https://www.faz.net/-gq5-7rt80

Nach Absturz von MH17 : „Putin hat eine letzte Chance“

  • Aktualisiert am

Wrackteile werden von Separatisten bewacht Bild: dpa

Chaotisch geht es zu bei den Untersuchungen an der Absturzstelle im Osten der Ukraine. Russlands Präsident Putin müsse ein Machtwort an die Separatisten richten, fordert der Regierungschef des am schlimmsten getroffenen Landes.

          4 Min.

          Nach dem Absturz in der Ostukraine forderte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf, zur Aufklärung beizutragen. „Er hat eine letzte Chance zu zeigen, dass er wirklich helfen will“, sagte Rutte am Samstagabend. Er habe ein „sehr intensives“ Gespräch mit Putin geführt. Russlands Präsident müsse auf die prorussischen Separatisten Einfluss nehmen, damit die Absturzursache untersucht werden könne. 193 der 298 Opfer des Absturzes der Boeing 777 der Malaysia Airlines waren Niederländer.

          Nach den Worten von Außenminister Frank-Walter Steinmeier muss geklärt werden, ob Kräfte aus Russland direkt am Abschuss des Flugzeugs beteiligt waren. „Die Täter und ihre Hintermänner dürfen nicht entkommen“, sagte der SPD-Politiker der Zeitung „Bild am Sonntag“.

          Cameron kritisiert europäische Zurückhaltung

          Auch Großbritannien erhöhte den Druck auf Putin und die Separatisten. Sollte sich herausstellen, dass die Rebellen das Flugzeug abgeschossen hätten, wäre dies ein direktes Resultat der Destabilisierung der Ukraine durch Russland, schrieb Premier David Cameron in einem Gastbeitrag der britischen Zeitung „The Sunday Times“. Für diesen Fall haben die Vereinigten Staaten und Europa harte Wirtschaftssanktionen angedroht, die auch das Russland-Geschäft deutscher Unternehmen beeinträchtigen könnten.

          Zugleich kritisierte Cameron die seiner Meinung nach zu zögerliche Haltung einiger europäischer Staaten in der Ukraine-Krise. „Es ist an der Zeit, unsere Macht, unseren Einfluss und unsere Mittel in die Waagschale zu werfen“, erklärte Cameron. Die europäischen Volkswirtschaften seien robust und gewännen an Stärke. „Und dennoch verhalten wir uns manchmal, als wenn wir Russland mehr bräuchten als Russland uns.“ Kanzlerin Angela Merkel hatte Putin zuvor in einem Telefonat dazu gedrängt, sich bei den Separatisten für eine Waffenruhe einzusetzen.

          Opfer wurden abtransportiert

          Die Separatisten in der Ostukraine bestätigten den Abtransport sterblicher Überreste von der Absturzstelle der Passagiermaschine. „Einige Dutzend Leichen“, die mitten in der Ortschaft Grabowo gelegen hätten, seien „in Anwesenheit von OSZE-Beobachtern“ nach Donezk gebracht worden, sagte der Rebellensprecher Sergej Kawtaradse am Samstag.

          „Es war aus hygienischen Gründen unmöglich, sie weiter dort liegen zu lassen“, sagte Kawtaradse. Die Leichen würden in Donezk ausländischen Experten übergeben. Zuvor hatte die ukrainische Führung den Aufständischen vorgeworfen, Beweismaterial vom Absturzort zu entwenden. Russlands Präsident Putin rief die Konfliktparteien auf, internationalen Ermittlern Zugang zu dem Wrack zu gewähren.

          Am Samstag konnte eine OSZE-Expertengruppe erstmals über längere Zeit den Unfallort untersuchen. „Wir waren drei Stunden lang an der Absturzstelle und konnten uns freier bewegen als gestern“, berichtete eine Sprecherin der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Samstagabend aus Donezk. Dennoch würden die Ermittlungen weiter durch durch Einschüchterungen und chaotische Zustände erschwert. Die OSZE-Experten würden bei jedem Schritt von bewaffneten und zum Teil maskierten Männern verfolgt, berichtete der OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw am Samstagabend aus Donezk dem Sender CNN.

          Weitere Themen

          Trump droht erneut mit Tiktok-Verbot Video-Seite öffnen

          Noch 1,5 Monate : Trump droht erneut mit Tiktok-Verbot

          Präsident Donald Trump hat den Druck auf den chinesischen Inhaberkonzern von Tiktok zum Verkauf der populären Videoplattform an ein amerikanisches Unternehmen massiv erhöht.

          Und wieder die Politiker!

          „Querdenken 711“ : Und wieder die Politiker!

          Eine Initiative peitscht Bürger in der Corona-Pandemie auf, um sie zu ihren Demos zu locken. Doch angebliche Belege sind gefälscht, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen.

          Topmeldungen

          Demo am 1. August in Berlin

          „Querdenken 711“ : Und wieder die Politiker!

          Eine Initiative peitscht Bürger in der Corona-Pandemie auf, um sie zu ihren Demos zu locken. Doch angebliche Belege sind gefälscht, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen.
          Mitarbeiter vom Bayerischen Roten Kreuz nehmen an einem Corona-Testzentrum an der Autobahn 8 (A8) einen Abstrich

          In Bayern : Corona-Tests für Reiserückkehrer in vielen Fällen nutzlos

          Mehr als 40.000 Reiserückkehrer haben sich an Teststationen an Autobahnen und Bahnhöfen in Bayern freiwillig auf Corona testen lassen – viele haben ihr Testergebnis aber nie erhalten. Beim zuständigen Landesamt gibt man sich zerknirscht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.