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Münchener Sicherheitskonferenz : Klitschko setzt auf die Macht der Bilder

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Das Bild der Konferenz: Klitschko konfrontiert den ukrainischen Außenminister Koschara mit seinen Bildern der Proteste Bild: Münchener Sicherheitskonferenz/Marc Müller

Der Konflikt in der Ukraine und Vitali Klitschko standen in München im Mittelpunkt. Beim Aufeinandertreffen mit dem ukrainischen Außenminister Koschara präsentierte Klitschko sein Fotoalbum der Auseinandersetzungen - FAZ.NET zeigt die eindrucksvollen Bilder.

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          Rund 24 Stunden lässt Vitali Klitschko die Wirren in seinem Heimatland hinter sich. Die Staatskrise, den Machtkampf mit der Regierung, die gewaltsamen Demonstrationen, die Toten. Nun ist der ukrainische Oppositionspolitiker hier in München, fast in einer anderen Welt im Vergleich zu der, die seit vielen Wochen die seine ist.

          Am späten Nachmittag dann steigt der ehemalige Boxweltmeister selbst aufs Podium im Konferenzsaal des Tagungshotels „Bayerischer Hof“. Dort nimmt er in einem tiefen Ledersessel Platz, direkt neben dem amtierenden ukrainischen Außenminister Koschara. Beide begrüßen sich zwar mit einem kurzen Handschlag - doch unterkühlter könnte der Empfang kaum sein. Bei der anschließenden  Debatte treten die Trennlinien deutlich zutage. „Wir denken, dass wir alle wichtigen Forderungen der Opposition erfüllt haben“, sagt Koschara - und meint: „Es geht hier nicht um einen Kampf um Demokratie, sondern es geht um den Kampf um ein Amt.“

          Das Deckblatt des Klitschko-Albums - wir dokumentieren die Bilder unkommentiert Bilderstrecke

          Klitschko hat einen strategischen Vorteil. Er spricht deutsch. Es ist ein Heimspiel für ihm. Für sein Statement, dass er verliest, erhält er lang anhaltenden Applaus. Klitschko nutzt das Podium, um schwere Vorwürfe gegen die Machthaber um Janukowitsch zu erheben. Die hätten den Weg der Spannung und der Konfrontation gewählt, den Weg von Terror und Gewalt. Der Druck auf Janukowitsch wachse nun, sagt er - und fordert abermals, die Regierung müsse sämtliche Forderungen erfüllen.

          Dann sprengt der ehemalige Box-Weltmeister das Protokoll. Klitschko verlässt, vorbei an seinen überraschten Mitdiskutanten, das Podium. Eine Mitarbeiterin reicht ihm einen Stapel Kataloge. Klitschko nimmt sie an sich und verteilt sie. Zunächst an seine Mitdiskutanten auf dem Panel, dann auch an einige Zuhörer aus den ersten Stuhlreihen. Von dort wandern sie durch den Saal. Auch der Außenminister der Ukraine nimmt notgedrungen die Broschüre mit den Fotos in die Hand. Klappt die Brille hoch. Blättert. Er sieht Bilder von den Protesten aus Kiew. Spätestens mit seiner spontan und ein wenige unbeholfen anmutenden Verteilaktion scheint Klitschko das Publikum endgültig für sich einzunehmen. Klitschko erzielte mit seiner Aktion einen ersten Erfolg, im Anschluss trafen sich Außenminister Koschara und der Oppositionsführer zu einem weiteren Gespräch.

          „Ohne Kampf gibt es keinen Sieg“

          Ob er sich das erlauben könne, seine Mitstreiter alleine zu lassen, wird er gefragt. „Ganz kurz, nur für heute, und dann fliege ich zurück“, sagt er. Es sei wichtig, mit „Freunden“ zu sprechen, um - wenn möglich - die Eskalation in seinem Heimatland zu stoppen. Während zu Hause in Kiew der Machtkampf tobt, nimmt Klitschko für einen Tag an der Sicherheitskonferenz teil. Doch nicht nur das. Stunden vorher verlässt Klitschko das Hotel „Bayerischer Hof“ verlassen, um sich für eine gute halbe Stunde zu einem Platz in der Nähe fahren zu lassen. Dort haben sich mehrere hundert Anhänger versammelt, um für Klitschko und die Opposition und gegen Präsident Viktor Janukowitsch zu demonstrieren.

          „Klitschko, Klitschko“, ruft die Menge und jubelt, als der bullige Zwei-Meter-Mann die Bühne betritt. Sie recken Plakate in die Höhe, auf denen steht „Gemeinsam gegen Diktatur!“ oder „Janukowitsch weg!“. „Ehre der Ukraine“ rufen sie. Und dann spricht Klitschko, nicht lang, nur ein paar Minuten. Er spricht ruhig und unaufgeregt, doch seine Botschaft ist völlig eindeutig. Niemand wisse dies besser als er, sagt der ehemalige Boxweltmeister: „Ohne Kampf gibt es keinen Sieg - deswegen müssen wir kämpfen. Deswegen müssen wir kämpfen für unser Land.“ Und er verspricht seinen Anhängern: „Wir werden siegen.“

          „Was hat Aufwiegeln mit dem Werben für Demokratie zu tun?“

          Am Ende seiner kurzen Ansprache reckt er die Fäuste Richtung Himmel, der an diesem Samstag blitzblau über München strahlt. Fast unwirklich, der Vergleich zu den Fotos aus Kiew von vor gut einer Woche, die Klitschko inmitten der Proteste vor schwarzen, dichten Rauchwolken zeigten. Kiew scheint hier an diesem Samstagmittag weit, weit weg - auch wenn es dorthin von München aus nicht einmal 1.500 Kilometer Luftlinie sind. Nur die Fotos, die Klitschkos Anhänger an den Bühnenrand geklebt haben, vermitteln, um was es in dem Konflikt geht. Es sind blutige Fotos, sie zeigen angeblich verletzte Demonstranten. Und Porträtfotos der Toten hängen dort. Mindestens vier Oppositionelle starben in der Ukraine in den vergangenen Wochen.

          Am Rande der Sicherheitskonferenz spricht Klitschko mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, dem amerikanischen Außenminister John Kerry, dem deutschen Ressortchef Frank-Walter Steinmeier. Alle interessiere die Stabilisierung der Situation in der Ukraine, alle seien besorgt.

          Doch die Diskussionen auf der Sicherheitskonferenz zeigen, welchen Schwierigkeiten die ukrainische Opposition auf internationalem diplomatischem Parkett gegenübersteht. Da ist einerseits Kerry, der der Opposition die Solidarität der westlichen Welt zusichert. Die Menschen in der Ukraine hätten das Recht, ihre Zukunft selbst zu bestimmen, sagt er. „Die USA und die Europäische Union stehen an der Seite des ukrainischen Volkes in diesem Kampf.“ Und da ist auf der anderen Seite der russische Außenminister Sergej Lawrow, der dem Westen vorwirft, dem ukrainischen Volk keine Wahl zu lassen, als sich Richtung Europa und Nato zu orientieren. Und Lawrow fragt provozierend: „Was hat Aufwiegeln zunehmend gewalttätiger Proteste auf der Straße mit dem Werben für Demokratie zu tun?“ Und warum die EU eigentlich nicht die verurteile, die Gebäude besetzt hielten?

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