines langen Wahlkampfes entstanden sind. Und er findet manchen Gedanken, um die Spaltung des Landes, die im Ergebnis zum Ausdruck kommt, ins Positive zu wenden.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Die hitzigen Diskussionen, die bis an die Familientische reichten, hätten auch gezeigt: „Den Bürgern ist Politik nicht egal.“ Es habe nicht nur eine Polarisierung, sondern auch eine Politisierung stattgefunden, das finde er gut, sagt der Grünen-Politiker, der von diesem Montag an seine Parteimitgliedschaft ruhen lässt. Dem unterlegenen Kandidaten Norbert Hofer zollt er seinen Respekt, und denjenigen Menschen, die sich vielleicht nicht genügend beachtet fühlten, wolle er zuhören, dazu gehöre es allerdings auch, dass einem zugehört werde, fügt Van der Bellen hinzu.

          Eine Erfahrung „in 72 langen Lebensjahren“ sei es, dass man sehr unterschiedlich sein und trotzdem zusammenarbeiten könne. Und was das „Fifty-Fifty“ des Wahlergebnisses betrifft: „Eine Hälfte ist so wichtig wie die andere. Beide gemeinsam ergeben dieses schöne Österreich.“ Hofer hat zu diesem Zeitpunkt bereits seine Niederlage eingestanden. Aber im Grunde hatte sich schon am Vorabend abgezeichnet, dass die FPÖ sich auf eine Niederlage einstellte.

          Das „gesamte verkrustete und gescheiterte politische System“

          Die Heimatschnulze „Immer wieder Österreich“ ist gerade zum dritten Mal verklungen, da meldet sich Norbert Hofer noch mal zu Wort. Den Zuhörern, die sich auf der Wahlparty der FPÖ inmitten des Wiener Praters in einem Lokal zwischen Achterbahn und Gruselkabinett eingefunden haben, gibt er noch einen Merksatz auf den Weg: „Das Leben ist kurz. Aber lange genug, um Österreich zu dienen.“ Dass Hofer vorerst nicht Österreich als Bundespräsident dienen darf, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es war so knapp, dass erst nach Auszählung der Briefwahlstimmen am Montag klar war, wer das Rennen gemacht hat. Es war, wie Van der Bellen noch im Ton des Wahlkämpfers, nicht des Präsidenten gesagt hat: „arschknapp“.

          Vorsorglich hat die FPÖ schon am Wahlsonntag, als klar wurde, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben würde, eine ganze Kulisse an Verschwörungstheorien aufgebaut. Erstens: der ORF. Mit dem öffentlich-rechtlichen Sender lag sich die FPÖ ja schon in den Haaren, weil er über Ungereimtheiten bei Aussagen Hofers über seine Israel-Reise vor zwei Jahren berichtet hatte. Die FPÖ witterte „Foulspiel“. Am Wahlabend raunte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in jedes Mikrofon, es sei doch „seltsam, seltsam“, dass der ORF von einem Fifty-Fifty-Rennen berichtete, während er offizielle Hochrechnungsdaten habe, die Hofer mit 53 Prozent vorne sahen.

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