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Moskau vernichtet Lebensmittel : Dann wird der Käse aus dem Westen halt verscharrt

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Der fallende Rubel verteuerte zudem sowohl importierte Konsumprodukte wie auch jene Vorleistungen, die russische Hersteller einführten, um selbst Lebensmittel herzustellen. 2014 erreichte die Teuerung 11 Prozent.

Zur Hälfte importabhängig

Analysten der russischen Bank VTB erwarten für das Gesamtjahr 2015 eine Inflation von 15 Prozent sowie 18 Prozent Preissteigerung bei Lebensmitteln. Die Reallöhne sinken.

Ebenso die Verkäufe im Einzelhandel, im Juni lagen sie 9 Prozent unter Vorjahresniveau. Die Russen kaufen nicht nur günstigere Produkte, sie versorgen sich auch wieder mehr aus dem eigenen Gemüsegarten auf der Datscha.

Der russischen Alfa Bank zufolge umfasste der Einfuhrstopp zu Beginn die Hälfte aller Lebensmittelimporte. Die Importabhängigkeit wiederum variierte je nach Kategorie stark.

Die Schweizer Bank UBS schätzte sie auf rund 60 Prozent bei Rindfleisch sowie auf die Hälfte bei Fisch, Käse und Quark, wobei der Ausfall am Gesamtangebot durch das Embargo je nach Warengruppe bis zu knapp einem Drittel reichte.

Milchkühe müssen wachsen

Die Kompensation gelang relativ schnell: Der Gesamtwert der russischen Einfuhr von Lebensmitteln und Agrargütern lag laut Statistikamt 2014 bei umgerechnet 40 Milliarden Dollar und damit nur 8 Prozent niedriger als 2013. Im ersten Quartal 2015 brach er allerdings auf 6 Milliarden Dollar ein, 42 Prozent weniger als im Vorjahresquartal – aber zu Jahresanfang hatte der Rubel gegenüber dem Dollar auch dramatisch an Wert verloren.

Die russische Landwirtschaft steht vor einer großen Herausforderung. Sie soll in einer Wirtschaftskrise mit sehr teuren Bankkrediten und fallender Konsumnachfrage jene Investitionen finanzieren, die den seit der Wende vernachlässigten Sektor wieder auf die Beine bringen sollen – Investitionen, die sich angesichts der mehrjährigen Zyklen in der Landwirtschaft meist nicht schnell auszahlen.

Milchkühe müssen wachsen, ein zuvor brachliegender Acker bringt nicht schon nach der ersten Aussaat die volle Ernte. Zudem wird die Branche von Kleinbetrieben mit geringen Skaleneffekten dominiert, die mit hohen Transportkosten, komplizierten Vertriebswegen und schlechter Infrastruktur kämpfen – etwa fehlenden Lagerhäusern und einer löchrigen Kühlkette.

Mit Palmöl gestreckt

Zwar erlässt der Staat trotz wachsendem Haushaltsdefizit den Produzenten Steuern, bietet Zinsvergünstigungen an sowie Subventionen, kurzfristig helfen manchmal aber offenbar nur Tricks.

Während Russlands Gesamtproduktion im Agrarsektor im ersten Quartal nur um rund 4 Prozent wuchs und die Fleischproduktion in den ersten vier Monaten immerhin um 14 Prozent zulegte, wuchs die Käseherstellung in diesem Zeitraum gleich um 30 Prozent.

Doch die Milchproduktion blieb konstant, die Einfuhr von Milch fiel. Wo kam dann aber der Rohstoff für den Käse her? Inzwischen gilt es als Konsens, dass die Branche massenhaft mit Palmöl streckt und (undeklarierten) Kunstkäse herstellt.

Bis zu drei Monate Gefängnis

In Kontrast hierzu begründete Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew die nun begonnene Vernichtung ausländischer Konterbande wieder mit dem Heimatschutz: Der Schmuggel belaste russische Firmen, die „ähnliche, manchmal bessere Produkte herstellen, sie aber am Markt nicht verkaufen können“. Zudem arbeitet seine Regierung an einer Ausweitung des Einfuhrstopps auf andere Länder.

Die Wirkung dürfte gering sein, da keines der Ziele wie Island, Liechtenstein oder Albanien ein nennenswerter Lieferant ist. Aber das politische Zeichen ist eindeutig – ebenso wie dieses: Wenn ein Staatsbediensteter sich bei der Beseitigung geschmuggelter Lebensmittel zu aktiv einbringt, also wenn er etwas davon isst, kann er mit bis zu drei Monaten Gefängnis bestraft werden. Verzehr gilt nicht als Vernichtung.

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