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Präsidentenwahl in Frankreich : Die neue Strategie des Herrn Sarkozy

Da ist er wieder: der frühere französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy Bild: dpa

Der neue Vorsitzende der Konservativen will wieder Präsident werden. Die Einzige, die Nicolas Sarkozy bei diesem Plan gefährlich werden kann, ist Marine Le Pen. Gegen sie braucht er die Hilfe seiner Rivalen.

          Einen „Dreckskerl“ hatte Nicolas Sarkozy seinen Parteirivalen Dominique de Villepin genannt. Er wünschte ihm, „am Fleischerhaken zu enden“. Jetzt steht dieser „Dreckskerl“ neben Sarkozy, dem neuen Vorsitzenden der konservativen Partei UMP, und der droht – mit Umarmung. Kumpelhaft knufft Sarkozy ihn. Es klingt feierlich, als er verkündet, dass Villepin eingewilligt habe, dem neuen Parteirat der ehemaligen Premierminister beizutreten.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Streit und Seitenhiebe sind passé, es lebe die Parteieinheit, tönt Sarkozy. So geht es nun jeden Tag, seit 64,5 Prozent der UMP-Mitglieder in elektronischer Wahl ihren früheren Vorsitzenden und Staatspräsidenten zurück an die Parteispitze befördert haben. Für einen Parteitag fehlte das Geld. Kurz vor seinem 60. Geburtstag probiert Sarkozy etwas Neues in seiner langen politischen Laufbahn aus.

          Er versucht zu einen, statt zu spalten. Neuerdings will er seine Mitstreiter in der Partei überzeugen, statt zu unterjochen. Der Kraftprotz der französischen Politik, der nie um einen virilen Schlagabtausch verlegen war, hat sich selbst gezähmt.

          „Gemeinsam“ ist sein neuer Leitspruch. Er hat ihn inzwischen so oft wiederholt, dass es klingt, als würde er selbst daran glauben. Jeden Tag isst Sarkozy mit einem seiner ärgsten Rivalen zu Mittag. Sie wollten ihn politisch erledigen und haben sich mit seiner Rückkehr noch nicht abgefunden. So bat er seinen langjährigen Premierminister François Fillon zu Tisch. Der hatte vor ein paar Monaten den Generalsekretär des Elysée-Palastes gefragt, wann der endlich die Untersuchungsrichter auf Sarkozy ansetze.

          „Union bedeutet nicht Unterwerfung“

          „Wenn ihr nicht schnell zuschlagt, dann lasst ihr ihn zurückkommen“, soll Fillon gesagt haben, bebend vor Zorn. Das hat zumindest Präsident Hollandes Generalsekretär einigen Journalisten erzählt. Die Geschichte klingt glaubwürdig. Fillon strebt 2017 in den Elysée-Palast und hat durch Sarkozys Comeback viel zu verlieren.

          Der Élysée-Palast in Paris

          Im Fernsehen hat Fillon die Äußerungen bestritten, von seiner verletzten Ehre geredet und eine Diffamierungsklage angestrengt. Sarkozy, der früher einem wie Fillon mit verschiedenen Bösartigkeiten gedroht hätte, sagte nichts. Auch zu den frechen Gratulationsgrüßen Fillons nach seiner Wahl schwieg er. „Union bedeutet nicht Unterwerfung“, schrieb Fillon an seinen früheren Vorgesetzten.

          Fillon scheint von Sarkozys neuer Sehnsucht nach Harmonie nicht unbeeindruckt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen schrieb er jedenfalls nichts Hinterhältiges in seinen Internetblog. Und der unberechenbare frühere Staatspräsident Sarkozy zeigt sich seinen ehemaligen Untergebenen als UMP-Chef kooperativ und freundlich. Seinen früheren Minister Bruno Le Maire, der in der Mitgliederwahl gegen ihn kandidierte, hat er eingeladen, mit ihm nach Berlin zu reisen. Vor den Kameras säuselte Sarkozy „Merci, Bruno!“, und fast schien es, als buckle der Gewinner vor dem Verlierer.

          Der beste Kandidat ist nichts ohne einen Parteiapparat

          Das Kräftemessen mit Alain Juppé, Sarkozys gefährlichstem Konkurrenten auf dem Weg zurück in den Elysée-Palast, ist aufgeschoben. Anfangs lästerte Juppé über Sarkozys Plan, „einen nach Mottenpulver duftenden Rat für ehemalige Premierminister“ zu gründen. Doch seit er mit Sarkozy im UMP-Parteihaus speiste, preist auch er „die gute Begegnung“.

          Sarkozy hat ihm versprochen, spätestens im Oktober 2016 Vorwahlen „ohne Hintergedanken“ zu organisieren, bei denen der Präsidentschaftskandidat für 2017 ausgewählt werde. Sarkozy und Juppé wissen, dass sich die Partei Bruderkämpfe wie zwischen Jacques Chirac und Edouard Balladur im Präsidentschaftswahlkampf 1995 angesichts des Erstarkens des Front National nicht mehr leisten kann.

          Damals stand Juppé auf der Seite von Chirac, Sarkozy unterstützte Balladur. Dieses Mal müssen die Anhänger schon vor dem ersten Wahlgang entscheiden, wen sie lieber im Elysée-Palast sehen wollen. Der junge Sarkozy hat aus der Niederlage des Umfragelieblings Balladur geschlossen, dass der beste Kandidat nichts ist ohne einen straffen Parteiapparat hinter sich. Deshalb kann er bei allen Versöhnungsgesten ein stilles Frohlocken nicht verbergen. Sarkozy meint, dass er seine Rivalen mit der Eroberung der Partei schon weit hinter sich gelassen habe. Sie sollen es nur noch nicht merken.

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