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Niederlande : Das vergessende Dorf

  • -Aktualisiert am
Blick auf das Dorf „De Hogeweyk“ in Weesp bei Amsterdam. Hier leben 152 Menschen in 43 Wohnungen. Früher stand an dieser Stelle ein Plattenbau.

In der neuen Anlage ist es viel leichter, den dementen alten Leuten einen „normalen“ Alltag zu bieten und sie selbständig ihrer Wege gehen zu lassen. In „De Hogeweyk“ gibt es am „Boulevard“ einen Friseur, den die Bewohner besuchen können, ein Café, einen Reparaturdienst für Rollstühle und Rollatoren, einen Krankengymnasten und eine Hausarztpraxis. In das Restaurant gehen die Wohngruppen an manchen Wochentagen zum Mittagessen - nach Absprache mit den Angehörigen, denn das kostet etwas mehr als die Standardverpflegung. Für das Kochen in den Wohngruppen „kaufen“ die Bewohner die Zutaten im „Supermarkt“ von „De Hogeweyk“. Bestimmte Gemüsesorten bestellt man vor, alles andere ist vorhanden - sogar ein Feinkostregal mit indonesischen Spezialitäten. Dort bedienen sich vor allem jene Bewohner, die aus den früheren niederländischen Kolonien stammen. Auch Windeln, Putzmittel und Pflegeprodukte gibt es im Supermarkt. Statt zu bezahlen, buchen die Pflegekräfte ihren Einkauf auf eine Karte, der ihn der Wohngruppe zuordnet. „Früher hatten wir ein Lager, von dem aus die Materialien auf die Stationen gebracht wurden“, sagt Jannette Spiering. „Nun machen wir es anders herum: Die Patienten holen sich ab, was sie brauchen. Das ist nicht teurer, und es aktiviert sie: Man plant den Einkauf, zieht sich an, läuft einige Schritte, bekommt frische Luft, hat Abwechslung und soziale Kontakte. Solche Aufgaben gliedern den Tag.“ Wenn ein Bewohner etwas „einkauft“, das die Wohngruppe nicht benötigt, bringt es ein Pfleger diskret zurück.

Viele Ehrenamtliche

In einem Büro am „Boulevard“ können die Bewohner sich zu Ausflügen anmelden oder anmelden lassen; auch der Einsatz der mehr als 150 ehrenamtlichen Helfer wird dort organisiert. Für nachmittägliche Aktivitäten organisiert das Büro „Clubs“: So gibt es einen Künstlerclub, in dem gemeinsam gemalt wird, einen für klassische Musik, in dem man CDs oder echte Konzerte hört, ebenso einen für Volksmusik und Bingo. Der „Oranje-Club“ trifft sich, um mit Fähnchen, Hymne und orange gezuckertem Kuchen das Königshaus zu verehren. Man geht Wandern, Radfahren oder Schwimmen - so wie es die Kräfte der Senioren erlauben. Die Mitgliedschaft in einem Club gehört zum Standardpaket, weitere Mitgliedschaften kosten einen kleinen Aufpreis.

Zu den gemeinsamen Aktivitäten der Wohngruppen gehört es, den Haushalt zu führen. Jedes Haus hat eine Waschmaschine, die Wäsche wird absichtlich nicht in eine Großwäscherei gegeben. „Wäsche zu falten ist eine Tätigkeit, die viele Bewohner noch selbst erledigen können. Wir wollen ihnen das nicht abnehmen, denn jede sinnvolle Beschäftigung erhält die Lebenskraft“, sagt die Leiterin. Das Gleiche gilt für das Gemüseputzen oder für leichte Gartenarbeiten.

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