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Polnisches Großmanöver : Zehntausende Soldaten gegen die Angst

  • Aktualisiert am

Eine selbstfahrende Haubitze auf dem westpolnischen Übungsgelände Drawsko Pomorskie, aufgenommen am 4. Juni 2016. Bild: dpa

Einen Monat vor Beginn des Nato-Gipfels in Warschau probt Polen an der Ostflanke des Bündnisses den Ernstfall. Die Amerikaner stellen die meisten Truppen. Doch Warschau will noch mehr.

          Rund 2000 Fallschirmjäger aus Polen, den Vereinigten Staaten und Großbritannien beginnen am Dienstag in der Nähe der polnischen Stadt Torun mit einer Luftlandeübung das internationale Truppenmanöver „Anakonda 2016“.

          Der Name passt: In den vergangenen Tagen bewegten sich Panzer und Militärfahrzeuge in endlosen Kolonnen wie eine Riesenschlange gen Osten zu einem der größten internationalen Truppenmanöver. Auf mehreren polnischen Truppenübungsplätzen wird zu Land, zu Wasser und in der Luft der militärische Ernstfall geprobt.

          Mit dabei: Bis zu 31.000 Soldaten, darunter etwa 12.000 aus dem Gastgeberland Polen. Noch mehr Truppen stellen nur die Amerikaner mit 14.000 Soldaten. Die übrigen Teilnehmer kommen aus 22 weiteren Nato- und Partner-Staaten, darunter aus der Ukraine und Georgien. Die Bundeswehr ist mit etwa 400 Soldaten im Rahmen eines Pionierverbands vertreten. Deutsche Kampftruppen nehmen an „Anakonda“ nicht teil.

          Erstmals werden auch etwa 400 Zivilisten bei dem Manöver eingesetzt, die aus paramilitärischen Gruppen stammen – Teil der künftigen Freiwilligen-Miliz, die Polen im Rahmen seiner Landesverteidigung aufstellen will.

          Das seit 2006 alle zwei Jahre durchgeführte „Anakonda“-Manöver ist keine Nato-Übung, sondern ein Manöver der polnischen Streitkräfte. Es soll rein defensiven Charakter haben und das Zusammenspiel von Soldaten und Militärführung erproben. Laut polnischen Angaben liegt die Gesamtzahl der übenden Truppen in diesem Jahr unter dem der Vorgängerjahre. Bis zu 31.000 Soldaten nehmen 2016 daran teil. In den Vorjahren sollen es bis zu 50.000 gewesen sein.

          Mark Milley, Generalstabschef des amerikanischen Heeres, sagte, die Vereinigten Staaten wollten mit ihrer Teilnahme an dem Manöver unterstreichen, dass sie „Schulter an Schulter mit Polen stehen“ und zu Freiheit und Unabhängigkeit in der Region beitragen wollten. Das Manöver endet am 13. Juni.

          Auch im Baltikum beginnen internationale Militärübungen. Die Regierungen der vier Nato-Staaten Polen, Estland, Litauen und Lettland würden am liebsten dauerhaft Soldaten der westlichen Verbündeten in ihren Ländern stationiert sehen. Auf dem Warschauer Nato-Gipfel im Juli dürfte dieses Thema abermals im Vordergrund stehen.

          Die andauernden Kämpfe in der Ostukraine und die russische Annexion der Krim haben Sorgen um die eigene Sicherheit ausgelöst. Die Staaten fühlen sich von Russland potentiell bedroht. Russische Manöver nahe der Grenzen und Verletzungen des Luftraums haben diese Sorgen verschärft. Polen sieht sich eng mit der Ukraine verbunden, in Estland und Lettland leben starke russische Minderheiten.

          Hier sollen sie ruhen: Pritschen für die Soldaten bei „Anakonda 2016“ im Nordwesten Polens. Bilderstrecke

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