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Nato-Manöver in Spanien : Im Zeichen des Dreizacks

Im fiktiven Einsatz: Hubschrauber während der Nato-Übung Bild: dpa

Weit weg von Russland veranstaltet die Nato ihre größte Übung seit einem Jahrzehnt. Dem Schatten des russischen Vorgehens auf der Krim kann sie sich damit nicht entziehen.

          Die Nato ist mit ihrer größten Militärübung seit einem Jahrzehnt bewusst nach Süden gezogen. Weg vom russischen Aggressions-Szenario in Osteuropa, welches die strategische Umorientierung der Allianz in den vergangenen beiden Jahren bestimmt. „Trident Juncture“, das Manöver „Verbundener Dreizack“, sollte mehr werden als eine Demonstration militärischer Gegenmacht gegenüber dem Machtpolitiker Wladimir Putin. Es ist ausdrücklich nicht als „Bündnisfall“, also als Verteidigung des eigenen Nato-Territoriums, angelegt, sondern als ein internationaler Kriseneinsatz. Die Nato tritt im fiktiven Konflikt zwischen dem aggressiven Staat Kamon, dem – wegen seines Wasserreichtums überfallenen – Opferland Lakuta und dem instabilen Nachbarstaat Tyran in der Rolle eines stabilisierenden Schiedsrichters auf.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          „Es soll ein Grenzkonflikt beendet werden, bevor sich dieser auf die gesamte Region ausweitet“, heißt es im Drehbuch der Übung. Das Szenario stellt dem kooperationsunwilligen Aggressor ein überraschtes Opfer gegenüber, es fallen Begriffe wie „Verletzungen der territorialen Integrität“, wie „komplexe hybride Bedrohung“ oder „Verschlechterung der humanitären Lage“ – also doch Elemente, die auch im Osten der Ukraine kürzlich erst Entsprechungen in der Wirklichkeit hatten?

          Der Schatten der aktuellen russischen Expansionspolitik fällt jedenfalls auch auf das Großmanöver. Schon weil den russischen Beobachtern besonderes Interesse gilt. Da gibt es die offiziell Eingeladenen, welche die Übung nach den geltenden OSZE-Regeln verfolgen dürfen: Das sogenannte Wiener Dokument der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung schreibt West und Ost die gegenseitige Information über militärische Übungen und die Bedingungen gegenseitiger Beobachtungsbesuche vor. In gemischten OSZE-Gruppen konnten daher auch russische Offiziere auf den Übungsplätzen in Italien und Spanien erscheinen.

          Und dann gibt es auch inoffizielle Beobachter. Der deutsche Vier-Sterne-General Hans-Lothar Domröse, der mit seinem Nato-Stab die Großübung führt, berichtet von einem russischen U-Boot, das neugierig in der Nähe der übenden Nato-Kriegsschiffe aufgetaucht sei: „Das ist dann aber offenbar gleich kaputtgegangen“, sagt er; es sei mit Mühe zurück in die Ostsee verlegt worden.

          „Anti Access Anti Denial“

          Aber auch über größere Distanzen hinweg behalten sich Nato und Russland zur Zeit ständig im Auge: dem fiktiven Einsatz der insgesamt 36.000 Nato-Soldaten im westlichen Mittelmeer entspricht ein realer russischer Einsatz an dessen Ostküste. In Syrien stehen Putins Truppen seit mehr als einem Monat nicht nur dem Diktator Assad als bedrängtem Bundesgenossen bei, sondern veranstalten gleichzeitig eine eigene Waffenschau. Deren bislang größten Effekt stellte kürzlich der Abschuss von 26 Marschflugkörpern dar, die, abgefeuert von russischen Korvetten im Kaspischen Meer, nach einem Distanzflug von mehr als 1000 Kilometern Ziele im Nordwesten Syriens trafen. Solche Demonstrationen beunruhigen die Nato gegenwärtig noch stärker als die Frage, wen Putin in Syrien mit diesen Raketenangriffen trifft.

          General Domröse spricht in seinem nach Saragossa verlegten Hauptquartier von der Möglichkeit, dass russische Kräfte mit solchen Lenkflugkörpern vom Kaspischen Meer oder von der Enklave Kaliningrad aus versuchen könnten, Truppen der Nato den Zugang zu Teilen ihres eigenen Bündnisgebietes zu versperren – vor allem dann, wenn diese Raketen nuklear bestückt sein sollten. Auf eine solche Bedrohungs- und Verweigerungstaktik, für welche die Nato den Begriff „Anti Access Anti Denial“ verwendet, hat das Bündnis bislang noch keine Antwort gefunden. Das Phänomen müsse weiter beobachtet werden, heißt es. Über eine mögliche Gegenrüstung mit taktischen Nuklearwaffen will in Brüssel gegenwärtig weder die politische noch die militärische Führung der Nato offen sprechen. Domröse gibt auf die Frage, ob es andere militärische Abwehrmöglichkeiten gebe, die erwogen werden könnten, ein knappes Ja zur Antwort.

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