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Papst der 68er-Generation : Seligsprechung von Paul VI. angeblich noch dieses Jahr

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Papst Paul VI. während des Eucharistischen Weltkongresses in Bogotá 1968 Bild: dpa

Nach der Heiligsprechung zweier Päpste wird im Oktober womöglich Paul VI. selig gesprochen. In den sechziger Jahren hatte er die Anti-Baby-Pille verdammt.

          Nach inoffiziellen Meldungen aus dem Vatikan soll noch im Oktober Papst Paul VI. selig gesprochen werden. Schon vor einigen Wochen hatte das religiöse Wochenmagazin „Credere“ berichtet, bei der nächsten Sitzung der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen würden die Kardinäle den Bericht einer Ärztekommission annehmen, wonach der Papst das für eine Seligsprechung nötige Wunder vollbracht habe. Am Montag fand nun diese Sitzung der Kongregation statt.

          Als Datum für die Seligsprechung wird der 19. Oktober genannt, an dem die Bischofssynode zur Familie zu Ende geht. Noch steht aber die Genehmigung durch Papst Franziskus und danach die offizielle Bekanntgabe des päpstlichen Dekrets durch den Pressesaal des Vatikans aus. Erst am vergangenen „Sonntag der Barmherzigkeit“ vor zehn Tagen waren die beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. heiliggesprochen worden.

          Ein Wunder ist geschehen

          Giovanni Battista Montini war der Nachfolger von Johannes XXIII. und führte die katholische Kirche von 1963 bis zu seinem Tod 1978. Er setzte das Zweite Vatikanische Konzil fort und begann auch mit der Umsetzung seiner Beschlüsse. 1970 überlebte er auf dem Flughafen der philippinischen Hauptstadt Manila ein Attentat. Paul VI. lag vor allem die Ökumene, der Dialog mit anderen christlichen Glaubensgemeinschaften, am Herzen. Mit der Enzyklika „Humanae Vitae“ reagierte der Papst Ende der sechziger Jahre auf die Anti-Baby-Pille und verbot jegliche Form der künstlichen Geburtenkontrolle, auch wenn Pille und Kondom nicht ausdrücklich erwähnt wurden.

          Papst Franziskus fühlt sich Paul VI. in besonderer Weise verbunden. Sein erstes Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium zur Freude über das Evangelium im vergangenen November wies auf ein entsprechendes Schreiben von Paul VI. zurück, der schon 1975 mit Evangelii nuntiandi auf die Bedeutung der Erneuerung der Kirche durch eine Rückbesinnung auf das Evangelium aufmerksam gemacht hatte. Auch Paul VI. wollte zurück zur „apostolischen Einfachheit und Schlichtheit“, wie jetzt der frühere deutsche Kurienkardinal Walter Kasper in einem Vortrag feststellte. Damit setze Franziskus freilich auch das Programm der „Entweltlichung“ der Kirche um, wie es von Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch im Herbst 2011gefordert worden war, sagte Kasper.

          1993 hatte die Kirche das kanonische Seligsprechungsverfahren für Paul VI. eingeleitet. Nachdem in seiner Heimatdiözese im norditalienischen Brescia sein besonders tugendhaftes Verhalten bestätigt und der Ruf der Heiligkeit festgestellt worden war, hatte sich der Vatikan mit Paul VI. befasst. Die Ärzte erklärten nun offenbar auch die Heilung eines noch ungeborenen Kindes von einer eigentlich unheilbaren Krankheit als „medizinisch nicht erklärbar“. Die Familie des Kindes soll den Seligen bei Gott um Fürbitte für das Baby gebeten haben. Für die Seligsprechung bedarf es eines Wunders. Der Selige wird hernach zunächst nur in seiner Heimat verehrt. Erst mit der Heiligsprechung würde Paul VI. für alle Christen weltweit zum Fürbitter bei Gott.

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