https://www.faz.net/-gq5-7yesr

Hasspropaganda im Netz : „Ausführungen über den gesegneten Kriegszug“

Frankreich trauert. Derweil ergießen sich im Netz Botschaften des Zynismus’ und Hasses über die Opfer. Bild: AP

Kaum sind die blutigen Geiselnahmen in Paris beendet, schon versuchen islamistische Hassprediger, die Taten der Terroristen für sich zu reklamieren – und ihrem Beispiel weitere folge zu lassen. Auch aus Deutschland sind solche Tweets zu lesen.

          2 Min.

          Am Ende eines nervenaufreibenden Tages meldeten sich die dschihadistischen Hassprediger, um die Urheberschaft des Terrors von Paris für sich zu reklamieren. Wenige Stunden nach dem Tod der Terroristen verbreitete die Medienorganisation „Al Malahim“ die Propaganda von Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap), dem jemenitischen Arm des Terrornetzes, ihre Botschaften. In einer Audiobotschaft wandte sich der „Scharia-Beauftragte“ der Gruppe, Harith bin Ghazi al Nadhari, mit „Ausführungen über den gesegneten Kriegszug“ an die Öffentlichkeit.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Ohne auf Details der Operation einzugehen, die im Namen seiner Organisation geführt worden sein soll, pries er die Attentäter als Helden und Soldaten Gottes, beschrieb den Terror von Paris als Vergeltung für französische Aggression gegen den Islam und seinen Propheten Mohammed. Am Schluss richtete er noch eine Drohung an die Franzosen: Sie würden nicht in Sicherheit leben, so lange die (vermeintliche) Aggression gegen die Muslime andauere. Die „Gläubigen“ würden die „Ungläubigen“ töten.

          Hinweise führen in den Jemen

          Terrorfachleute hatten erwartet, dass mit dem Ende der Verfolgungsjagd die Bekenntnisse zu dem Blutbad in der Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ kommen würden. Es ist zwar nicht endgültig erwiesen, dass Aqap tatsächlich hinter den Terroranschlägen steckt.

          Pervertierung des Mitgefühls: Sympathisanten der Attentäter im Netz ahmen das Motto der Trauernden nach den Anschlägen nach.

          Es gibt aber Indizien dafür, dass sie etwas mit dem Massaker zu tun hat. Der Umstand etwa, dass einer der Attentäter, Chérif Kouachi, wie die „New York Times“ unter Berufung auf amerikanische Regierungsangaben berichtet hatte, 2011 ein Al-Qaida-Trainingslager im Jemen besucht haben soll. Außerdem sollen die Terroristen nach Augenzeugenberichten selbst verkündet haben, im Namen von Al Qaida im Jemen zu handeln.

          Hassprediger verherrlichen Attentäter von Paris

          In den Sympathiebekundungen radikaler Islamisten in den sozialen Netzwerken finden sich ebenfalls Verweise auf den jemenitischen Al-Qaida-Arm. So wird in einem auf YouTube verbreiteten Propagandavideo der bekannte Dschihad-Ideologe Anwar al Aulaqi zitiert. Der Sohn jemenitischer Eltern im amerikanischen Bundesstaat New Mexico wurde im September 2011 durch einen amerikanischen Drohnenangriff getötet. Gute Vorsätze reichten nicht aus, heißt es in dem zitierten Ausspruch. Man müsse nach dem Vorbild des Propheten zur Tat schreiten, um die Diffamierungskampagne gegen den Islam zu stoppen – und die „Medizin“ dagegen sei „Exekution“.

          Verkehrte Rollen: In zynischen Botschaften werden die Angreifer zu Verteidigern des Propheten stilisiert.

          Das Video zeigt auch die von Aqap verbreitete Propagandazeitschrift „Inspire“, in der der „CharlieHebdo“-Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier unter einigen anderen als Zielperson aufgeführt war. Nun ist sein Bild mit roter Farbe durchgestrichen.

          Die Attentäter wirken im Netz auch nach ihrem Tod auf unheilige Weise fort. Ihre Fahndungsfotos werden von Gleichgesinnten auf Twitter etwa unter dem arabischen Hashtag „Märtyrertod“ verbreitet. „Die zwei Mujahideen Said und Sharif Kouachi sind Shaheed in shaa Allah. Möge Allah sie annehmen. Amin“, heißt es in einem deutschen Tweet.

          Weitere Themen

          Die Heldengeschichten der Tories

          Nach Wahlsieg : Die Heldengeschichten der Tories

          Nach dem Sieg in der Unterhauswahl will Boris Johnson die Bürokratie stärker auf seine Politik ausrichten, munkelt man – in Westminster löst das Unruhe aus. Wer zum Erfolg des Premiers entscheidend beigetragen hat, ist hingegen glasklar.

          Topmeldungen

          Nach Wahlsieg : Die Heldengeschichten der Tories

          Nach dem Sieg in der Unterhauswahl will Boris Johnson die Bürokratie stärker auf seine Politik ausrichten, munkelt man – in Westminster löst das Unruhe aus. Wer zum Erfolg des Premiers entscheidend beigetragen hat, ist hingegen glasklar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.