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Nikolić entschuldigt sich für Srebrenica : Rednerische Irrfahrten

Das Massaker: Szene aus einem Video der Anklagebehörde in Den Haag Bild: AP

Serbiens Präsident hat sich für das Massaker von Srebrenica entschuldigt. Niemand aber sollte sich wundern, wenn Nikolić vor anderem Publikum Äußerungen von sich gibt, die diesen rhetorischen Kniefall wieder aufheben.

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          Wenn Tomislav Nikolić den Mund auftut, zittern Serbiens Diplomaten. Der serbische Staatspräsident überrascht mit seinen Äußerungen immer wieder Freund und Feind. In diesem Sinne kann auch Nikolićs auf den ersten Blick spektakuläre Bitte um Vergebung für das Massaker von Srebrenica gesehen werden. Dass der ehemalige Führer der radikalen serbischen Nationalisten in einem Interview mit einem bosnischen Fernsehsender nun um Verzeihung für das „Verbrechen“ in Srebrenica gebeten hat, sogar „auf Knien“, ist bemerkenswert.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Aber niemand sollte sich wundern, wenn Nikolić in den kommenden Monaten vor anderem Publikum Äußerungen von sich gibt, die seinen rhetorischen Kniefall wieder aufheben. In der Welt des Tomislav Nikolić haben Worte nämlich eine fast beliebige Bedeutung. Es reicht, sich die vielen Skandale anzusehen, die Nikolić in seiner kurzen Amtszeit schon ausgelöst hat, um das zu verstehen. Erst im Mai 2012 wurde er überraschend ins Amt gewählt, als Nachfolger des in Serbien mittlerweile ziemlich isolierten Boris Tadić.

          Die Sammlung seiner rednerischen Irrfahrten dürfte aber bereits einen veritablen Ordner im serbischen Präsidialamt füllen. Nikolić sagt heute dieses, morgen jenes - und wirkt immer noch erstaunt, dass seine Aussagen oft für Ärger sorgen. Als könne er immer noch nicht verstehen, dass andere seine Sätze ernster nehmen als er selbst. Doch immerhin ist Nikolić, ein aus der serbischen Industriestadt Kragujevac stammender Politiker, der dort für das kommunale Bestattungswesen zuständig war und deshalb in Serbien „Grobar“ (Totengräber) genannt wird, Oberhaupt des größten Staates im westlichen Balkan.

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          Am Anfang der Erschütterungen stand ein ausführliches Interview, das Nikolić wenige Tage vor seinem Sieg im Stichentscheid der serbischen Präsidentenwahl der F.A.Z. gegeben hatte und das besonders in Kroatien für Empörung sorgte. Die Entrüstung entzündete sich an einer Aussage Nikolićs über die kroatische Donaustadt Vukovar, die 1991 von der serbischen Armee fast gänzlich zerstört und dann erobert worden war, woraufhin ihre nichtserbischen Einwohner vertrieben oder ermordet wurden. In der F.A.Z. bezeichnete Nikolić Vukovar als „serbische Stadt“ und sagte: „Dorthin haben Kroaten nicht zurückzukehren.“ Seine Aussage, dass „Großserbien“ ein alter Traum von ihm sei, der sich „leider“ nicht habe verwirklichen lassen, machte die Sache nicht besser. Alle führenden Politiker Kroatiens distanzierten sich von Nikolić. Der kroatische Staatspräsident Josipović, sein bosnischer Gegenpart Izetbegovic und andere führende Staatsmänner der Region blieben Nikolics Amtseinführung in Belgrad daraufhin fern.

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