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Anschlag in Charkiw : 15 Jahre alter Junge stirbt in Krankenhaus

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach einem Anschlag in Charkiw ist ein 15 Jahre alter Junge seinen Verletzungen erlegen. Damit stieg die Zahl der Toten auf drei. Bislang gibt es noch keine Spur zu den Tätern.

          Nach einem Bombenanschlag in Charkiw erlag am Montag in einem Krankenhaus ein 15 Jahre alter Junge seinen schweren Verletzungen. Die Zahl der Toten erhöhte sich damit auf drei. Spezialkräfte suchten in der zweitgrößten Stadt der Ukraine weiter nach den Hintermännern der Tat. Vier festgenommene Mitglieder der prorussischen Vereinigung „Charkiwer Partisanen“ hätten nach ersten Erkenntnissen nichts mit dem Verbrechen zu tun, teilte der Geheimdienst mit.

          Allerdings sei einer der Männer in der russischen Stadt Belgorod mit Plänen, Geld und einem Raketenwerfer für Angriffe auf Treffpunkte von regierungstreuen Kräften ausgestattet worden, hieß es. In einer Mitteilung wies die Gruppe „Charkiwer Partisanen“ die Vorwürfe zurück. Während einer Demonstration von etwa 300 proukrainischen Aktivisten waren am Sonntag bei der Explosion eines ferngezündeten Sprengsatzes weitere elf Menschen verletzt worden.

          Der vereinbarte Abzug schwerer Waffen von der Front im Kriegsgebiet Ostukraine kommt nicht voran. Die ukrainischen Regierungseinheiten schlossen vorerst einen Positionswechsel aus. Sie warfen den Aufständischen vor, die Feuerpause zu missachten, wie am Montag Armeesprecher Anatolij Stelmach sagte. Es seien abermals zwei Soldaten getötet und zehn verletzt worden, hieß es in Kiew.

          Die prorussischen Separatisten wiesen die Vorwürfe zurück. Die „Volkswehr“ reagiere nur auf Beschuss und „Provokationen“ durch das Militär, sagte Separatistensprecher Eduard Bassurin in Donezk. Für die Verzögerung des Waffenrückzugs der Aufständischen machte er „logistische Gründe“ verantwortlich. „Bisher rechnen wir damit, am 24. Februar mit dem Abzug zu beginnen“, sagte Bassurin.

          Die Bundesregierung hält die Umsetzung des am 12. Februar in Minsk vereinbarten Friedensplans für unzureichend. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin: „Es erfüllt uns mit Sorge, dass es noch keine umfassende Waffenruhe gibt.“ Es seien zwar auch positive Entwicklungen zu beobachten. Eine Feuerpause sei aber Voraussetzung für den vereinbarten Abzug schweren Geräts und die Überwachung durch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

          Am Wochenende hatten beide Seiten eine weitere Vereinbarung unterzeichnet und Gefangene ausgetauscht. Separatistensprecher Bassurin schloss einen baldigen erneuten Austausch nicht aus. „Wir haben noch mehr als 100 Gefangene“, sagte er.

          Die Aufständischen kritisierten, die ukrainische Regierung beende nicht ihre Wirtschaftsblockade der Region Donbass. Es gebe inzwischen große Probleme, die Menschen im Kriegsgebiet zu ernähren, sagte der Minsker Verhandlungsteilnehmer Denis Puschilin.

          Am Dienstag kommen die Außenminister der Ukraine, Russlands, Deutschlands und Frankreichs in Paris zu einem weiteren Treffen über die Lage in der Ostukraine zusammen. Dabei dürfte auch der Fall der in Russland inhaftierten ukrainischen Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko zur Sprache kommen. Die Bundesregierung setzt sich für die Freilassung der 33-Jährigen ein.

          Ein Sprecher des Auswärtigen Amts äußerte sich besorgt wegen des Gesundheitszustands Sawtschenkos, die seit mehr als zwei Monaten mit einem Hungerstreik gegen ihre Untersuchungshaft protestiert. Die Frau war im Juni von Separatisten gefangen genommen und nach Russland gebracht worden. Die russische Justiz wirft ihr vor, in die Tötung zweier russischer Journalisten im Konfliktgebiet verwickelt zu sein.

          Russland bietet Iran Raketengeschäft an

          Russland hat am Montag bekannt gegeben, dass es trotz geltender UN-Sanktionen bereit sei, dem Iran moderne Boden-Luft-Raketensysteme zu liefern. „Wir haben ihnen die ’Antey-2500’ angeboten“, sagte der Chef der Rüstungsagentur Rostec, Sergei Schemesow, am Montag der Nachrichtenagentur „RIA-Nowosti“. Eine formelle Entscheidung über das Waffengeschäft sei allerdings noch nicht getroffen worden.

          Wegen des UN-Raketenembargos gegen Teheran hatte Moskau vor fünf Jahren ein geplantes Rüstungsgeschäft stoppen müssen, damals ging es um das Luftabwehrsystem „S-300“. Die „Antey-2500“ ist eine modernisierte Version davon. Obwohl es in den internationalen Atomverhandlungen mit dem Iran Fortschritte gegeben hat, sind die UN-Sanktionen nach wie vor in Kraft. Sollte sich Moskau darüber hinwegsetzen, würde dies vom Westen wohl als Affront gesehen werden.

          Während der Ukraine-Krise hat Russland seine Beziehungen zum Iran intensiviert. Verteidigungsminister Sergej Schojgu und sein iranischer Kollege Hossein Dehghan hatten im Januar in Teheran ein Abkommen über eine engere militärischeZusammenarbeit unterzeichnet und dies als Reaktion auf eine „Einmischung“ durch die Vereinigten Staaten dargestellt.

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