https://www.faz.net/-gq5-78jmz

Präsidentenwahl in Italien : Napolitano kandidiert für zweite Amtszeit

  • Aktualisiert am

Will eigentlich keine zweite Amtszeit: Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano Bild: dpa

Nach fünf gescheiterten Wahlgängen für einen Nachfolger will Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano für eine zweite Amtszeit kandidieren. Die linke Demokratische Partei hatte ihn am Samstag um eine Weiterführung gebeten.

          Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano tritt zu einer Wiederwahl an. Das ließ er am Samstag in Rom kurz vor der sechsten Runde der Präsidentenwahl mitteilen. Die Demokratische Partei (PD) sowie die konservative Berlusconi-Partei „Volk der Freiheit“ (PdL) hatten Napolitano zuvor gebeten im Amt zu bleiben, da sich die Abgeordneten bei den vier bisherigen Wahlgängen auf keinen Nachfolgekandidaten einigen konnten.

          Der 87 Jahre alte Napolitano hatte es in den vergangenen Monaten mit Verweis auf sein Alter noch mehrfach abgelehnt, seine siebenjährige Amtszeit zu verlängern. Am Samstagmittag hatte Napolitano neben dem Chef des Mitte-Links-Bündnisses Pier Luigi Bersani unter anderen auch den ehemaligen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der konservativen Partei PdL Silvio Berlusconi empfangen. Napolitano sprach in seiner Erklärung davon, dass er sich nicht der Verantwortung gegenüber der Nation, die an ihn herangetragen wurde, entziehen könne. Er fügte hinzu, dass man bei den Gesprächen am Morgen über keine anderen Themen außer die Präsidentenwahl geredet habe.

          „Einheit und nationaler Zusammenhalt“

          PD, PdL, Lega Nord und Montis Scelta Civica äußerten die Hoffnung, dass das Parlament „mit der Wiederwahl von Präsident Napolitano Einheit und nationalen Zusammenhalt“ zeigen könnte.

          Am Samstagmittag war auch der fünfte Wahlgang in Rom erfolglos geblieben. Sowohl Bersani als auch Berlusconi hatten ihren Anhängern empfohlen, sich in der Runde zu enthalten. Insgesamt 462 Mitglieder des 1007-köpfigen Gremiums aus Abgeordneten, Senatoren und Vertretern der Regionen blieben der Abstimmung am Vormittag fern oder gaben leere Stimmzettel ab. Der von Beppe Grillos „Bewegung Fünf Sterne“ ins Rennen geschickte Kandidat Stefano Rodotà erhielt letztlich nur 210 Stimmen.

          Bersani kündigt Rücktritt an

          Parteiinterne Uneinigkeiten führten in der Demokratischen Partei am Freitag im vierten Wahlgang dazu, dass gut ein Viertel der PD gegen Romano Prodi stimmte. Bersani hatte versucht,den früheren Ministerpräsidenten Prodi als Napolitanos Nachfolger durchzubringen.  Nach dem abermaligen Scheitern seines Kandidatenvorschlags zog der Parteichef die Konsequenz und kündigte seinen Rücktritt an. Vor der Presse bezeichnete das Wahlverhalten seiner Partei als Verrat, den er nicht akzeptieren könne. Bereits am Donnerstag war der Mitte-Links-Chef in den Wahlgängen eins und zwei  am Widerstand seiner Partei mit dem Vorhaben gescheitert, den früheren Senatspräsidenten Franco Marini als Kompromisskandidat mit dem Berlusconi-Lager zum Nachfolger Napolitanos wählen zu lassen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.