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Nato-Manöver in Spanien : Im Zeichen des Dreizacks

Demonstration ihrer reibungslosen Verständigung

Die amerikanischen Streitkräfte nutzten allerdings die Gelegenheit der Nato-Großübung, um in Spanien auch eigene Fähigkeiten vorzuführen und damit Botschaften in Richtung Moskau zu senden: Eine aus dem fiktiven Krisengebiet am Mittelmeer abgefeuerte Mittelstreckenrakete wurde von schiffsgestützter amerikanischer Raketenabwehr zwischen Frankreich und Großbritannien abgefangen. Die Botschaft steckte nicht im Abschuss der Rakete, sondern in ihrer Abwehr. Und zur militärischen Gefechtsschau am vorletzten Übungstag sandten die Amerikaner einen besonderen Gruß: Am frühen Morgen waren jenseits des Atlantiks sieben C17-Transportmaschinen aufgestiegen. Sie überflogen am frühen Nachmittag den Übungsplatz nahe Saragossa und ließen einige hundert amerikanische und spanische Fallschirmjäger auf die Ebene vor der Schautribüne niederregnen.

An der Abschluss-Schau, deren Regie die aufwendige Niederringung lakutischer Truppen in einer Häusersiedlung vorsah, nebst Panzerdurchbrüchen, Geiselbefreiung, Minenräumung, Luftlandeeinsätzen, Kampfflugzeugbegleitung und Verwundetenbergung, nahmen 1800 Soldaten aus zwölf Nato-Nationen teil. Den Nato-Regisseuren kam es dabei nicht allein auf die soldatischen Fähigkeiten der deutschen Gebirgsjäger, der spanischen Panzerkompanien, der tschechischen Abfangjäger oder der amerikanischen Hubschrauberpiloten an, sondern auf die Demonstration ihrer reibungslosen Verständigung und ihrer zügigen Zusammenarbeit; „Jointness“ lautet der Begriff, den die Nato dafür jetzt verwendet.

Vor einer solchen Nato müsse ja wohl niemand Angst haben

Zum Szenario der Trident-Übung gehören auch ganz andere Taktiken, die der Westen am russischen Vorgehen auf der Krim und in der Ukraine beobachtete, die aber in jedem „modernen“ Konflikt auftauchen können. Dazu zählen Methoden, den Kampf um die öffentliche Meinung im Konfliktgebiet und außerhalb zu gewinnen. Die Bundeswehr hat ihr „Zentrum Operative Kommunikation“ nach Saragossa ins Manöver geschickt. Zusammen mit polnischen Soldaten bilden sie einen Verband, der „eigene Massenkommunikationsmittel“ herstellt und auf verschiedene Zielgruppen wirken lässt – auf die Bevölkerung im fiktiven Krisengebiet, die beispielsweise auf den Einmarsch der Nato-Truppen vorbereitet werden soll, oder auf die gegnerischen Soldaten der Aggressor-Nation Kamon, die mittels kurzer Videoclips ins Grübeln über ihr Tun gebracht werden sollen.

Domröse und sein Nato-Hauptquartier aus Brunssum setzen bei Trident Juncture auch erstmals massiv auf Informationsverbreitung im Internet und in sozialen Medien, vor allem mit Bildern: Sechs „Gefechts-Kamerateams“ haben die Soldaten während der Übung in Aktion gefilmt, vor allem in jenen Gefechtssituationen, in denen nicht nur verschiedene Nationen, sondern auch verschiedene Teilstreitkräfte zusammenwirken mussten, um jene gemeinsame Kampfkraft zu erzeugen, aus der die Nato erst ihre Wirksamkeit ziehen kann. Die entsprechenden Fotos wurden während der Übung über den Bilderdienst Flickr millionenfach abgerufen – mit stark steigendem Interesse. Beim Videodienst Youtube registrierte das Medienzentrum in Saragossa außerordentlich viele russische Zugriffe. Ein Foto nahmen russische Medien gern aus dem kostenlosen Bilderangebot: Es zeigte ein liegengebliebenes Landungsfahrzeug, das bei einer Übung an der spanischen Küste in Treibsand geraten war. Die Nato-Medienbeobachter berichteten, der russische Text dazu habe gelautet, vor einer solchen Nato müsse ja wohl niemand Angst haben.

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