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Anschlag in Paris : Mutmaßliche Attentäter waren der Polizei bekannt

  • Aktualisiert am

In höchster Alarmbereitschaft: Soldat an einem Bahnhof in Paris Bild: AFP

Frankreich trauert - und immer mehr Details über die beiden Verdächtigen Chérif und Said K. werden bekannt. Sie sollen schon vor Jahren im Visier der französischen Ermittler gewesen sein. Der jüngere der beiden Brüder war 2008 sogar zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

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          Im Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ vom Mittwoch hat die Polizei am Donnerstagmorgen mehrere Verdächtige festgenommen. Es ist noch unklar, um wen es sich genau handelt; Medienberichten nach sollen es Angehörige und Freunde der gesuchten Verdächtigen Brüder Chérif (32) und Said K.(34) sein. Beide Franzosen sind polizeibekannt.

          Der jüngere der beiden Brüder hat nach Berichten französischer Medien bereits ein Vorleben als Islamist. Er wurde 1982 in Paris geboren. Er soll Teil einer nach dem städtischen Park „Buttes-Chaumon“ genannten Verbindung gewesen sein, die in Frankreich Dschihadisten für den Kampf im Irak angeheuert haben soll. Kurz bevor er sich absetzen konnte, war er verhaftet und 2008 zu drei Jahren Haft verurteilt worden, von denen 18 Monate zur Bewährung ausgesetzt wurden. Zwei Jahre später wurde sein Name im Zusammenhang mit einem Befreiungsversuch eines inhaftierten Mitglieds einer islamistischen Gruppe genannt.

          Brüder wurden überwacht

          Auch der ältere Bruder ist als französischer Staatsbürger im zehnten Arrondissement von Paris geboren. Im Zusammenhang mit den Aktivitäten seines jüngeren Bruders soll auch Said K. 2010 im Visier der Ermittler gewesen sein. Dabei hätten sich jedoch keine Erkenntnisse ergeben. Der 18 Jahre alte Schwager der Hauptverdächtigen, der sich am Mittwochabend gestellt hatte, soll seine Unschuld beteuern.

          Die beiden Gesuchten wurden nach Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve überwacht. Dabei habe es allerdings keinerlei Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt und kein juristisches Verfahren gegen sie gegeben, sagte Cazeneuve am Donnerstag dem Sender Europe 1. „Wir treffen hundertprozentige Vorsichtsmaßnahmen, ein Null-Risiko gibt es aber nicht“, fügte Cazeneuve an. Die derzeitige Risikolage könne auch zu anderen Gewalttaten führen, warnte der Innenminister.

          Anschlag in Paris : Fahndung nach Brüderpaar

          Gedenken am Donnerstagmittag

          In der Nacht zum Donnerstag gab es in mehreren Gemeinden Frankreichs Attacken auf muslimische Einrichtungen. Eine Moschee im nordwestfranzösischen Mans sowie ein muslimischer Gebetsraum im südfranzösischen Port-la-Nouvelle seien in der Nacht beschossen worden, teilten am Donnerstag die zuständigen Staatsanwaltschaften mit. Verletzt wurde demnach niemand.

          Am Morgen kam es dann im Süden von Paris zu einer Schießerei, bei der zwei Polizisten verletzt wurden. Ein Mann mit einer schusssicheren Weste und einem Schnellfeuergewehr habe um 8.19 Uhr das Feuer auf Polizisten eröffnet, teilte die Polizei mit. Der Angreifer sei festgenommen worden. Jüngsten Berichten nach bestand keine Verbindung mit dem Anschlag auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“. Bei dem Anschlag am Mittwoch waren im Stadtzentrum von Paris zwei Männer mit Kalaschnikows in die Redaktionsräume gestürmt. Sie töteten dort und auf ihrer Flucht insgesamt zwölf Personen. Die Verdächtigen wurden am Donnerstag weiter gesucht. In ganz Frankreich lief eine Großfahndung.

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