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Gender Mainstreaming : Nun soll die Sprache die Geschlechtergerechtigkeit erzwingen

Siegeszug des Weiblichen: In Österreich wird auf den Geist hinter Wörtern geachtet, und in Dortmund könnte bald die Ampelfrau eingeführt werden Bild: dpa

Die Abschlussarbeit ist nicht geschlechtsneutral geschrieben? Das gibt Punktabzug! Auch in Österreich hält die so genannte geschlechtsensible Sprache Einzug. Doch es gibt Widerstand.

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          In Österreich tobt eine Debatte über die sprachliche Gleichberechtigung der Geschlechter. Während der Gebrauch der „gegenderten“ Sprache an öffentlichen Institutionen immer weiter um sich greift, zeigen sich auch Abwehrreaktionen gegen das sogenannte Binnen-I („einE KollegIn“) und die zahlreichen Schrägstriche („der/die Verfasser/in“). An manchen Hochschulen ist diese Art zu schreiben über die Studienordnungen vorgeschrieben. An der Fachhochschule des Berufsförderungsinstituts Wien können sogar bis zu zehn Prozent der erreichbaren Punkte abgezogen werden, wenn Bachelorkandidaten eine entsprechende Vorschrift nicht ausreichend befolgen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Sei ein Text gar nicht „gegendert“, werde er als „nicht approbierfähig“ zur Verbesserung zurückgegeben, erläutert die Sprecherin der Fachhochschule. Die „genderneutrale Sprache“ sei ein Formalkriterium, genauso wie die korrekte wissenschaftliche Zitierweise. Eine Generalklausel in einer Arbeit in dem Sinne, Bezeichnungen bezögen sich grundsätzlich auf beide Geschlechter, genügt nach Angaben der Sprecherin keinesfalls. Allerdings liege die Grenze für die Bestnote bei 88 von 100 Punkten, so dass eine ansonsten perfekte Arbeit immer noch ein „Sehr gut“ bekommen könne.

          Leitfaden für „gendersensible Sprache“

          Die Fachhochschule St. Pölten hat seit 2008 einen Leitfaden für „gendersensible Sprache“. Er ist verbindlich für alle schriftlichen Arbeiten und Publikationen in Lehre und Forschung, auch für jeden Postausgang. „Wenn praktikabel“, soll er in Lehrveranstaltungen sogar im mündlichen Vortrag angewendet werden. An den Pädagogischen Hochschulen, an denen der Lehrernachwuchs ausgebildet wird, gilt generell die Pflicht, Bachelorarbeiten „geschlechtergerecht“ zu formulieren.

          Die Sprecherin der Fachhochschule in Wien sagt: „Es geht uns nicht nur um das geschriebene Wort, sondern um die Einstellung dahinter.“ Genau diese Motivation ruft die Gegner des „gender mainstreaming“ auf den Plan. Vor kurzem hat der Gemeinderat von Wels, immerhin der achtgrößten Stadt des Landes, das Binnen-I aus dem behördlichen Schriftverkehr zu verbannen versucht. FPÖ und ÖVP setzten den Beschluss gegen rot-grünen Widerstand durch. Doch Bürgermeister Peter Koits von der SPÖ teilte schon mit, er könne keinem Stadtbediensteten vorschreiben, das Binnen-I wegzulassen.

          Breite Resonanz fand Ende Oktober die Entscheidung des nationalen Norminstituts „Austrian Standards“, den „geschlechtersensiblen Umgang mit Sprache“ anders als ursprünglich geplant doch nicht zu normen. Ein entsprechendes Projekt, das eine Art Leitfaden für Gesetze und andere behördliche Texte hätte formulieren sollen, wurde fallengelassen. Die Direktorin des Instituts, Elisabeth Stampfl-Blaha, sagte dazu: „Der Strauß an Positionen ist so groß, dass die Normung dafür nicht die richtige Vase ist.“

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