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Verhütung : Papst: Katholiken müssen sich nicht „wie Karnickel“ vermehren

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Nach katholischer Lehre sind künstliche Verhütungsmittel verboten. Ob das dauerhaft so bleibt? Auf dem Rückflug von den Philippinen sagte der Papst, Katholiken müssten sich nicht unkontrolliert fortpflanzen.

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          Katholisch zu sein bedeutet nach Meinung von Papst Franziskus nicht, sich unkontrolliert fortzupflanzen. „Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, um gute Katholiken zu sein, müssen wir sein wie Karnickel“, sagte der Papst mit Bezug auf das Verbot von Verhütungsmitteln in der katholischen Kirche auf dem Rückflug von den Philippinen am Montag nach seinem Besuch in Manila. Es gelte vielmehr das Prinzip der „verantwortungsbewussten Elternschaft“.

          Eltern könnten die Zahl ihrer Kinder planen, erklärte der Papst. Es gebe viele von der Kirche erlaubte Methoden, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa das 78 Jahre alte Oberhaupt der katholischen Kirche weiter. Franziskus betonte, dem Leben offen gegenüberzustehen, sei eine Voraussetzung für das Sakrament der Ehe.

          Die Zahl von drei Kindern pro Familie sei jene, „die Experten für den Erhalt der Bevölkerung als wichtig ansehen. Drei pro Paar, nicht wahr?“, sagte der Papst. „Wenn diese Zahl sinkt, kommt es zum anderen Extrem, das in Italien passiert. Wie ich gehört habe - ich weiß nicht, ob es stimmt -, gibt es dort 2024 nicht mehr das Geld, um die Pensionen auszuzahlen.“

          Nach der katholischen Lehre sind künstliche Verhütungsmittel wie Pille oder Kondom verboten. Viele Gläubige halten dies allerdings für veraltet. Auf einer Familiensynode in diesem Herbst soll das Thema Sexualität eine zentrale Rolle spielen.

          Korruption ist auch eine Plage der Kirche

          Auf dem Rückflug von den Philippinen zurück in den Vatikan äußerte sich Franziskus zudem zu anderen wichtigen gesellschaftlichen Themen. So halte er beispielsweise Korruption auch für eine Plage der Kirche. Er erinnere sich an derartige Fälle aus seiner Zeit als Bischof in Argentinien. Wo das Angebot groß genug sei, werde „selbst der Heilige auf die Probe gestellt“, sagte Franziskus. So seien damals zwei Männer auf ihn zugekommen und hätten ihm umgerechnet 40.000 Dollar für die Armen angeboten - sofern sie die Hälfte davon persönlich zurückbekämen. Franziskus erklärte, er habe abgelehnt und nie wieder etwas von den Männern gehört.

          Außerdem erklärte Franziskus, dass eine Messe mit Opfern der Taifun-Katastrophe in der Stadt Tacloban im Jahr 2013 der bewegendste Moment seiner Reise war. Die Stadt auf der Insel Leyte war von dem Sturm besonders stark betroffen. Von den 6300 Menschen, die nach offiziellen Angaben landesweit ums Leben kamen, starben allein in Tacloban fast 2500 Menschen. „Das ganze Volk dort zu sehen, betend nach dieser Katastrophe, an meine Sünden zu denken und an diese Menschen - das war ein sehr starker Moment“, bekannte der Papst.

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