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Polen treten nach : Steinbachs Rückzug „eine gute Nachricht“

  • Aktualisiert am

Verhasst: Erika Steinbach stieß in Polen auf viel Unverständnis. Bild: dpa

Ressentiment und Verbitterung sprechen aus polnischen Kommentaren auf die Ankündigung der CDU-Politikerin Erika Steinbach, sie werde nicht wieder als Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen antreten.

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          Der Rückzug Erika Steinbachs von der Spitze des Verbands der Vertriebenen hat in Polen ein starkes Medienecho ausgelöst. „Dieser Tag musste kommen“, schrieb Krzysztof Ruchniewicz, polnischer Historiker und Leiter des Willy-Brandt-Instituts der Universität Breslau (Wroclaw), in seinem Blog. „Für Warschau kann das eine gute Nachricht sein.“ Mit Steinbach scheide eine Person aus dem Amt, „die in der Vergangenheit starke und ausschließlich negative Gefühle in den deutsch-polnischen Beziehungen ausgelöst hat.“

          „Sie nutzte selbst den Abschied aus dem Amt, um über die Polen zu klagen“, schrieb die linksliberale „Gazeta Wyborcza“ am Montag. „Sie rief Stürme (der Empörung) in Polen und Tschechien hervor. Erika Steinbach tritt ab“, hieß es bei der Rundfunknachrichtenagentur IAR. „Endlich! Erika Steinbach wird nicht mehr die Chefin des Vertriebenenverbands sein“, kommentierte das nationalkonservative Webportal Wpolityce.pl. „Aus polnischer Perspektive ist das ein Grund zur Freude.“

          Umstrittenste Politikerin in Polen

          In Polen gehörte die Vertriebenenvorsitzende jahrelang zu den bekanntesten und umstrittensten deutschen Politikerinnen; in manchen Medien wurde sie regelrecht dämonisiert. Ihre Forderung nach einem Zentrum gegen Vertreibungen wurde als Versuch gewertet, die Geschichte des Zweiten Weltkrieges neu zu bewerten und auf eine Entlastung deutscher Schuld hinzuarbeiten, indem die Deutschen in der Opferrolle gezeigt würden.

          „Dieses Ziel erreichte Steinbach nicht – dank Angela Merkel“, bilanzierte die „Gazeta Wyborcza“. „Die Kanzlerin entschied, dass der Staat und nicht der Verband der Vertriebenen gedenkt und Steinbach zu kontrovers ist, um im Aufsichtsrat zu sitzen. Statt dessen sitzen zwei polnische Historiker im wissenschaftlichen Beirat. Kurz nachdem diese Entscheidung 2010 fiel, erlosch ihr (Steinbachs) Stern.“

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