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Olympische Kollateralschäden : Es bleiben Wasser, Staub und Müll

Großbaustelle: Arbeiter im Olympischen Dorf bei Sotschi im Dezember Bild: imago

Das IOC spricht von Fortschritten in den von den olympischen Bauarbeiten, Bahntrassen und neuen Schnellstraßen geplagten Dörfern in der Region Sotschi. Die Bewohner selbst aber leiden noch unter den Folgen.

          Das Internationale Olympische Komitee weiß nicht nur aus den Medien, wie bei der Vorbereitung der Olympischen Spiele in Sotschi die Rechte von Einwohnern der Stadt verletzt wurden, unter welchen Bedingungen Arbeiter auf den Baustellen der Stadt untergebracht waren und mit welchen Methoden ihnen ihre Löhne vorenthalten wurden. Im September vergangenen Jahres brachte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zwei ranghohe IOC-Vertreter zu einigen der vielen Orte in der Stadt, an denen die Organisatoren der Spiele im Zusammenspiel mit staatlichen Behörden und Baufirmen Einwohnern Sotschis das Leben zur Hölle gemacht haben.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Bei einem Besuch im Büro der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ wurde den beiden Männern eine Liste mit den Namen von 704 Arbeitern übergeben, die ihren Lohn nicht erhalten haben. „Es hat eine Fülle von Problemen gegeben, aber man sollte auch zur Kenntnis nehmen, dass sich das IOC ihrer angenommen hat, soweit sie mit den Spielen zu tun hatten“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach Ende Januar in einem Interview mit der F.A.Z.. Die Folgen dieses Engagements sind allerdings überschaubar.

          Die Brunnen sind trockengefallen

          Bach erwähnte von sich aus Achschtyr, ein zehn Kilometer von den Eisstadien am Schwarzen Meer entferntes Dorf. Dessen Probleme haben unmittelbar mit den olympischen Bauarbeiten zu tun: Die Brunnen der Dorfbewohner sind trockengefallen, seit vor vier Jahren oberhalb des Dorfes deswegen zwei große Steinbrüche eingerichtet wurden. An eine Wasserleitung ist Achschtyr nicht angeschlossen. Schotter aus den Steinbrüchen wurde rund um die Uhr von schweren Lastwagen über die schmale Dorfstraße abtransportiert. Der von ihnen aufgewirbelte Staub legte sich dick auf alles im Ort, auch auf die Obstbäume der Einwohner.

          Der Dorfvorsitzende Aleksandr Koropow, der vom Verkauf seiner Früchte lebte, konnte deshalb seine Ernte zum letzten Mal vor vier Jahren verkaufen. Vergangenes Jahr schließlich wurde damit begonnen, einen der Steinbrüche als Müllkippe zu nutzen – illegal, wie die russische Naturschutzbehörde feststellte, ohne dass das Folgen gehabt hätte.

          Unmittelbar neben Achschtyr verläuft die Straße und Eisenbahnstrecke, die die Wettkampfstätten an der Küste mit denen in den Bergen verbindet. Als die Pfeiler dafür mit schwerem Gerät 24 Meter tief in das Bett des Flusses Msymta getrieben wurden, wackelte in Achschtyr die Erde – es gab Risse an Häusern. Einen Anschluss an die Straße hat das Dorf nicht erhalten, dafür wird er durch sie von dem Nachbarort auf der anderen Seite der Msymta abgeschnitten, in dem Schule, Ärzte und die nächsten Läden sind.

          An eine Kompensation ist nicht gedacht

          Fragt man das IOC nach der Lage in Achschtyr, hört man von Fortschritten: Für die Kinder gebe es nun einen Schulbus, die von den schweren Lastwagen völlig zerstörte Straße in das Dorf sei wiederhergestellt worden, die illegale Müllkippe sei gereinigt worden, und die Behörden arbeiteten an dem Problem mit dem Wasser. Das hat Sotschis Bürgermeister Anatolij Pachomow allerdings seit 2011 mehrmals versprochen, ohne dass etwas geschehen wäre. Über die Müllkippe berichten die Dorfbewohner, dass der Abfall einfach mit einer Erdschicht bedeckt worden sei.

          Dass sie künftig nicht mehr genutzt wird, glauben sie nicht, da sie erst vergangene Woche durch eine Straßenblockade verhindert haben, dass ein Müllwagen dorthin fuhr. Sie riefen die Polizei, die den Fall aber nicht zu Protokoll nehmen wollte – der Fahrer habe sich nur verfahren. Wäre das so, hätte er mehrere Kilometer flussabwärts eine Abzweigung genommen, die man leichter verpasst als findet, und wäre dann einer Straße gefolgt, die an keinen anderen Ort als Achschtyr führt.

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