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Nicolas Sarkozy : Zurück auf die Bühne

Wieder da: Nicolas Sarkozy bei einer Wahlkampfveranstaltung Bild: AP

In Paris verdichten sich Gerüchte über eine Rückkehr des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy in die Politik. Angeblich will er die Bundeskanzlerin treffen.

          3 Min.

          Vom politischen Stadtplan von Paris ist die Rue de Miromesnil, Hausnummer 77, nicht mehr wegzudenken. Hier liegt, nur einen kurzen Fußmarsch vom Elysée-Palast entfernt, das Büro Nicolas Sarkozys. Innerhalb kürzester Zeit hat sich die Pariser Studierstube des früheren Präsidenten zum eigentlichen Lagezentrum der Opposition entwickelt. Längst schon wird in der Rue de Miromesnil die Revanche gegen François Hollande vorbereitet. Mit seinen neuen unternehmerfreundlichen Tönen und seinem Werben um die Bundeskanzlerin hat der sozialistische Präsident seinen Vorgänger vollends aus der Reserve gelockt.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Noch bevor der Sozialist an diesem Mittwoch im Elysée-Palast den Stimmungswechsel in der deutsch-französischen Beziehung loben kann, macht Sarkozy ihm den Platz an der Seite von Angela Merkel streitig. Er werde sich schon bald mit der Bundeskanzlerin treffen, ließ Sarkozy über seine Pressekontakte durchsickern. „Nicolas Sarkozy hat ein Rendezvous mit Angela Merkel“, meldete die seriöse Wirtschaftszeitung „Les Echos“. „Le Parisien“ hatte zuvor schon über das Paar „Merkozy“ berichtet, das endlich wieder zusammenfinde. Französische Journalisten mutmaßten sofort, Angela Merkel habe nach der Pressekonferenz mit François Hollande und vor einem Auftritt vor der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris einen geheimen Abstecher in die Rue de Miromesnil geplant. Das trifft nicht zu, doch bereitet Sarkozy eine Berlin-Reise vor.

          Ein wichtiges Signal an die Franzosen

          Zum ersten Mal seit seiner knappen Niederlage bei den Präsidentenwahlen im Mai 2012 will er sich in einer eminent politischen Rede mit dem Arbeitstitel „zu Frankreich, Deutschland und Europa“ an ein ausgewähltes Publikum wenden. Der frühere Präsident wird der Festredner des Europa-Forums „Wir sind zu unserem Glück vereint“ der Konrad-Adenauer-Stiftung am 28. Februar in der deutschen Hauptstadt sein. Der frühere Präsident folgt damit einer Einladung des früheren Präsidenten des Europäischen Parlaments Hans-Gert Pöttering, dem er weiterhin sehr verbunden ist. Innenpolitisch bildet die Europa-Rede ein wichtiges Signal an die Franzosen: Sarkozy will dem gerade von seinem europapolitischen Konfrontationskurs abgekehrten Hollande die europäische Bühne nicht länger allein überlassen. Die Rolle des rüstigen Politrentners konnte er ertragen, solange Hollande als Garant einer deutsch-französischen Eiszeit wirkte. Das Tauwetter jedoch hat Sarkozys Tatendrang geweckt. Zugleich will der ehemalige Präsident seine parteiinternen Rivalen wie seinen außenpolitisch wenig erfahrenen früheren Premierminister François Fillon, aber auch Parteichef Jean-François Copé in ihre Grenzen weisen. Dem Empfang Copés am 11. Februar durch die Bundeskanzlerin in Berlin, so war aus der Rue de Miromesnil zu hören, konnte Sarkozy nichts abgewinnen. Weitere außenpolitische Reden des 59 Jahre alten ehemaligen Präsidenten sind in London und in Amerika geplant.

          Auch daheim scheut sich Sarkozy nicht länger, sich als Rückkehrer feiern zu lassen. Kürzlich tauchte er bei einer Wahlkampfkundgebung der UMP-Bürgermeisterkandidatin für Paris Nathalie Kosciusko-Morizet auf und nahm minutenlang stehende Ovationen entgegen. Die Konzerte seiner Frau Carla Bruni, die gerade durch Frankreich tourt, sind ihm eine willkommene Gelegenheit, seine wachsende Beliebtheit auszukosten. Denn längst ist Sarkozy von neuem der populärste Politiker der rechtsbürgerlichen Opposition. Zuletzt erhielt er brausenden Applaus, als er – am Valentinstag – in den Konzertsaal in Cannes einzog. Die Sängerin der „Little french songs“ gefällt der Trubel: „Er ist mein Mann. Ich werde ihm nicht sagen, dass er zu Hause bleiben soll. Ich singe schließlich auch für ihn.“

          Führende Sozialisten aber fühlen sich durch die beschleunigte Rückkehr Sarkozys bedrängt. Der sozialistische Parteivorsitzende Harlem Désir schimpfte, die Franzosen hätten „nichts vergessen“, weder die miserable Wirtschaftsbilanz noch die Millionen Arbeitslosen, die Sarkozy hinterlassen habe. „Er sollte sich keine Illusionen machen“, sagte Désir, „es gibt keine Sarkozy-Nostalgie.“ Industrieminister Arnaud Montebourg bekundete, das Comeback Sarkozys sei ihm „gleichgültig“, erinnerte aber zugleich an die „ungeheuerliche“ Schuldenlast, die eine Katastrophe für Frankreich darstelle. „Ich habe nur eine Frage an Monsieur Sarkozy“, sagte der Minister. „Wie sollen wir die Schulden loswerden, die Sie uns hinterlassen haben?“

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