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Wladimir Putin : Der Kriegspräsident

Bild: AP

Immer, wenn Putin Krieg führte, war er in den Augen der Russen erfolgreich und vertrauenswürdig. Tat er es nicht, sanken die Beliebtheitswerte. Will der Präsident nach der Einigung von Minsk wirklich Frieden?

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          Wladimir Putins Herrschaft begann mit einem Krieg im eigenen Land. Als er im Sommer 1999 Ministerpräsident wurde, erschütterten Anschläge tschetschenischer Islamisten das Land. Er reagierte, indem er Truppen in den Nordkaukasus schickte und versprach, man werde die Terroristen bis auf den Lokus verfolgen und sie gnadenlos vernichten. Die Popularitätswerte des ehemaligen Geheimdienstchefs, den bis dahin kaum jemand in Russland gekannt hatte, schossen in die Höhe; als er am Neujahrstag 2000 nach dem Rücktritt Boris Jelzins Interimspräsident wurde, war er der mit Abstand populärste Mann Russlands.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Seine Wahl drei Monate später war dann nur noch Formsache. Doch der Krieg, der ihm die Unterstützung der Russen eingebracht hatte, führte gleichzeitig zu seinem ersten Konflikt mit dem Westen: Dessen Kritik am rücksichtslosen Vorgehen gegen die tschetschenische Zivilbevölkerung wies Putin als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands zurück.

          Putin blieb bei den Russen auch dann noch beliebt, als sich der Krieg in die Länge zog und in Moskau und anderen russischen Städten immer wieder Terroranschläge kaukasischer Extremisten Hunderte Todesopfer kosteten. Der Grund für die anhaltende Popularität war, dass er seinen Landsleuten das Gefühl vermittelte, der russische Staat erlebe nach einem Jahrzehnt des Zerfalls in den neunziger Jahren eine Auferstehung: Renten wurden wieder regelmäßig gezahlt, Oligarchen in die Schranken gewiesen, gegenüber dem Ausland demonstrierte Putin Selbstbewusstsein.

          Nie beliebter als nach der Annexion der Krim

          Dank des starken Anstiegs des Ölpreises wuchs zudem die Wirtschaft schnell. Die ersten beiden Amtszeiten Putins waren aus der Sicht vieler Russen Jahre der Stabilität und des Wohlstands, eine Phase der Erholung, nachdem sie anderthalb Jahrzehnte durchlebt hatten, in denen es keine Gewissheit mehr gab außer der, dass es immer noch schlimmer kommen kann, als man gerade dachte.

          Aber in all diesen Jahren waren seine Beliebtheitswerte nie so hoch wie im Sommer 2008, als er wieder Krieg führte – dieses Mal im Nachbarland Georgien. Lange hielt das indes nicht an. Als er drei Jahre später ankündigte, dass er nach einer Amtszeit als Ministerpräsident wieder als Präsident in den Kreml zurückkehren werde, ging eine Welle des Überdrusses durch das Land, die sich Ende 2011 in Massenprotesten gegen die Manipulation der Parlamentswahl Bahn brach. Putin verschärfte die Repressionen gegen Andersdenkende und verstärkte nationalistische und antiwestliche Töne.

          Geholfen hat ihm das zunächst kaum. Angesichts immer deutlicher zutage tretender wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurden selbst in Russland Zweifel laut, ob er die ganze Amtszeit überstehen würde. Dann kam das Frühjahr 2014, in dem seine Beliebtheitswerte auf ein Allzeithoch von fast 90 Prozent schnellten, nachdem er die Krim in einer offenbar sorgfältig geplanten Militäraktion an Russland angeschlossen hatte. Der Krieg im Donbass – Putins dritter – half danach, den patriotischen Überschwang am Leben zu halten. Bleibt die Frage, ob der russische Präsident nach der Einigung von Minsk wirklich Frieden will.

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