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Parlamentswahl in Griechenland : Vorsicht, zerbrechlich!

Wirklich zuversichtlich? Alexis Tsipras am Samstag mit Syriza-Anhängern in einem Athener Cafe Bild: AFP

Schon vor der Wahl in Griechenland zeichnet sich eine Koalition als sehr wahrscheinlich ab. Wenn Alexis Tsipras Pech hat, wird er wieder Regierungschef - seiner Partei drohen neue Zerreißproben.

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          Nur 38 Sekunden benötigt der originellste Wahlwerbespot der griechischen Parlamentswahl, um eine Geschichte zu erzählen: Eine Straße, Taxis. Jemand am Straßenrand winkt. Ein Taxi hält, eine Hand in Großaufnahme öffnet die Autotür, der Fahrgast steigt ein. „Wo geht’s hin?“, fragt der Fahrer gelangweilt. Der Gast: „Zur Münzprägeanstalt.“ Der Fahrer dreht sich um, erkennt seinen Gast, erschreckt. Der Gast lächelt verschmitzt. Aus. Mehr ist nicht nötig, jeder Grieche hat die Geschichte verstanden. Der Fahrgast ist nämlich Panagiotis Lafazanis, der neue Führer der griechischen Linksradikalen, der sich mit einigen Getreuen im Sommer von dem „Bündnis der radikalen Linken“ (Syriza) und dessen Chef Alexis Tsipras abgespalten hat.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Lafazanis wirbt dafür, dass Griechenland aus der Eurozone austreten und die Drachme wieder einführen soll, was er im Abspann des Wahlclips auch sagt: „Hört nicht auf ihr Geschrei. Wir haben eine Lösung ohne Sparauflagen. Erfahrt mehr darüber.“ Mit seinem Streiten wider die Reformauflagen der Geldgeber Griechenlands haben Lafazanis und seine neue Partei, die „Laiki Enotita“ (Volkseinheit), die Rolle übernommen, die bis vor kurzem noch Tsipras und Syriza spielten – mit einem gravierenden Unterschied: Tsipras hat stets darauf beharrt, dass Griechenland die Sparauflagen der Geldgeber zwar ablehnen könne, dabei aber in der Eurozone bleiben müsse, weil andernfalls der Wohlstand des Landes nicht zu halten sei.

          Lafazanis gehörte zu jenen griechischen Linken, die schon früh davor warnten, dass beides zugleich nicht zu haben sei. Wer die Auflagen ablehne, könne nicht in der Eurozone bleiben. Nun versucht Lafazanis, seinen Landsleuten die Angst vor der Drachme zu nehmen. Eine Rückkehr zu einer eigenen Währung sei „keine Katastrophe“, sie sei vielmehr so einfach, „wie ein Glas Wasser zu trinken“, sagte er unlängst. Einige bekannte Namen sind Lafazanis gefolgt, an der Spitze die ehemalige Parlamentssprecherin Zoi Konstantopoulou sowie der unverwüstliche Widerstandskämpfer aus der NS-Besatzungszeit Manolis Glezos, nicht aber der frühere Finanzminister Giannis Varoufakis, der sich selbst Partei genug ist. Die „Volkseinheit“ hat eine einfache Rechnung aufgemacht: Bei dem Referendum am 5. Juli haben mehr als 60 Prozent der Griechen „Oxi“ (nein) zu weiteren Sparauflagen gesagt – aus diesem Reservoir will Lafazanis schöpfen.

          „Drachme nicht mehrheitsfähig in Griechenland“

          Doch das scheint eine Rechnung ohne das Volk zu sein. Galt es im August noch als sicher, dass Lafazanis’ Drachmenfraktion ins Parlament einziehen wird, mehrten sich in den letzten Tagen vor der griechischen Parlamentswahl an diesem Sonntag die Anzeichen dafür, dass es am Ende zumindest sehr knapp werden könnte mit dem Sprung über die Dreiprozenthürde. „Am Ende könnte die Volkseinheit ganz nahe an der Dreiprozenthürde liegen. Ich schließe nicht völlig aus, dass sie sogar daran scheitern könnte“, sagt Tassos Georgiadis, einer der führenden Demoskopen Griechenlands, in einem Gespräch mit der F.A.Z. Es ist nämlich keinesfalls so, dass jene Wähler, die im Januar für Syriza und bei dem Referendum im Juli mit Nein gestimmt haben, nun in Scharen zu Lafazanis überliefen. „Das ist eine weitere Bestätigung dafür, dass die Option Drachme nicht mehrheitsfähig ist in Griechenland“, sagt Georgiadis. Dabei spielen die Ereignisse vom Juli – Bankenschließungen, teilweise verödete Geldautomaten sowie die Einführung von (bis heute andauernden) Kapitalverkehrskontrollen eine wesentliche Rolle.

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