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Präsidentenwahl : Frankreichs Wagemut zahlt sich aus

Er will Frankreichs nächster Präsident werden: Francois Fillon Bild: Reuters

Mit Francois Fillon hat das bürgerliche Aufbegehren gegen das politische Establishment in Frankreich nun ein neues Gesicht. Dass er in keine Schublade passt, ist ein gutes Vorzeichen.

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          Bei der Kandidatenkür für das Wahljahr 2017 gehen Deutschland und Frankreich getrennte Wege. Die bürgerliche Rechte westlich des Rheins hat sich für ein riskantes demokratisches Experiment entschieden. Erstmals wird der Präsidentschaftskandidat in offenen Vorwahlen bestimmt. Nach dem ersten Wahlgang steht fest, dass sich der politische Wagemut ausgezahlt hat – für die Bürger. Sie haben die Gelegenheit genutzt, sich einen Kandidaten auszusuchen, den Umfrageinstitute, Kommentatoren und die meisten Parteifreunde monatelang unterschätzt hatten. Sie haben gezeigt, dass sie sich ihr Votum nicht von den üblichen politischen Strippenziehern vorschreiben lassen wollen.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Das Ergebnis kommt einem Donnerschlag für den Politikbetrieb gleich. Der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy wurde aufs Altenteil geschickt, Umfragefavorit Alain Juppé erhielt einen kräftigen Dämpfer verpasst. Fortan trägt die französische Variante des Aufbegehrens gegen das politische Establishment den Namen Francois Fillon. Der kann sich damit endgültig als geistiger Erbe Philippe Séguins fühlen, des gaullistischen Poltergeists der bürgerlichen Rechten.

          Im traditionellen Frankreich verwurzelt

          Mit Fillon empfiehlt sich ein Wettbewerber für das Präsidentenrennen, der eine wertkonservative Gesellschaftspolitik mit einem liberalen Reformprogramm des Wohlfahrtstaats verbindet. Er passt in keine der Schubladen, die jetzt für ihn aufgezogen werden. Fillon ist weder eine französische Margaret Thatcher, noch ein Donald Trump à la francaise. Der 62 Jahre alte Notarsohn aus Sablé in der Loire-Region ist vielmehr im traditionellen Frankreich der Dörfer und Kleinstädte verwurzelt und hat von der katholischen Graswurzel-Bewegung profitiert, deren Anfänge in den Protesten gegen die Homo-Ehe liegen.

          Seine gaullistischen Töne in der Außenpolitik machen ihn noch nicht zu einem blinden Bewunderer des russischen Präsidenten Putin. Aber tatsächlich könnte Frankreich unter Fillon verstärkt den Dialog mit Moskau suchen, wie einst Republikgründer de Gaulle. Zuvor aber muss sich der Sieger des ersten Wahlgangs am nächsten Sonntag gegen Juppé in der Stichwahl durchsetzen. Die mehr als vier Millionen Teilnehmer der Vorwahlen haben bewiesen, dass sie Überraschungen mögen. Für die Präsidentenwahl ist das ein gutes Vorzeichen: Kein Kandidat, auch Marine Le Pen nicht, sollte in Siegesgewissheit schwelgen.

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