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Linksruck in Südeuropa : Spaniens Linke hoffen auf Griechenland

  • -Aktualisiert am

„Der mit dem Zopf“: Podemos-Generalsekretär Pablo Iglesias Bild: AFP

Spanien schaut gebannt auf die Parlamentswahl in Griechenland. Denn ein Sieg Syrizas dürfte das Schicksal der spanischen Linkspartei Podemos beeinflussen.

          Podemos ist so etwas wie Spaniens Syriza. Und so ist es nicht überraschend, dass die Führer beider Parteien, der 40 Jahre alte Grieche Alexis Tsipras und der 36 Jahre alte gebürtige Madrilene Pablo Iglesias, sich prächtig verstehen. Als beide Politiker sich im November aus Anlass der Wahl von Iglesias zum Generalsekretär von Podemos (Wir können es) zum ersten Mal in Spanien zu einem demonstrativen Schulterschluss zusammenfanden, rief „Coletas“ (Der mit dem Zopf) mit programmatischer Begeisterung aus: „2015 wird das Jahr des Wandels in Spanien und in Europa. Wir werden in Griechenland anfangen.“

          Je nach Standpunkt blicken die spanischen Spitzenpolitiker der vorgezogenen Parlamentswahl in Griechenland am 25. Januar als Generalprobe für Spanien mit Sorge oder Vorfreude entgegen. Ministerpräsident Mariano Rajoy, der nach vier Regierungsjahren im Herbst – voraussichtlich im November – bei den nächsten Parlamentswahlen wieder als Kandidat antreten will, zeigt sich nicht nur durch die sich allmählich bessernden Arbeitslosenzahlen ermutigt. Er setzt vielmehr auch darauf, dass ein eventueller Erfolg von Tsipras in Griechenland mit all den damit verbundenen Turbulenzen die Spanier hinreichend von einer Wahl seines iberischen Zwillings Iglesias abschrecken werde.

          Der junge Politikprofessor, der sich auch in seinem Direktorium vorwiegend mit Politologen und anderen Sozialwissenschaftlern umgeben hat, fürchtet sich freilich nicht. Mit seiner linkspopulistischen Gruppierung, die der Bewegung der „Empörten“ entwachsen ist und sich erst im vorigen Januar zu einer Partei formierte, hat er die politische Landschaft des Landes schon in aufsehenerregender Weise umgepflügt.

          Die Europawahlen im vergangenen Mai trugen Podemos acht Prozent und fünf Abgeordnete in Straßburg, darunter Generalsekretär Iglesias, ein. Bei der jüngsten nationalen Umfrage des Instituts Metroscopia, die am Sonntag von der Zeitung „El País“ veröffentlicht wurde, lag Podemos in der Wählergunst mit rund 28 Prozent schon an erster Stelle, vier Prozentpunkte vor den oppositionellen Sozialisten und sogar neun Prozentpunkte vor der regierenden konservativen Volkspartei Rajoys.

          Anti-Merkel, Anti-Troika und Anti-Austerität

          Die relative Gelassenheit des Ministerpräsidenten gründet sich einstweilen nicht nur auf die Erwartung, dass 2015 eine für die große Mehrheit der Bürger spürbare wirtschaftliche Erholung bringt, sondern auch darauf, dass sich der Machtkampf zwischen Podemos und den übrigen Parteien im linken Parteienspektrum abspielt. Denn den meisten Zulauf hat die neue Kraft aus den Reihen der Sozialisten und der grünen Kommunisten von Izquierda Unida (Vereinigte Linke). Während die Sozialisten unter der neuen Führung von Pedro Sánchez Iglesias schon schüchterne Koalitionsbereitschaft signalisieren, versuchen die orthodoxen kommunistischen Rivalen sich noch mit zunehmender Hilflosigkeit als die wahre spanische Syriza auszugeben.

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