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Besuch in Sarajevo : Papst: Eine Art dritter Weltkrieg ist im Gange

  • -Aktualisiert am

Zur Messe mit dem Papst im Koševo-Stadion in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, kamen am Samstag mehr als 60.000 Menschen. Bild: AP

Bei seinem Besuch in Sarajevo hat Papst Franziskus zum 20. Jahrestag des Dayton-Abkommens zur Versöhnung aufgerufen. Zugleich beklagte er ein „Klima des Krieges“, das weltweit geschürt werde.

          Bei seinem eintägigen Besuch am Samstag in Sarajevo, der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas, hat Papst Franziskus in einer Predigt die etwa 60.000 Gläubigen im Koševo-Stadion dazu aufgerufen, „Arbeiter des Friedens“ zu sein. Frieden könne man nämlich nicht herbeireden, womöglich gar scheinheilig oder lügnerisch. „Frieden herzustellen ist eine handwerkliche Tätigkeit, die Leidenschaft, Geduld, Erfahrung und Ausdauer erfordert. Selig sind die, die Frieden säen mit ihren alltäglichen Taten, mit dienstbereitem Auftreten und Handeln“, sagte der Papst als „Pilger des Friedens und des Dialogs“ bei seiner achten Auslandsreise, die ihn zum 20. Jahrestag des Dayton-Abkommens in die weiter durch ethnische Spannungen gezeichnete Region führt.

          Gottes Plan für den Frieden auf der Welt kollidiere immer wieder mit dem Bösen. Es gebe „eine Art dritten Weltkrieg, der stückweise geführt wird“; auch bei der „globalen Kommunikation nimmt man ein Klima des Krieges wahr“, sagte der Papst, gäbe es doch jene, die „den Zusammenstoß zwischen verschiedenen Kulturen und Zivilisationen suchen und die, die mit den Kriegen spekulieren, um Waffen zu verkaufen“. Doch Krieg bedeute Flucht, Vertreibung und zerbrochene Leben.

          Papst Franziskus würdigte Sarajevo 20 Jahre nach dem Ende des Bosnien-Kriegs als „Ort des Dialogs und friedlichen Zusammenlebens“ zwischen Religionen und Kulturen.

          Zuvor hatte Franziskus die staatliche Obrigkeit aufgerufen, in Dialog und Eintracht gegen diese Kriegstreiber aufzustehen, damit die schweren Wunden der Vergangenheit heilen können. Einheit in Vielfalt sei keine Utopie. Um sich erfolgreich der Barbarei derer entgegenzustellen, die jeden Unterschied zum Anlass und Vorwand für immer grausamere Gewalt nehmen möchten, sei es nötig, „dass wir alle die Grundwerte des gemeinsamen Menschseins anerkennen“. Die politischen Verantwortungsträger seien berufen, „die ersten Diener ihrer Gemeinschaften zu sein, und zwar durch ein Handeln, das vor allem die Grundrechte des Menschen wahrt, unter denen jenes der Religionsfreiheit hervorragt“.

          Der Ausgleich in Bosnien-Herzegowina und Sarajewo sei als Beispiel von Bedeutung für die gesamte Welt; diese Stadt sei als „Jerusalem Europas“ Kreuzungspunkt der Kulturen, Nationen und Religionen, wo Moscheen, Kirchen und Synagogen beieinander stehen. In so einer Stadt und in so einem Land müssten „immer neue Brücken gebaut und die bestehenden gepflegt werden“.

          Für Bosnien-Herzegowina ist dies der dritte Papstbesuch seit dem Krieg: 1997 besuchte Johannes Paul II. das zerstörte Sarajevo und 2003 Banja Luka, die von ethnischen Säuberungen besonders betroffene Hauptstadt der bosnischen Serben-Republik Republika Srpska. In Vorbereitung der Reise hatte Franziskus gesagt, für ihn zählten die Massenvernichtungen in Bosnien zwischen 1991 und 1995 neben dem Armenier-Genozid, den stalinistischen Morden und dem Genozid in Ruanda zu den dunkelsten Kapiteln des vergangenen Jahrhunderts. In Sarajevo starben während der 44 Monate dauernden Belagerung durch serbische Truppen etwa 12.000 Menschen, insgesamt wurden im Land 100.000 zivile Opfer gezählt.

          Eine Gruppe von Nonnen im Koševo-Stadion, wo Papst Franziskus eine Messe feierte.

          Seit dem Abkommen von Dayton 1995 ist Bosnien in die Muslimisch-Kroatische Föderation und die Serbische Republik Srpska mit einer mehrheitlich christlich-orthodoxen Bevölkerung aufgeteilt. Etwa 40 Prozent der Einwohner Bosnien-Herzegowinas sind Muslime, rund 30 Prozent gehören der serbisch-orthodoxen Kirche an und zehn Prozent, die meisten von ihnen Kroaten, sind Katholiken. Am Abend wollte Franziskus vor seinem Rückflug bei einem Treffen mit Jugendlichen die junge Generation auffordern, nicht zu emigrieren, sondern zu bleiben und auf eine Zukunft zu setzen, die ein würdiges Leben ermöglicht.

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