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Großbritannien : Labours Probleme

Labour-Chef Ed Miliband – drei Viertel aller Briten halten nichts von ihm Bild: Reuters

Die größte britische Oppositionspartei leidet unter dem Phänomen Ukip – aber mindestens ebenso unter ihrem Vorsitzenden. Ed Miliband wirkt nicht volksnah, sondern wie ein Schauspieler, und er lässt wichtige Themen aus.

          3 Min.

          Ed Milibands Schicksal hing an 617 Stimmen. So viele trennten die Labour Party bei der Nachwahl im Großraum Manchester von der Britischen Unabhängigkeitspartei Ukip. Hätte die Labour Party in der vergangenen Woche ihren traditionellen Unterhaussitz „Heywood and Middleton“ an die Rechtspopulisten verloren, wäre das Grummeln gegen Parteichef Miliband wohl in eine Rebellion umgeschlagen. Anders gesagt, oder in den Worten des früheren Labour-Ministers Brian Wilson: Die Labour Party könnte den Sieg in Manchester noch bereuen, weil sie nun unwiderruflich mit Miliband in die Wahlen ziehen muss.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Die Nachwahl in Heywood and Middleton zeigt zweierlei: Die Labour Party hat ein Problem mit der Ukip, und sie hat eines mit ihrem Vorsitzenden. Ähnliches ließe sich auch über die regierenden Konservativen sagen, aber bei Labour sind die Dinge verzwickter. Anders als bei den Tories wird bei Labour das Phänomen Ukip verdrängt; man tut, als ginge die Partei einen nichts an. Und im Gegensatz zu David Cameron zieht Miliband seine eigene Partei nach unten: In allen Umfragen ist der Vorsitzende unbeliebter als die Labour Party selbst.

          Beliebt wie ein IS-Dschihadist

          Rod Liddle, der sarkastische Kolumnist des „Spectator“, verglich die Popularität des Labour-Chefs kürzlich mit der eines IS-Dschihadisten oder des verstorbenen Kinderschänders Jimmy Savile. Milibands Wert liegt bei „minus 26“. Übersetzt heißt das, dass drei Viertel aller Briten nichts von ihm halten. Der letzte Oppositionschef, der derart miserable Werte aufzuweisen hatte, war Michael Foot, der die Labour Party im Jahr 1983 in eine krachende Wahlniederlage führte.

          Ausgerechnet seine Grundsatzrede auf dem letzten Parteitag vor der Wahl machte Miliband abermals zum Gespött. Mit Überraschung nahm das Publikum zur Kenntnis, dass der Oppositionschef jene beiden Themen ausgelassen hatte, die gemeinhin als wahlentscheidend gelten: die wachsende Einwanderung und die nur langsam sinkenden Staatsschulden. „Vergessen“ habe er die Punkte, sagten seine Berater und warben um Verständnis, weil Miliband die Rede nicht abgelesen, sondern (fast vollständig) auswendig gelernt habe.

          Ebendies beschreibt den Kummer, den die Labour Party mit ihrem Vorsitzenden hat. In seinem Bemühen, als authentisch und volksnah wahrgenommen zu werden, scheitert er zuverlässig. „Natürlich“ soll es klingen, wenn er aus dem Kopf zitiert und nicht vom Teleprompter abliest. Doch bei Miliband gerät dies zu einer künstlich wirkenden Schauspielerdarbietung, die die Distanz noch vergrößert. Gründlich misslang ihm im Sommer auch eine kulinarische Verbrüderungsgeste mit dem einfachen Volk. So ungeschickt verzehrte Miliband einen Hamburger, dass das halbe Land darüber lachte.

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